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Wearables: Intels Curie reif für die Automation?

Auf der CES in Las Vegas stellte Intel mit Curie ein Modul in Knopf-Größe vor. Doch wie passt Curie in die Reihe der Ein-Chip-Systeme Galileo und Edison? Eignet sich Curie auch für einen Einsatz in der Industrie Automation? Antworten darauf gibt Gerhard Lesch, IoT Business Development Manager bei Intel.

Modul Curie von Intel Bildquelle: © Intel

Herr Lesch, mit Curie stellen Sie jetzt nach Galileo und Edison innerhalb von eineinhalb Jahren bereits das dritte Entwicklermodul vor. Weshalb diese Vielfalt?
■ Der Entscheidung, eine Vielfalt an Entwicklermodulen an­zubieten, liegen unterschiedliche Motive zu Grunde. Einerseits möchten wir verschiedene Zielgruppen ansprechen: Wir bieten dem frisch gebackenen Ingenieur wie auch dem Startup sowie Universitäten und innovativen Unternehmen die Chance, Ideen schnell umzusetzen. Andererseits adressieren die Plattformen unterschiedliche Einsatzbereiche. Galileo kann beispielsweise in der Robotik Anwendung finden, als ­Video oder Media Player fungieren oder in der Heim-Automation ein­gesetzt werden – die Einsatzbereiche sind praktisch unbegrenzt. Curie ­hingegen wurde speziell für Weara-bles entwickelt. Edison positioniert sich dazwischen.

An wen richtet sich die Galileo-Plattform?
■ Das Galileo-Board ist bereits in der zweiten Generation ­verfügbar und richtet sich vorrangig an Entwickler, aber auch an Studenten. Galileo folgt dem Arduino-­Konzept, besteht also aus Hardware- und Software-Komponenten, die quelloffen sind, sprich Open Source. Die Plattform ist Hardware- und Software- sowie Pin-kompatibel für eine breite Palette von Arduino-Uno-R3-Shields. Diese Shields sind Platinen, die auf die Arduino-Schnittstelle der Mikrocontroller-Boards ­gesteckt werden und dadurch den Einsatzbereich erweitern – zum Beispiel Motorsteuerung,  Audio-Erweiterun-gen oder Kommunikation. Galileo setzt den Intel-Quark-SoC-X1000 ein und bietet eine einfache, kostengünstige x86-Entwicklungsumgebung.

Gerhard Lesch, IoT Business Development Manager bei Intel jpg Bildquelle: © Intel

Gerhard Lesch, IoT Business Development Manager in der Embedded Sales Group bei Intel

Da das Board auf dem angesprochenen Open-Source-Prinzip basiert, wird es gerne von Entwicklern genutzt, um Ideen schnell und effektiv in ­Prototypen umsetzen zu können – das sogenannte ‚Rapid Prototyping‘. Dies ermöglicht eine wesentliche Verkürzung der Entwicklungszeiten und die Marktreife der Produkte wird schneller erreicht.

Wie ist dann das Edison-Modul einzuordnen?
■ Die Edison-Entwicklungs-Plattform adressiert primär Entrepreneure und Entwickler. Sie senkt die Barrieren für den Einstieg in IoT-Applikationen mit kleinen Formfaktoren wie Wearables, aber auch mit anderen Endgeräten, die zum Beispiel in der Robotik zum Einsatz kommen. Edison basiert wie Galileo auf der x86-Architektur, ist aber mit einer Silvermont-Dual-Core-CPU und mit einer Quark-MCU ausgestattet. Dies ermöglicht anspruchsvollere Aufgaben, wie Echtzeit-Anwendungen, Motion-Control, Audio-Streaming oder Stabilisierungskontrolle. Daneben bietet die Plattform ‚Instant On‘ – bei Wearables ein wichtiger Faktor, da die User nicht warten möchten, bis ihr Armband hochgefahren ist. Edison integriert darüber hinaus analoge Schnittstellen, Bluetooth und WLAN. Zudem kann das SoC-Board mit einem System von Modulen erweitert werden, um vielfältige Applikationsbereiche abzudecken.

Und wie passt letztlich Curie nun noch in diese Reihe?
■ Mit dem Curie-Modul bietet Intel eine speziell auf Wearables abgestimmte Plattform. Das SoC-Modul ist eine vollständige Low-Power-Lösung mit einem 32-Bit Intel-Quark-Mikrocontroller, DSP-Sensor-Hub und Blue-tooth LE. Weiterhin integriert es einen 6-Achsen-Combo-Sensor für Beschleunigung und Gyroskop sowie eine Battery-Charging-Circuitry*, die auf einem Open-Source-RTOS läuft. Diese Kombination der integrierten Komponenten ist bisher die erste ihrer Art im Markt. Kunden können so Geräte entwickeln, die einerseits äußerst klein sind, und andererseits macht der Batteriebetrieb sehr lange Akku-Laufzeiten möglich, wie sie im Wearable-Bereich verlangt werden.

