Interview mit Martin Dibold, Hy-Line

Sprachsteuerung – Bedienen ohne Anfassen

12. August 2022, 18:15 Uhr | Andrea Gillhuber
Martin Dibold ist Geschäftsführer bei Hy-Line Computer Components.
Martin Dibold ist Geschäftsführer bei Hy-Line Computer Components.
© Hy-Line

Welche Vorteile hat Sprachbedienung? Wie steht es um die Akzeptanz der Technologie in der Industrie? Eignet sie sich auch auf Safety-Applikationen? Martin Dibold von Hy-Line gibt Einblicke in die Sprachsteuerung im industriellen Umfeld.

Warum beschäftigen Sie sich mit dem Thema Sprachbedienung?

Martin Dibold: Hy-Line verfolgt mit der HMI 5.0-Strategie die Absicht, dem Anwender die genau passende Interaktion mit dem Gerät anzubieten. Die traditionelle Konfiguration aus Display und Touchscreen reicht für viele Fälle aus. Dort, wo die Hände nicht frei sind oder nicht benutzt werden dürfen – man denke an sterile Medizinapplikationen oder die Lebensmittelproduktion – kann die Sprachbedienung ihre Stärke ausspielen, denn sie funktioniert ohne Anfassen. Mit den Spezialisten von Voice Inter Connect aus Dresden wird das gesprochene Wort als Ein- und Ausgabemedium einbezogen.

Was sind die wesentlichen Vorteile und wo kommen diese zum Tragen?

Dibold: Kunden sind sensibler auf die kontaktlose Kommunikation. Neben unserem holographischen Terminal sehen wir immer mehr Einsatzgebiete für die Sprachbedienung in der Industrieautomation und speziell der Medizintechnik. Die Unabhängigkeit vom Sprecher, die Aufbereitung der Audio-Signale macht die Eingabe sehr robust. Durch die Sprachsynthese sind auch bei der Ausgabe variabler Texte kaum Grenzen gesetzt.

Wie geht es weiter mit der Sprachbedienung? Was kommt als nächstes?

Dibold: Mit der Sprachbedienung sind wir noch lange nicht am Ende. Es gibt immer noch Zusatzfunktionen im Audiobereich, die aus der Forschung in die Anwendung übertragen werden. Das Starterkit, das wir zur Embedded World vorgestellt haben, hilft Interessenten, schnell zu einem vorzeigbaren Ergebnis in ihrer Umgebung zu kommen.

Was wird in Zukunft bei Bediensystemen an Bedeutung gewinnen?

Dibold: Wir sehen, dass unsere Kunden den ganzheitlichen Ansatz schätzen. Wir verkaufen nicht nur Terminals, sondern die Lösung, die genau passt – mit Sprachbedienung, mit Gestensteuerung, oder mit dem optimal auf die Anwendung abgestimmten Touchscreen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass Sprachbedienung in der Industrie akzeptiert wird?

Dibold: Sprachbedienung ist als Bedienoption von der Industrie erkannt. Ihr Einsatz wird dort in Erwägung gezogen, wo sie einen echten Nutzen und Mehrwert bringt. Es ist daher weniger eine Frage der Akzeptanz, sondern eine Frage der Effizienz, zum Beispiel ein schnellere, einfachere Bedienung durch Sprache, oder des Mehrwerts, beispielsweise man hat keine Hand frei oder die Distanz für „Nahbedienung“ ist zu groß.

Kann Sprachbedienung auch in sicheren Applikationen angewendet werden, zum Beispiel im Safety-Bereich?

Dibold: Da in sicherheitsrelevanten Anwendungen Fehleingaben, also auch unbeabsichtigt durch den Bediener, nie ganz ausgeschlossen werden können, müssen dort entsprechende Vorkehrungen wie Zwei-Tasten-Bedienung, Schlüsselschalter oder Sicherheitsabfragen in der Software getroffen werden, sprich: »Sind sie wirklich sicher?«. Dies gilt im übertragenen Sinne auch für die Sprachbedienung: Dort, wo die Auswirkungen einer fehlerhaften Eingabe zu Beschädigungen oder Verletzungen führen können, muss eine Sicherheitsabfrage vorgesehen werden. Diese kann verbal erfolgen, also mit der Frage »Sind sie wirklich sicher?«, oder auf einer anderen Ebene wie zum Beispiel einen manuell zu bedienenden, zusätzlichen Schalter. Man kann auch das Beste aus beiden Welten kombinieren, indem lange Parameterketten per Sprache eingegeben werden, und der Befehl erst mit der Betätigung eines Tasters ausgelöst wird.


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