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75 Jahre ENIAC

Der streng geheime Universalrechner

26. Februar 2021, 10:15 Uhr   |  dpa

Der streng geheime Universalrechner
© U.S. Army/dpa

30.11.1946, USA, Philadelphia: HANDOUT – Zwei Frauen stehen am ENIAC-Computer, der an der Universität von Pennsylvania entwickelt wurde. ENIAC steht für ‚Electronic Numerical Integrator And Computer‘.

Am 15. Februar 1946 veröffentlichte die New York Times einen Bericht über den ersten Universalrechner der Welt und enthüllte damit 24 Wochen nach Kriegsende das »Top-Geheimnis des Zweiten Weltkriegs«: die Existenz des ersten frei programmierbaren Elektronenrechners der Welt.

Der Bericht in der ‚New York Times‘ vom 15. Februar 1946 klang nach einer Sensation: Ein »Top-Geheimnis des Zweiten Weltkriegs« wurde enthüllt, »eine erstaunliche Maschine, die zum ersten Mal elektronische Geschwindigkeiten auf mathematische Aufgaben anwendet, die bisher zu schwierig und zu umständlich zu lösen waren«. 24 Wochen nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht wurde mit dem Artikel die Existenz des ersten frei programmierbaren Elektronenrechners der Welt bekannt.

T.R. Kennedy jr., der Technikreporter der Zeitung, hatte von den beiden Wissenschaftlern John von Neumann und Vladimir Zworykin von den schier unbegrenzten Möglichkeiten des bis dahin streng geheim gehaltenen ‚Electrical Numerical Integrator And Calculator‘, kurz: ENIAC, erfahren. Die geistige Vaterschaft für den ENIAC können aber zwei andere US-Wissenschaftler für sich beanspruchen: der Physiker John William Mauchly und der Ingenieur John Presper Eckert.

Sie wollten mit dem Rechner – wie der Name ‚Numerical Integrator‘ bereits nahelegt – die »numerische Integration« beschleunigen, also die Berechnung einer Fläche unter einer Kurve im Koordinatensystem. Dabei ging es nicht um eine abstrakte mathematische Fingerübung. Vielmehr sollte den Soldaten der US-Army im Zweiten Weltkrieg ganz konkret dabei geholfen werden, schnell die Flugbahnen der Artilleriegeschosse zu berechnen.

Erste Version ENIAC I wog 27 Tonnen

Vor der Erfindung des ENIAC wurden diese sogenannten Schusstafeln mühsam mit Tischrechenmaschinen oder etwas schneller mit Analogrechnern ermittelt. Mauchly schlug 1942 der Armee ein für diese Aufgabe brauchbares digitales elektronisches Instrument vor, ein Jahr später wurde an der Universität von Pennsylvania mit dem Bau begonnen. Das Projekt war streng geheim und kostete 487.000 Dollar.

Die US-Army konnte im Zweiten Weltkrieg allerdings nicht mehr von dem ENIAC profitieren, denn die Maschine wurde erst nach Kriegsende fertiggestellt. Mit dem aufziehenden Kalten Krieg änderte sich dann der Verwendungszweck des Rechenmonstrums: Der ENIAC wurde von US-Wissenschaftlern in Los Alamos verwendet, um die Zerstörungskraft der ersten Wasserstoffbombe zu berechnen.

Die erste Version, der ENIAC I, bestand aus 40 verkabelten Elektronik-Gestellen, drei Rollschränken mit Drehschaltern sowie Apparaten zum Einlesen und Ausgeben von IBM-Lochkarten. In dem Rechenriesen steckten rund 17.500 Röhren, 7200 Dioden und 1500 Relais. Zusammen kamen 27 Tonnen auf die Waage.

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