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Chinesische x86-Prozessoren: Abschied von Intel?

China ist mit der Einführung der neuesten x86-Prozessoren von Zhaoxin einen großen Schritt in Richtung Unabhängigkeit von den US-Herstellern Intel und AMD vorangekommen. Auf der 19. 'China International Industry Fair' in Shanghai wurden die neuen Chips enthüllt.

Roboter mit China-Flagge Bildquelle: © Fotolia / julien tromeur

Bei ‘Shanghai Zhaoxin Semiconductor’ handelt sich um einen chinesischen Mikroprozessor-Entwickler, der seit langem an der Entwicklung einer heimischen x86-CPU-Mikroarchitektur arbeitet, um China von den US-Lieferanten Intel und AMD unabhängig zu machen. Ob die Angst der chinesischen Regierung, über in die amerikanischen CPUs eindesignte Backdoors ausspioniert zu werden oder die fehlende Möglichkeit, selbst zu spionieren, die primäre Triebfeder ist, kann nur spekuliert werden.

Um zu verstehen, wie überhaupt Zhaoxin an die x86-relevanten Patente und Technologien kommt, muss man sich zunächst mit den Eigentumsverhältnissen beschäftigen. Neben Intel und AMD gab es noch einen vergleichsweise winzigen dritten US-Hersteller, der über Kreuzlizenzierungsabkommen Zugriff auf die x86-Technologie hatte: VIA Technologies Inc., 1987 im Silicon Valley gegründet. Seit 1992 befindet sich der Firmensitz in Taiwan. Bei Zhaoxin handelt es sich um ein Joint Venture zwischen der Shanghai Alliance Investment Ltd. (80,1 %) – eine Firma, die de facto über die Shanghai SASAC (State-owned Assets Supervision and Administration Commission of the State Council) dem Staat gehört – und VIA Technologies (19,9 %) mit der Folge, dass Zhaoxin ohne Gefahr einer Patentverletzung x86-kompatible CPUs entwickeln kann.

In einem Vergleich mit der FTC (Federal Trade Commission) aus dem Jahr 2010 nach einem Verfahren gegen Intel wegen Ausnutzung seiner Monopolstellung zu Lasten des Wettbewerbs geht nämlich auch hervor, dass Intel weiterhin Lizenzen für die Entwicklung und den Verkauf von x86-Prozessoren durch AMD und VIA Technologies vergeben muss – auch wenn diese die x86-Prozessoren bei Auftragsfertigern wie Globalfoundries oder TSMC produzieren lassen. 

VIA ist übrigens nicht das einzige Unternehmen außerhalb der USA mit einer x86-Lizenz - bereits im Rahmen der Veröffentlichung der Finanzergebnisse von AMD im 1. Quartal 2016 kündigt das US-Unternehmen ein neues Joint Venture zur Entwicklung von x86-SoCs für Server an, in welchem sich AMD mit Tianjin Haiguang Advanced Technology Investment Co., Ltd. (Thatic), einem Investment-Arm der chinesischen Akademie der Wissenschaften, zusammengeschlossen hat. AMD bringt x86- und SoC-IP zusammen mit bedeutenden Engineering- und anderen technischen Ressourcen ein (und erhält dafür 293 Mio. Dollar Lizenzgebühren), während Thatic ebenfalls technische Ressourcen und die Finanzierung hinter dem Unternehmen zur Verfügung stellt.