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Nachgehakt bei Dr. Georg Wiora: Fairer Wettbewerb

Auf der diesjährigen Control präsentierte die Initiative 'Faires Datenblatt' die Ergebnisse ihrer zwei­jährigen Zusammenarbeit. Was hinter dem fairen Datenblatt für optische 3D-Oberflächenmessgeräte steckt, erläutert Dr. Georg Wiora, Sprecher der Initiative.

Dr  Georg Wiora, NanoFocus Bildquelle: © NanoFocus

"Wir brauchen 'vergleichbare' Datenblältter", so Dr. Georg Wiora, Sprecher der Initiative 'Faires Datenblatt'.

Dr. Wiora, was verbirgt sich hinter der Initiative ‚Faires Datenblatt‘?
■ Der Arbeitskreis zum fairen Datenblatt entstand aus den Mitwirkenden in der Normungsarbeit im DIN und bei der ISO. Letztlich wollen wir optischen Oberflächenmesssystemen zu mehr Akzeptanz unter den Anwendern verhelfen, indem ihre Vergleichbarkeit verbessert und der Wettbewerb objektiviert wird. Derzeit sind Anwender und Einkäufer mit der Vielzahl der Messprinzipien und Systemanbieter oft überfordert: Die Sprache, in der die Geräte beschrieben werden, unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller – gleiche Eigenschaften werden unterschiedlich benannt, unterschiedliche Eigenschaften gleich. Das führt zu Verwirrungen.

Haben Sie ein Beispiel parat?
■ Ein anschauliches Beispiel ist der Begriff ‚laterale Auflösung‘: Einmal ist damit die Anzahl der Messpunkte im Messfeld gemeint, ein anderes Mal der Abstand zweier benachbarter, gerade noch unterscheidbarer Merkmale.

Wer gehört dem Arbeitskreis an?
■ Dr. Wiora: Folgende Institutionen und Verbände sind mit im Boot: Die Physikalisch Technische Bundesanstalt PTB, der ZVEI ­sowie der VDI unterstützen die Initiative als Schirmherren. Wissenschaftlich begleitet wird sie durch Prof. Jörg Seewig vom Lehrstuhl für Messtechnik und Sensorik der TU Kaiserslautern. Durch die ­Unternehmen Daimler, Robert Bosch sowie Audi sind die Messtechnik-Anwender und -Einkäufer vertreten. Auf Herstellerseite beteiligen sich bisher die Firmen Alicona, Nanofocus ­sowie Polytec. Die Initiative ist offen für konstruktive Beiträge und weitere Mit­arbeiter von allen interessierten Seiten.

Gibt es Vorbilder für Ihre Arbeit?
■ Das große Vorbild für das Faire Datenblatt war die EMVA 1288 zur Qualifizierung und Beschreibung von Industriekameras. Sie legt fest, wie die Kameras zu qualifizieren sind und welche Struktur die Datenblatt-Dokumente haben müssen. Die EMVA 1288 hat sich innerhalb ­weniger Jahre zu einem fest etablierten Standard bei den Kamera-Herstellern entwickelt und ist für die ­Kamera-Anwender eine große Hilfe bei der Vorauswahl von Kameras und Sensoren.

Sehen Sie ähnliche Problemstellungen auch in anderen ­Bereichen?
■ Zweifelsohne gibt es viele Produkte, bei denen eine standardisierte Qualifizierung hilfreich für Anwender und Her­steller wäre – ich denke beispielsweise an optische und taktile Profilometer. Wir würden uns freuen, wenn Initiativen in diesen Bereichen unserem Beispiel folgen würden.

Wie sieht Ihr Zeitplan aus?
■ Seit dem 5. Mai liegt das Faire Datenblatt der Öffentlichkeit in der Version 1.1 vor. Derzeit denken wir über einen Workshop der Gerätehersteller im Vorfeld der nächsten Control nach, um die Harmonisierung der Datenblätter aktiv voranzutreiben.

Ist die internationale Normung ein Thema?
■ Die wesentlichen Beteiligten sind alle auch in der internationalen Normung im ISO Technical Committee 213 aktiv. Zudem existiert ein Arbeitsauftrag des TC213 zur Integration eines Datenblatts in die derzeit in Arbeit befindliche ISO 25178-700 zur Kalibrierung flächenhafter Oberflächenmesssysteme. Insofern ist absehbar, dass das Faire Datenblatt mittelfristig – wir rechnen mit fünf Jahren – in der internationalen Normung erscheinen wird.

Und die Reaktionen seitens Herstellern und Anwendern?
■ Die Resonanz ist bisher rundweg positiv, vor allem wenn man bedenkt, dass das Faire Datenblatt erst seit kurzer Zeit in der Öffentlichkeit ist – die erste Fassung wurde am 27. Januar dieses Jahres vorgestellt. Nun braucht die Sache ­etwas Zeit, um aufgenommen und umgesetzt zu werden. Das ist für die Hersteller der Geräte mit nennenswertem Aufwand ­verbunden, was sich aber meiner Ansicht nach mittelfristig auf jeden Fall auszahlen wird. Das EMVA-1288-Datenblatt hat drei bis vier Jahre benötigt, um wirklich in der Praxis anzukommen. Anwender können den Prozess beschleunigen, indem sie die Hersteller bei Ausschreibungen und Neuanschaffungen nach dem Fairen Datenblatt fragen.