Sie haben Curie im Januar vorgestellt. Spüren Sie schon Interesse seitens der Anwender? Sind schon gewisse Kundenprojekte am Laufen?
■ Wir sind in allen Seg­menten mit Kunden engagiert und ­erhalten positive Rückmeldungen über die Möglichkeiten, die Curie ­ihnen bietet. Intel spricht mit Unternehmen aus den Bereichen Sport, Lifestyle und Mode, um neue ­Produkte zu ­entwickeln und auf den Markt zu bringen. Hier unter­stützen wir unsere Kunden mit entsprechenden Referenz-Designs, SoCs und anderen Technologien, die ihnen eine effiziente Entwicklung von Wearable-Geräten ermöglichen. Intel investiert seit 2014 in Wearables und hat mehrere Kooperationen mit Hersteller aus den genannten Bereichen. Einige Produkte haben wir bereits vorgestellt.

Wäre die Plattform nicht auch für IoT-Anwendungen in der Industrie prädestiniert?
■ Curie wurde vorrangig entwickelt, um die Entwicklung von IoT-Produkten im Bereich Mode, Sport und Lifestyle zu ermöglichen. Von den genannten Merkmalen wie kleine Formfaktoren und lange Batterie-Laufzeiten, könnten auch andere Bereiche wie die Industrie profitieren. Wir analysieren kontinuierlich neue Einsatzgebiete in verschiedensten Branchen.

Das Internet der Dinge genießt bei Intel allgemein einen hohen Stellenwert. Deshalb gründeten wir Mitte 2013 die ‚Internet of Things Solutions Group‘ mit Doug Davis als ­General Manager. Dies festigte die internen Strukturen und gibt dem ­Bereich noch deutlich mehr Bedeutung. Neben Industrie-Anwendungen stehen hier ganz klar Consumer-Lösungen im Automotive-, Retail- und Energie- sowie im Smart-Home und Smart-Building-Bereich auf der Agenda. Darüber hinaus sind die Wearables ein wichtiger Faktor im Consumer-Umfeld. Grundsätzlich haben wir uns zum Ziel gesetzt, un­sere Welt ein erhebliches Stück intelligenter zu machen – in sämtlichen Bereichen.

Wie steht Intel allgemein dem Markt der Industrie-Anwendungen gegenüber? Liegt generell die Priorität auf dem Consumer-Markt?
■ Intel engagiert sich in ­beiden Märkten. Wir treiben seit ­Jahren schon den Embedded-Markt voran und sind einer der Pioniere in diesem Umfeld. Noch bevor der Begriff des Internets der Dinge geprägt wurde, präsentierte Intel immer wieder intelligente Produkte und Lösungen im M2M- beziehungsweise Embedded-Umfeld. Ein Fokus lag und liegt dabei sicherlich auf In­dustrie-Anwendungen: Von Prozessoren über intelligente Gateways bis hin zu einer ‚Smart Factory‘. Eine Smart Factory könnte als die prak­tische Umsetzung von Industrie 4.0 bezeichnet werden, indem sie In­formation Technology und Operation Technology zusammenführt. Damit ist es Betreibern solcher Fabriken möglich, auf alle relevanten Infor-mationen von Sensoren zuzugreifen. Die gewonnenen Daten werden in Echtzeit an das Enterprise-/Cloud-Netzwerk übertragen, gespeichert, analysiert und bilden damit die Grundlage für aktuelle und zukünf­tige Entscheidungen zur Prozess­optimierung. Intels Fabriken setzen diese Vorteile von IoT bereits seit Langem ein, um hohe Qualitäts­standards zu sichern und innovativ zu bleiben.

Darüber hinaus bieten wir eine große Bandbreite von Lösungen für Entwickler, Systemintegratoren und Hersteller. Intel engagiert sich zudem branchenweit für offene Standards, etwa als Mitbegründer des ‚Industrial Internet Consortium‘.

Wie schätzen Sie dort den Status quo bezüglich IoT und Industrie 4.0 ein?
■ Der Begriff umschreibt letztendlich eine höhere Intelligenz der Fertigung bis hin zur vollstän­digen Autonomie und eine enge ­Vernetzung der Fertigung mit den restlichen Unternehmensprozessen. Damit lässt sich der Fortschritt bei ­Industrie 4.0 nur schwer in Zahlen messen. Wir sehen jedoch ein verstärktes Interesse an unseren Technologien von Seiten der Hersteller – dies auch aufgrund der breiten Diskussion um das Thema. Viele unserer Kunden und deren Endkunden sehen als Voraussetzung für Industrie 4.0 eine höhere Konsolidierung und Standardisierung ihrer Plattformen, eine höhere Vernetzung und damit höhere Anforderungen an Sicherheit, die Aktivierung der Daten aus ihren Bestandsanlagen und letztlich eine standardisierte Anbindung an ihre IT-Systeme. All dies sind Kernthemen von Intel. Verkürzt gesagt verschmelzen die klassische IT und die operativen Anlagen.