Schwerpunkte

Wiederanlauf einer Produktionsanlage

Elektrische Prüfungen nicht vergessen

10. September 2020, 10:21 Uhr   |  Lukas Göck, Reichelt Elektronik


Fortsetzung des Artikels von Teil 2 .

Elektrische Prüfungen

Die zuvor genannten Kontrollen dürfen von jedem Mitglied des Fabrikwartungsteams durchgeführt werden, solange die Anlage noch nicht unter Spannung steht. Kontrollen und Messungen, die im nachfolgenden beschrieben werden, dürfen nur von einer Elektrofachkraft (EFK) durchgeführt werden. Hierzu bedarf es einer elektrotechnischen Ausbildung (Geselle/Facharbeiter, staatlich geprüfter Techniker, Industrie- oder Handwerksmeister oder Diplomingenieur) mit einer zusätzlichen Prüfung zur Elektrofachkraft. Hierbei handelt es sich um eine Weiterbildung, die in festen Intervallen aufgefrischt werden muss. Die Norm VDE 1000-10 legt die entsprechenden „Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen“ fest.

Die nachfolgend beschriebenen Prüfungen beginnen bei der Einspeisung der Stromversorgung von Seiten des EVU und enden beim Endverbraucher. Der gesamte Prozess ist wie eine Perlenkette zu sehen. Eine Prüfstelle folgt auf die nächste und alle hängen voneinander ab. Da nicht alle Produktionsstätten gleich aufgebaut sind, wird natürlich der eine oder andere Prüfpunkt nicht von Relevanz sein. Deshalb wird die Beschreibung möglichst allgemeingültig gehalten.

Trafostation

Wird die Produktionsstätte von einer eigenen Trafostation versorgt, so muss diese als erstes überprüft werden. Für alle Prüfschritte gilt, dass die Trafostation spannungsfrei geschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert sein muss. Wie dies zu erfolgen hat, hängt von der Art der Trafostation ab.

Erster Prüfschritt ist die bauliche Inaugenscheinnahme:

  • Gibt es Beschädigungen an der Bausubstanz?
  • Sind Dach und die Regenwasserabläufe in Ordnung und unbeschädigt?
  • Ist der Boden trocken und unbeschädigt?
  • Befinden sich keine Fremdkörper (z.B. Blätter / Äste) oder Tiere in der Station?
  • Reinigungen dürfen nur trocken durchgeführt werden, Ohne den Einsatz von Wasser.

Der zweite Prüfschritt bezieht sich auf die Hochspannungsseite des Transformators. Bevor man hier mit der Kontrolle beginnt, muss eine Isolationsmatte auf den Boden der Trafostation gelegt werden, um den Personenschutz zu gewährleisten. Auch das Tragen von Schutzhandschuhen ist empfohlen.

Achtung: Eine wiederholte Prüfung der Spannungsfreiheit wird dringend empfohlen!

Kontrolliert werden alle Einspeisungskabel und Schienen auf Beschädigungen und Verschmutzung. Eventuell notwendige Reinigungen dürfen nicht mit wasserhaltigen Reinigern erfolgen. Hierfür gibt es spezielle Reinigungsmittel. Immerhin liegen an der Einspeisung der Trafostation 10.000 V bis 20.000 V an. Da kann Feuchtigkeit beim Wiedereinschalten zu einem gewaltigen Feuerwerk führen.

Kabel und Kupferschienen der Einspeisung sind geschraubt, hier ist es erforderlich, die Drehmomente der Verschraubungen zu kontrollieren. Dies sollte man aber erst machen, wenn die Spannungsfreiheit der Anlage nochmal kontrolliert wurde. Die Drehmomente sind in der Anlagendokumentation beschrieben und müssen mit einem passenden Drehmomentschlüssel überprüft werden.

Alle Arbeiten sollten mit Vorher-Nachher-Fotos dokumentiert werden, um im Falle eines Unfalles die Korrektheit der ausgeführten Arbeiten nachweisen zu können.

Was für die Hochspannungsseite des Trafos gilt, ist auch für die Niederspannungsseite der Station relevant. Hier hat man es zwar meist „nur noch mit 3 x 400 V“ zu tun, aber auch die sind wasserempfindlich und lebensgefährlich.

Die dritte Prüfung der Trafostation kann erst erfolgen, wenn die gesamte Anlage wieder eingeschaltet wurde. Neben der Kontrolle der abgehenden Niederspannungen muss die gleichmäßige Auslastung von L1 / L2 / L3 kontrolliert und dokumentiert werden.

Nachdem die Station dann wieder unter Last betrieben wird, empfiehlt es sich, mit einer Wärmebildkamera alle spannungsführenden Teile zu kontrollieren. Die dabei gemachten Aufnahmen gehören in eine Inbetriebnahme-Dokumentation. Treten hier rote Zonen (zu hohe Temperatur) auf, so müssen sofort entsprechende Maßnahmen zur Entstörung eingeleitet werden. Die Station muss umgehend abgeschaltet werden.

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1. Elektrische Prüfungen nicht vergessen
2. Begehung und visuelle Prüfung der Produktionsstätte
3. Elektrische Prüfungen
4. Kontrolle der Netzqualität
5. Überprüfung Notstromversorgung und Notbeleuchtung
6. Haupt-Niederspannungsverteilung
7. Überprüfung von Anlagen und IT-Einrichtung
8. Dokumentation der Prüfergebnisse

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