Technik & Finanzen

Edge Computing – das neue Paradigma

11. Oktober 2021, 9:41 Uhr | Thomas Rappold

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Edge Computing im Kontext Industrie 4.0

Erhebungen des Marktforschers Frost&Sullivan gehen davon aus, dass im industriellen Umfeld 70 % der Daten an der Edge erzeugt werden. Covid-19 verbunden mit den Ad-hoc-Nachfrage-Änderungen in der Produktion und die gleich-zeitige Fragilität der Lieferketten erfordern geradezu eine intelligente, agile und atmende Fertigung. Dies müssen nicht zwangsweise komplett neue Anlagen und Fertigungsstraßen sein, wie zuletzt die neuen Halbleiterfertigungen von Bosch in Dresden oder von Infineon in Villach gezeigt haben. Edge Computing bedeutet vor allem auch, neue Intelligenz für ältere Fertigungsstätten.

Thomas Rappold: »Deutschland braucht einen 50-Mrd.-Euro­Technologie­zukunftsfonds.«
Thomas Rappold: »Edge Comptung bietet der deutschen Industrie beim weltweiten Digitalwettlauf die Chance, die industrielle Pole Position einzunehmen.«
© Thomas Rappold

Die SmartFactoryKL zeigt, wie es geht: Die Demonstratoranlage des Konsortiums verfügt beispielsweise über ein Wägemodul, das mit einem Edge-Device zur Qualitätssicherung nachgerüstet wurde. Die Waage dient dazu, die auf der Anlage produzierten Artikel (Visitenkartenhalter) zu wiegen, um den korrekten Umfang der Komponenten zu überprüfen. Da die Waagen bisher nicht in der Lage waren, Daten zu erfassen und auch nicht OPC UA-fähig waren, integrierte der Modulhersteller ein Edge-Device in das bestehende System. Es liest die verschiedenen Zustände der Waage, beispielsweise Temperatur, Über- und Unterlast sowie Stabilisierungszeit, aus, berechnet sie und fasst sie zu einer Statusmeldung zusammen, die in die Cloud übertragen wird. Ein Beispiel: Unzulässige Vibrationen durch einen Motor in der Nähe der Waage oder Verschmutzungen würden die Stabilisierungszeit beeinflussen; im Zuge der Daten-analyse würde dies erkannt werden. Dank des Edge-Devices können nun Fehler im Motor und an der Waage zeitnah identifiziert und behoben werden.

Künstliche Intelligenz und 5G als wesentliche Bausteine

Mit einer neuen Generation von KI-Chips ist es nun möglich, komplexe Deep-Learning-Algorithmen in eingebetteten Systemen auszuführen und die Ergebnisse in Echtzeit zu liefern. Neben der lokalen KI-Intelligenz liefert der neue Mobilfunkstandard 5G eine Konnektivitäts-Lösung für das dezentrale Edge Computing. Der 5G-Standard kann in Zukunft bis zu einer Million Geräte innerhalb eines Quadrat-kilometers unterstützen. Weitere Vorteile sind die flexible Zuordnung von Bandbreite sowie die für Industrie 4.0 und das autonome Fahren so wichtigen geringen Latenzzeiten von weniger als 10 ms. Teilweise liegen sie sogar bei nur 1 ms.


  1. Edge Computing – das neue Paradigma
  2. Edge Computing im Kontext Industrie 4.0

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Solactive AG, Frost & Sullivan, Amazon Web Services

Technik + Finanzen

SPS