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Panel- und Embedded-PCs: Raspberry Pi für die Industrie

Fortsetzung des Artikels von Teil 4.

Flexibilität bei der Software

Beim emView-7/RPI3 können Anwender mit Linux als Betriebssystem und der Raspbian-Linux-Distribution frei verfügbare Open-Source-Projekte mit Hilfe des enthaltenen Paketmanagers nachinstallieren. Wird beispielsweise die Funktion eines MQTT-Brokers auf dem System benötigt, können Anwender das dafür notwendige Paket mit dem Aufruf ‚apt-get install mosquitto‘ installieren. 

Die Flexibilität beginnt schon bei der Auswahl der gewünschten Linux-Distribution. Soll beispielsweise statt der speziell angepassten und vorkonfigurierten Distribution, die Janz Tec mitliefert, die Standard-Raspbian-Distribution von der Raspberry-Pi-Webseite verwendet werden, so können Anwender die Treiber für CAN-Bus, serielle Schnittstelle und RTC einfach nachinstallieren. Da nicht jeder Benutzer Kenntnisse in Linux-Treiberentwicklung und Compilierung mitbringt, hat Janz Tec auf GitHub (https://github.com/janztec/empc-arpi-linux-drivers) ein Treiberinstallations-Skript veröffentlicht. Dieses lädt automatisiert die Linux-Kernel-Quelltexte für die aktuell installierte Kernelversion herunter und compiliert und installiert die Treiber als Kernelmodule. Standardeinstellungen an Linux-Konfigurationsdateien lassen sich ebenfalls automatisch vornehmen, beispielsweise wird der CAN-Bus auf eine Datenrate von 500 KBit/s voreingestellt und die grüne LED als µSD-Aktivitätsanzeige konfiguriert. Das Skript liegt im Quelltext vor, so dass die jeweils vorgenommen Einstellungen genau nachvollziehbar und damit auch individuell anpassbar sind. 
Der Raspberry Pi bildet kaum Einstiegshürden zur Entwicklung eigener Software. Je nach Kenntnisstand und Vorlieben des Software-Entwicklers, können diverse Programmiersprachen genutzt werden, angefangen von einfachen grafischen Programmiersprachen – wie Scratch, Perl oder Python – bis hin zu klassischen Hochsprachen wie C, C++ und Java.

Eine Reihe im Internet frei verfügbarer Anleitungen und Softwarebibliotheken aus dem Maker-Umfeld, sind bereits durch die große Gemeinschaft an Nutzern so ausgereift, dass sie oft reibungslos im industriellen Einsatz laufen. Hier sind beispielsweise die Projekte zum Zugriff auf GPIOs (http://wiringpi.com/), auf serielle Schnittstellen (http://elinux.org/Serial_port_programming) und den CAN-Bus sehr interessant (http://public.pengutronix.de/software/libsocketcan/). 

Durch die Nutzung freier Software lässt sich potenziell viel Zeit und Geld bei der Entwicklung der eigenen Anwendung sparen, so dass mehr Ressourcen in die Verbesserung der eigenen Produkte investiert werden können. Die damit verbundene Verkürzung von Produkteinführungszeiten ist ein weiterer Vorteil. Auf der anderen Seite stellt Linux mit seinen vielfältigen Lizenzbedingungen, die sich von Softwarepaket zu Softwarepaket unterscheiden können, für viele Unternehmen auch eine Hürde dar. Die Gefahr von unbewussten Lizenzverletzungen steht dem Einsatz von Linux außerhalb von Prototypen häufig im Wege. Die von Janz Tec standardmäßig ausgelieferte Distribution basiert daher auf Raspbian Lite. Sie enthält ausschließlich Softwarepakete, die unter freien Softwarelizenzen stehen und damit auch im professionellen Umfeld genutzt werden dürfen.