Im Interview: Martin Dibold, Hy-Line

»Ein ‚passt schon‘ reicht nicht«

27. Januar 2022, 12:00 Uhr | Andrea Gillhuber
Distributor als Systempartner: Hy-Line
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Nach und nach hat sich Hy-Line Know-how im Bereich HMI und Touch-Displays aufgebaut. Welche Vorteile dieser Schritt für die Kunden des Distributors bringt und wie der Blick fürs Detail zum Wettbewerbsvorteil wird, erläutert Geschäftsführer Martin Dibold.

Hy-Line wandelt sich vom Distributor zum Systempartner. Hat das klassische Distributionsmodell ausgedient?

Martin Dibold: Das klassische Distributionsmodell ist nach wie vor unser Kerngeschäft und wird es auch bleiben. Viele unserer Kunden kaufen Displays, Touch oder Rechner zu und ergänzen so ihr Know-how mit der passenden Hardware. Ein Beispiel: Gerade im Smart Home-Bereich sind viele reine Software-Anbieter unterwegs, wir liefern die Hardware. Aber ganz klar: Die Zukunft geht in Richtung System.

Hat sich der Wandel durch die Schnelllebigkeit beziehungsweise den Trend hin zu Industrie 4.0 beschleunigt?

Dibold: Mit der Entwicklung der PCAP-Technologie, also der Projected Capacitive Touchscreen-Technologie, im Jahr 2008 hat sich extrem viel verändert: Bei resistiven Touchscreens wurde einfach ein Gehäuse ergänzt, mit PCAP gab es plötzlich Designmöglichkeiten. Man kann mit Glas als Oberfläche spielen, Kanten sichtbar oder halbsichtbar machen, polieren, verschiedene Farben und Einfräsungen realisieren, Slider oder Glastaster. Die Kunden geben mehr Geld für die Glasoberfläche als für das restliche System aus, denn über Design können sie sich differenzieren. Allerdings sind damit neue Fragen aufgetaucht, die wir am Anfang nicht beantworten konnten. Heute sind wir Glasspezialisten: Wir können genau sagen, welches Glas sich für welche Anforderung eignet und wie es bearbeitet werden muss.

Arbeiten Sie in diesem Bereich mit Partnern zusammen?

Dibold: Die wenigsten, die Glas verkaufen, stellen es auch her. Entscheidend ist das Veredeln von Glas: Es gibt einige Glashersteller, doch nur wenige Glasveredler, sprich: die Glas bedrucken, polieren, schleifen oder Fräsungen machen. Wir arbeiten mit mehreren Partnern zusammen, denn nicht jeder kann alles.

Wie ist es in der Industrie: Sind Fingerführungen und Einfräsungen immer noch gefragt, vor allem vor dem Hintergrund des Hygiene-Gedankens?

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Martin Dibold ist Geschäftsführer bei Hy-Line Computer Components.
Martin Dibold ist Geschäftsführer bei Hy-Line Computer Components.
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Dibold: Das hängt von der Anwendung ab: In der Medizin wird auf Einfräsungen verzichtet, da es eine Schmutzkante sein kann. An einer Maschine in der Produktion spielt das eine eher untergeordnete Rolle.

Technischer Support zählt zu Ihren Kernkompetenzen eines Distributors. Wie groß ist der Schritt von dort zum Entwicklungspartner?

Dibold: Für uns war es wichtig, Know-how im Haus zu haben und unabhängig zu sein. Das Know-how steckt in der Kalibrierung des Touchdisplays. Nehmen wir das Smartphone als Beispiel: Ist das Display nass, funktioniert es teilweise nicht mehr. In der Industrie undenkbar: Wir haben Anforderungen, da müssen Displays mit dicken Handschuhen auch im Regen bedient werden könnten. 

Nach und nach hat sich Hy-Line Know-how im Bereich HMI und Touch-Displays aufgebaut. Welche Vorteile dieser Schritt für die Kunden des Distributors bringt und wie der Blick fürs Detail zum Wettbewerbsvorteil wird, erläutert Geschäftsführer Martin Dibold.

Dies einzustellen, dauert etwa eine Woche. Es war ein riesiger Schritt, dieses Know-how ins Haus zu holen und nicht beim Hersteller zu belassen. Aber es lohnt sich allein durch die Zeiteinsparung: Früher mussten wir Kundensysteme bei den kleinesten Änderungen zum Hersteller schicken – das dauert. Heute gehen wir bei Bedarf mit dem Kunden selbst ins EMV-Labor.


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