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Schildknecht: M2M - nicht nur die Technik zählt

Viele M2M-Projekte scheitern nicht an der technischen Umsetzung, sondern am administrativen Aufwand. Thomas Schildknecht, Inhaber des gleichnamigen Systemanbieters für Datenfunk, erklärt warum, und wie sich dieses Problem in den Griff bekommen lässt.

Thomas Schildknecht Bildquelle: © Schildknecht

Thomas Schildknecht: "Es wird leider sehr oft vergessen, dass M2M kein technischer Selbstzweck sein kann sondern, dahinter ein funktionierendes Geschäftsmodell stehen muss!"

Herr Schildknecht [1], was genau ist das Problem bei derzeitigen M2M-Projekten?

In der Vergangenheit war es nicht möglich, eine einfache weltweite Konnektivität über Mobilfunk zu ermöglichen. Für jedes Land beziehungsweise jeden Einsatzort musste geprüft werden, welcher lokale Mobilfunkprovider dort verfügbar ist. Das mag für ein Einzelprojekt noch funktionieren, aber nicht wenn ein Maschinenbauer weltweit viele Anlagen verkauft. Schon bei einem Projekt von 50 Geräten im Jahr kann der organisatorische Aufwand dafür die Gerätekosten weit überschreiten!

Auf der SPS IPC Drives zeigen Sie einen neuen Ansatz, der diese Problematik löst. Wie sieht dieser aus?

Nachdem wir erkannt haben, dass mit unserer bisherigen Lösung diese Aufgabenstellungen nicht lösbar ist, sind wir eher durch Zufall auf eine schon etablierte Plattform eines europäischen Technologie-Basislieferanten gestoßen. Dieser hat in 113 Ländern mit 393 Mobilfunkprovidern Konnektivitätsverträge, die mit einer fest eingelöteten SIM-Karte realisiert werden, und in einem mandantenfähigen rollenbasierendem Portal von jedem Nutzer verwaltet werden können. Diese Lösung haben wir nun in unsere Systeme integriert. Das heißt: Wir setzen eine kleine Basisplatine ein, die das Mobilfunkmodem, eine eingelötete ‚white‘-SIM-Karte und einen auf die Aufgaben einer weltweiten Mobilfunkübertragung spezialisierten Software-Konnektor zum unserem M2M-Portal beinhaltet. Aufbauend auf diese Technologiebasis haben wir dann ein Geräteportfolio für die Automatisierungswelt weiterentwickelt bis zum Datenportal.

Haben Sie mit 'Data-Eagle 7000 M2M' nicht bereits im vergangenen Jahr eine Lösung vorgestellt, mit der Sie für den Hermes Award nominiert wurden und die auch die Verwendung beliebiger Mobilfunkkarten beziehungsweise ein flexibles Abrechnungsmodell ermöglichen sollte?

In unserem ersten Lösungsansatz haben wir die Verwendung von beliebigen 'normalen' Flatrate-SIM-Karten vorgesehen. Das funktioniert in Deutschland hervorragend, da diese Karten sehr günstig sind. Im Ausland funktioniert dieses Model jedoch gar nicht. Es gibt Länder, da kostet ein Megabyte Datenvolumen 10 Euro. Bei einer VPN-Verbindung von 40 bis 100 Mbyte pro Monat kommen da horrende monatliche Kosten zusammen. Auch die Tatsache, dass Kunden eigene SIM-Karten verwenden können, hat in der Praxis nicht funktioniert. Hier reicht schon ein falsch eingetragener APN in unserem Gateway. Oder wenn der verwendete Mobilfunkprovider am Einsatzort eine schlechte Verbindung hatte, lief das Support-Telefon heiß, weil diese SIM-Karten nicht das Beste verfügbare Netz auswählen können. Schlussendlich haben wir aus diesen Gründen unsere eigene Entwicklung gestoppt.

Gibt es bereits realisierte Anwendungen auf Basis des neuen Verbindungsmodells?

Wir haben bereits mehrere Projekte für die Gasmessung umgesetzt indem wir bestehende Hardware von unserem Partner einsetzen, zum Beispiel eine ATEX-zertifizierte Sensorübertragung im EX-Bereich mit Batteriebetrieb für zwei Jahre. Auf der Messe zeigen wir zudem einen ersten eigenen Lösungsansatz, wo wir unsere bestehenden Feldbusschnittstellen Profibus und Profinet verwenden, um über weltweite Mobilfunkverbindungen Steuerungen zu vernetzen. Eingesetzt wird das schon im Wasser- und Abwasserbereich zur Vernetzung von Außenanlagen mit der zentralen Leitstelle, wenn unsere eigenen Kurzstrecken-Funktechnologien die Entfernungen nicht abdecken können.

Ein weiteres erfolgreiches Projekt ist ein Sensorhersteller, der für spezielle Anwendungen bei seinem Endkunden laufend Daten und Alarmierungen erhalten muss, wenn bestimmte Anlagenzustände überschritten werden. In diesem Fall schreibt der Sensor im Sekundenrhythmus seine Daten über Mobilfunk ins Datenportal in den dortigen Speicher für die spätere Auswertung.