Schwerpunkte

Wiederanlauf einer Produktionsanlage

Elektrische Prüfungen nicht vergessen

10. September 2020, 10:21 Uhr   |  Lukas Göck, Reichelt Elektronik


Fortsetzung des Artikels von Teil 5 .

Haupt-Niederspannungsverteilung

Die Haupt-Niederspannungsverteilung ist direkt angeschlossen an der Trafostation und der Netzersatzanlage, wenn vorhanden. Auch hier gilt: Bevor die Prüfarbeiten beginnen, muss die Verteilung spannungsfrei geschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert werden.

Nach der Sichtprüfung der Verteilung und Kabel auf Beschädigungen muss eine vollständige Kontrolle aller Verschraubungen und Steckklemmen erfolgen. Während eines Stillstandes kann es zu Lockerungen kommen. Die dadurch entstehenden Übergangswiderstände führen im schlimmsten Fall zu einem Brand in der Anlage. Ist die Sicht und mechanische Prüfung abgeschlossen, wird die Anlage wieder unter Spannung gesetzt und die Einbauten im Schrank auf ihre elektrische Funktionsfähigkeit geprüft.

Geprüft werden die Leitungsschutzschalter und Lasttrennschalter. Wenn diese nicht funktionieren, muss der sofortige Austausch erfolgen.

Eventuell vorhandene Umschalteinrichtungen für den Netzersatzbetrieb wurden schon vorher durch die Prüfung der Notstromversorgung erledigt.

Auch an der Verteilung müssen alle Spannungen und Stromkreise gemessen werden in Bezug auf Spannungshöhe und die Qualität der Sinusspannung. Es kommen die schon erwähnten Messgeräte zum Einsatz. Hierzu muss die vollständige Dokumentation der Anlage herangezogen werden. Vor allem Stromlaufpläne der Verteilung müssen vorhanden und korrekt sein. Abweichungen müssen nachdokumentiert werden. Wichtig ist auch die gleichmäßige Auslastung von L1 / L2 / L3. Dies ist in der Dokumentation der Anlage einzutragen. Dies gilt für alle ermittelten Messwerte.

Vorher-Nachher-Fotos sollten der Dokumentation beigefügt werden.

Erdungsprüfung

Die Funktionsfähigkeit der Personenschutzeinrichtungen in den Verteilungen hängt essentiell vom Erdungswiderstand der Elektroanlage ab. Dieser wird bei der Erstellung der Elektroverteilungen ermittelt und ist abhängig vom zum Einsatz kommenden Netztyp (IT, TT, TN). Das Messverfahren ist sehr aufwendig und erfordert spezielle Messgeräte.

Eine detaillierte Beschreibung der Messverfahren ist in diesem Dokument "Leitfaden zur Erdungsprüfung" (Download unten) zusammengestellt.

Für die Wiederinbetriebnahme-Prüfung ist es wichtig, dass der Wert, der bei der Errichtung der Elektroanlagen ermittelt wurde, noch erreicht wird und nicht nach oben abweicht. Ist das der Fall, muss die Ursache dafür gesucht werden. Ein häufiger Grund ist zu trockenes Erdreich. Gerade in unseren trockenen Sommern kann es sehr schnell zu erhöhten Erdwiderständen kommen. Wenn das der Fall sein sollte, muss den neuen Umweltbedingungen durch Änderung der Erdungsart Rechnung getragen werden. Die dazu gehörende Norm ist die DIN VDE 0100-410. Sie gibt einen Maximalwert von 100 Ω für den Erdungswiderstand an. In der alten Version der Norm war ein Minimalwert von 2 Ω definiert, dieser ist heute nicht mehr gültig.

Überprüfung der Unterverteilungen

In einer großflächigen Fertigungsanlage gibt es nicht nur die Hauptverteilung, sondern viele nachgelagerte Unterverteilungen. In ihnen befindet sich im Allgemeinen der direkte Personenschutz (RCD/FI). Wichtig ist es, die für den Personenschutz zuständigen RCD (FI) mit der Testtaste auszulösen. Kommt es hier zu Fehlfunktionen, müssen die Schalter ausgetauscht werden.

Auch die Leitungsschutzschalter für die Endverbraucher müssen geprüft und bei Defekt ausgetauscht werden. Die zuvor schon des Öfteren beschriebenen Sichtprüfungen und Reinigungen müssen zudem bei den Unterverteilungen im spannungsfreien Zustand der Anlage erfolgen.

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1. Elektrische Prüfungen nicht vergessen
2. Begehung und visuelle Prüfung der Produktionsstätte
3. Elektrische Prüfungen
4. Kontrolle der Netzqualität
5. Überprüfung Notstromversorgung und Notbeleuchtung
6. Haupt-Niederspannungsverteilung
7. Überprüfung von Anlagen und IT-Einrichtung
8. Dokumentation der Prüfergebnisse

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