Sie sind hier: HomeSteuerungsebeneIndustrie-PC

Kunbus: IPC auf Raspberry-Pi-Basis

Offen, modular und kostengünstig: Mit diesen Schlagworten bringt Kunbus den auf Raspberry Pi basierenden Industrie-PC Revolution Pi samt Plattform auf den Markt. Projektleiter Dr. Volker de Haas über die Hintergründe der Plattform.

de Haas mit Revolution-Pi-Gerät Bildquelle: © Kunbus

Dr. Volker de Haas: "Das Wichtigste ist, dass wir als Hersteller offen für die Mitarbeit unserer Community sind."

Herr Dr. de Haas, wie ist der Mini-Rechner von Kunbus ausgestattet und wo liegen die Unterschiede zum Original ‘Raspberry Pi’?

Dr. de Haas: Unser Revolution-Pi-Core verwendet das Computer-Modul von Raspberry Pi. Das ist im Wesentlichen der Broadcom-SoC und ein eMMC-Speicher. Die komplette Peripherie hingegen wurde von uns entworfen und industrietauglich ausgelegt. Da unser System Raspbian als Betriebssystem verwendet, ist es weitgehend softwarekompatibel zum Original-Raspberry-B+. Der übliche Pinheader mit seinen GPIO-, I2C-, UART- und SPI-Schnittstellen ist nicht zu finden, denn so etwas wäre nicht industrietauglich. Untergebracht in einem Hutschienengehäuse, verfügt das RevPi-Core genannte Basismodul des Revolution Pi bereits über USB-, Ethernet- und HDMI-Anschlüsse. Es kann je nach Kundenanforderung von digitalen beziehungsweise analogen I/O-Modulen sowie passenden Feldbus-Gateways zur Anbindung an ein industrielles Netzwerk ergänzt werden. Versorgt werden die Basis- sowie Erweiterungsmodule mit den in der Industrie üblichen 24 Volt. Wichtiger als diese Hardwarekomponenten sind aber die Dienstleistungen im Internet, mit denen Kunden Geräte nicht nur im LAN, sondern auch im WAN erreichen können oder Daten in der Cloud verarbeiten können.

Warum Open Source? Was ist ‚offen‘?

Dr. de Haas: Wir legen alle Schaltpläne und Quellcodes der Revolution-Pi-Module offen. Auf unserer Plattform und in einem Videochannel halten wir alle Informationen bereit, um unserer Community die Entwicklung eigener Ideen so gut es geht zu ermöglichen. Im Shop wird es auch ein Maker-Set mit den Bauteilen geben, die man nicht beim Distributor um die Ecke bekommt, wie etwa Gehäuse oder spezielle Stecker.

Welche Rolle spielt der Community-Gedanke?

Dr. de Haas: Mit unserem Konzept wollen wir allen Kunden die Möglichkeit geben, eigene Soft- und Hardware für die Plattform zu erfinden. Dabei spielt die Community eine zentrale Rolle. Aber wir ermöglichen daneben ebenso Firmen durch Kooperationen teilzuhaben. Aktuell haben wir bereits Kooperationen mit Partnern, die von SMS- und TTS-Messenger über Big-Data-Auswertungen in der Cloud bis zu Datenverteilung im Unternehmen reichen. Natürlich haben wir auch Partner für Soft-SPS und SCADA.

Als Hersteller sind wir offen für die Mitarbeit unserer Community. Wir wollen die Grenzen von B2B zu B2C bewusst auflösen und jeden Kunden als Partner sehen, mit dem wir zusammen neue Lösungen und Wege schaffen, die vierte industrielle Revolution Wirklichkeit werden zu lassen. Zusammen wollen wir Konzepte entwickeln, wie Wertschöpfung künftig in der Cloud geschehen kann, denn dort ist das Gold von morgen vergraben. Warum nur einmal Geld mit dem Verkauf einer Hard- oder Software verdienen, wenn wir mit Diensten im Internet kontinuierlich Umsätze erzeugen können? Start-ups haben das längst verstanden, immer mehr lassen sich die Augen für diesen Wandel öffnen.

Was ist die typische Anwendergruppe?

Dr. de Haas: Wir haben das bewusst offen gelassen. In unseren Köpfen war zu Beginn hauptsächlich der Kunde, der eine preisgünstige EN61131-2-kompatible internetfähige Steuerung sucht, die auch Feldbus kann. Die ersten Reaktionen haben uns aber gezeigt, dass wir da viel zu eng gedacht haben. Viele Interessenten aus der Industrie wollen den RevPi-Core einfach nur als kleinen preiswerten Linux-IPC mit eigener Software verwenden. Die Anfragen reichen von der Energiewirtschaft über die Lebensmittelindustrie bis hin zur Automobilbranche. Automation ist eben nur ein Teil der Anwendung. Mit einer weiteren Produktfamilie Revolution Pi Home und drahtloser Konnektivität werden wir uns dann 2017 zusätzlich verstärkt der Gebäudetechnik zuwenden, die ebenfalls schon jetzt starkes Interesse angemeldet hat.