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Im Interview: HMS schluckt Beck IPC

HMS Industrial Networks hat zum 17. Juli sämtliche Anteile der Beck IPC GmbH mit Sitz in Wetzlar erworben. Michael Volz, HMS, und Thomas Schumacher, langjähriger Geschäftsführer der Beck IPC, erläutern die Hintergründe.

Michael Volz und Thomas Schumacher Bildquelle: © HMS Industrial Networks

Michael Volz (neuer Vorsitzender der Geschäftsführung bei Beck IPC) und Thomas Schumacher (langjähriger Geschäftsführer und ehemaliger Eigner von Beck IPC) schlagen die Zusammenarbeit ein (v.l.n.r.).

Herr Schumacher, Beck IPC erwirtschaftet in diesem Jahr mit 30 Mitarbeitern rund 6 bis 7 Mio. Euro Umsatz! War der Verkauf Ihres Unternehmens unumgänglich?

Thomas Schumacher: Wir haben in den letzten Jahren stark in die Entwicklung neuer Technologien und Produkte investiert. Um diese Produkte global in einer vernetzen Welt anbieten zu können, bedarf es aber mehr als nur Produkte; es braucht einen erstklassigen Vertrieb mit erstklassiger Logistik und Qualität und das an jedem Ort, den auch unsere Kunden bearbeiten. Mit der HMS Gruppe können wir nun diesen Ansprüchen Folge leisten und damit ein Gesamtpaket abliefern, das heute im Bereich Vernetzung einzigartig ist – in dem Sinne war der Verkauf unumgänglich!

Das Kernprodukt Ihres Unternehmens - der IPC@Chip, eine kompakte, programmierbare Embedded-Plattformlösung im Formfaktor eines Chips – war ja stark auf den Markt der Embedded-M2M-Lösungen zugeschnitten. Haben Sie kein Vertrauen mehr in den aufkeimenden Markt der Embedded-M2M-Lösungen?

Schumacher: Das Gegenteil ist der Fall: Auch wenn ich heute mehr zum Begriff IIoT tendiere, sehe ich uns gerade an einem Knickpunkt in Richtung Umsetzung. Haben wir die letzten Jahre nur über IIoT gesprochen, gehen wir mit unseren Kunden nach vielen Proof of Concepts  jetzt in die Umsetzung. IIoT ist jetzt! Und deshalb brauchen wir jetzt die Stärke eines Global Players.

Rückblickend betrachtet: Würden Sie heute die Entwicklungs-Schwerpunkte von Beck IPC anders setzen?

Schumacher: Ich glaube, dass wir heute mit unserem Cloud Ansatz, der neuen embedded Plattform IoT@Chip und der Erfahrung in vielen Projekten die höchste Attraktivität für das Unternehmen erreicht haben. Zusammen mit der gesamten HMS Gruppe gehen wir ab heute in die weltweite Vermarktung in den eben aufkeimenden Markt, da haben wir in der Entwicklung sicher nichts falsch gemacht.

Herr Volz, muss man die Übernahme weniger unter dem Aspekt der Synergie, denn der Substitution sehen? Immerhin haben Sie bei HMS mit eWON und Ixxat schon ähnliche Produktgruppen im Programm.

Michael Volz: Uns ist es wichtig, die IIoT-Strategie von HMS zu stärken! Die Hard- und Software-Produkte von Beck IPC und das vorhandene Wissen für das IIoT - insbesondere im Embedded-Bereich - sind wichtige Bausteine auf diesem Weg. Die Überlappung mit unseren bestehenden Lösungen ist sehr gering, vielmehr runden die Beck-Lösungen unsere Anybus-, Ixxat- und eWON-Lösungen sinnvoll ab  und helfen uns neue Anwendungsbereiche auch außerhalb der Fabrikautomation zu erschließen. 

Wie sieht die Roadmap der Unternehmens-Integration aus?

Volz: Beck IPC und HMS arbeiten schon seit vielen Jahren erfolgreich zusammen. Mit dieser strategischen Partnerschaft haben wir sozusagen die „Probezeit“ schon bestanden. Für die Integration nehmen wir uns Zeit. Bis zum Jahresende wollen wir die Zusammenarbeit intensivieren und das Beck-Team in Wetzlar und Bonn schrittweise noch tiefer in die HMS-Organisation einbinden. Der weltweite Rollout der Beck-Produkte über die HMS Vertriebsorganisation ist Anfang 2019 geplant.

Wie sieht die Produkt-Integration aus? Was ist Ihnen wichtig, was werden Sie aus dem Portfolio streichen?

Volz:
Die Basistechnologie – der IPC@Chip – ist das Herzstück des Produktangebots von Beck IPC für OEMs aus der Industrie. Mit dieser Technologie werden wir unser embedded Anybus-Lösungsangebot für Gerätehersteller weiter ausbauen.

Die ComTom-Gateways ergänzen heute bereits das Anybus und Ixxat Gateway-Portfolio der HMS um weitere Protokollvarianten und eignen sich besonders gut als Edge-Gateways, da sie die Vorverarbeitung und Filterung der Daten auf dem Weg von der Feldebene in die Cloud dank der integrierten Web-PLC oder auf Basis von Codesys ermöglichen. Ganz besonders interessant ist die Kolibri-Cloud-Lösung, mit der unsere Kunden ohne große eigene Entwicklungsaufwendungen einen on-premise Cloud-Server und Broker realisieren können, der das eWON Portfolio für remote Services nach unten abrundet.

Wer wird mit welchen Aufgaben die Beck IPC-Division zukünftig leiten und bis wann werden Farbe und Logo von BeckIPC verschwinden?

Volz: Die Leitung der Beck IPC GmbH haben Herr Schumacher und ich gemeinsam übernommen. Herr Schumacher verantwortet die Bereiche Business Development und Innovation, ich zeichne verantwortlich für die Integration und Operations. Unsere derzeitige Strategie sieht mittelfristig die Integration der Standard Produkte der Beck IPC in die international bekannten Kernmarken der HMS Gruppe, Anybus, eWON, und Ixxat vor. Unter der Marke Beck IPC werden wir - wie bisher – auch in Zukunft kundenspezifische Lösungen anbieten. Bekannte Trademarks wie IPC@Chip und IIoT@Chip werden wir konzernweit vermarkten.