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Messtechnik: Programmieren per Touchscreen und Gestik

Jeff Kodosky, Mitbegründer von National Instruments und Labview-Erfinder, skizzierte auf der NI Week die Zukunft des „Graphical System Design“.

Jeff Kodosky, LabVIEW-Erfinder und Mitbegründer von National Instruments: „Künftige Versionen von Programmiersoftware, auch der Graphical System Design-Software LabVIEW, werden Touchscreen-Bedienung und Gestik-Steuerung umfassen.“ Bildquelle: © National Instruments

Jeff Kodosky, Labview-Erfinder und Mitbegründer von National Instruments: „Künftige Versionen von Programmiersoftware, auch die Graphical-System-Design-Software Labview, werden Touchscreen-Bedienung und Gestik-Steuerung umfassen.“

Die mit „virtuellen Instrumenten“ (VIs) arbeitende Programmierumgebung Labview kann auf ein mittlerweile 25-Jähriges Bestehen zurückblicken. Basis des Programms sind funktionsspezifische Icons, die sich auf dem Bildschirm per Mausklick anordnen und miteinander verschalten lassen. Diese Icons repräsentieren optisch Funktionsblöcke wie A/D-Wandler, Digitizer, Generatoren oder Digital-I/O-Ports.

Mittlerweile hat sich diese Programmierumgebung zu einer recht universell einsetzbaren Softwareoberfläche für das „Graphical System Design“ weiterentwickelt. Gleichgeblieben ist in diesem Vierteljahrhundert allerdings das „Human Interface“ für den Programmierer: Bildschirm, Tastatur und Maus. Mit der Verfügbarkeit anderer Ein-/Ausgabetechnologien überlegen die NI-Strategen zum Beispiel auch Touchscreens und Gestik-Steuerungen einzubeziehen. Der Programmierer könnte dann die zu konfigurierenden Funktionsblöcke per Fingerzeig auf dem Bildschirm anordnen und die Verbindungsleitungen ziehen.

Dass diese Programmiervariante bereits in Arbeit ist, wurde auf der NI-Firmenkonferenz anhand einiger Prototypen gezeigt, die neben der Touchscreen-Eingabe auch die Steuerung per Gestik umfassen. Ob eventuell die Spracheingabe oder auch Eye-Tracking-Systeme zum Einsatz kommen könnten, war nicht zu erfahren. Doch auch am inneren Gefüge der Programmierumgebung wird gearbeitet, um die Bearbeitung der Programmsequenzen zu beschleunigen. Dies nicht zuletzt deshalb, um bessere die parallele Programmbearbeitung auf künftigen Multicore-Systemen sicherzustellen. Ebenso will man die High-Level-Synthesestrukturen verbessern. Das Ziel sind noch kürzere Code-Sequenzen, die sich effektiver auf 8, 16, oder X-Core-CPUs verteilen lassen: kürzere Sequenzen erhöhen die Parallelisierung.

In die gleiche Richtung geht auch das Bestreben, noch höhere Abstrahierungs-Ebenen für den  Programmcode der Funktionsblöcke (VIs) zu erreichen - für noch kürzere Design-Zeiten bei weiter gesteigerter Übersichtlichkeit. Einbeziehen will man auch HF- und andere neue (Wireless-) Kommunikationsverfahren. Außerdem steht die Konzeption eines Web-UI-Builders (User Interface via Web) auf dem Programm, der einen universellen Zugriff von allen internetfähigen Geräten auf Applikationen ermöglichen soll. Generell steht die flexiblere Nutzung mobiler Geräte wie Smartphones oder Netbooks bei Natiopnal Instruments in der Prioritätenliste weit oben. Nicht in der Zukunft, sondern bereits im Herbst will National Instruments die letzte Jahr skizzierte „Technical Data Cloud“ in Betrieb nehmen, in der Anwender Programme und Daten mit entsprechenden Schutzmechanismen ablegen können.

Wolfgang Hascher, Elektronik