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Messtechnik: Eine Schieblehre in chinesischen Dimensionen

In China ist alles etwas größer: Das Oberndorfer Präzisions-Werk OPW hat für einen chinesischen Anlagenbauer einen Messschieber mit gigantischen Abmessungen entwickelt.

Messschieber mit drei Meter lichte Weite Bildquelle: © OPW

Der Messschieber der Firma OPW hat eine lichte Schenkelweite von rekordverdächtigen 3 m.

Einen Messschieber kennt man noch aus dem Werkunterricht in der Schule: Klein und praktisch zeigt das  Gerät Längen an, bildet Innen-und Außenmaße genauestens ab und ermittelt die Tiefe von Bohrungen. Der nach Aussage des Herstellers weltgrößte Messschieber kommt aus Oberndorf in Baden-Württemberg. Das Oberndorfer Präzisionswerk (OPW), Spezialist für individuelle Messtechnik in der industriellen Fertigung, nimmt demnächst in China einen Messschieber mit einer lichten Weite von 3 Metern zwischen den Messschenkeln in Betrieb. Auftraggeber für diese Spezialanfertigung ist ein chinesischer Hersteller von Walzen für die Stahlblechproduktion.

 

Die Anforderungen an das überdimensionale Messgerät sind hoch: Um Stahlbleche von höchster Qualität herstellen zu können, müssen die Walzen präzise eingestellt sein. „Vor allem kommt es darauf an, deren Rundheit sicherzustellen“, erklärt OPW-Geschäftsführer Uwe Hildebrandt. Unwuchten werden nämlich 1:1 auf die Stahlbleche übertragen. Ihren „letzten Schliff“, also den exakten Durchmesser, erhalten die Walzen in einem Schleifvorgang. Hier kommt der OPW-Messschieber zum Einsatz. Während der Bearbeitung der bis zu zwölf Meter langen Walzen werden deren Abmessungen kontinuierlich geprüft und korrigiert.

Die besondere Herausforderung für die OPW-Konstrukteure bestand darin, die Bewegungen während des Messvorgangs zu berücksichtigen. Schließlich wird der Durchmesser während des Schleifens bei rotierender Walze online gemessen und an eine Steuerung übergeben, die den Schleifkopf nachjustiert. Die Vibrationen des gesamten Systems machen eine hochgenaue Messung scheinbar unmöglich. „Damit es schlussendlich doch funktioniert, braucht es eine pfiffige Konstruktion“, betont Hildebrandt. Und die gilt es natürlich vor Raubkopien zu schützen. „Es hat uns einige Mühe bei der Entwicklung gekostet, den Prüfkopf des Messschiebers so zu konstruieren, dass er sich nach dem auseinanderbauen nicht einfach zusammensetzen lässt und wieder einwandfrei funktioniert.“ Der Messschieber erreicht eine theoretische Auflösung von 0,1 µm und eine Genauigkeit von etwa 3 µm. „Wie präzise wir damit im Betrieb tatsächlich messen, lässt sich mangels geeigneter Instrumente aber nicht wirklich kontrollieren“, erklärt Hildebrandt. Momentan befindet sich der Messschieber auf dem Seeweg nach China. Die Montage und Inbetriebnahme ist für Mai/Juni geplant.