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Der Tisch als Bedienoberfläche

09. Juni 2021, 16:02 Uhr   |  Andrea Gillhuber

Der Tisch als Bedienoberfläche
© Volker Mai / Fraunhofer IZM

Die Gestensteuerung von funktionell eingerichteten Tischen hilft nicht nur in der Altenpflege, sondern kann auch virtuelle Welten auf Messen oder in der Medizintechnik erschaffen.

Ein Tisch, der die Betreuung von Demenzkranken und Pflegebedürftigen erleichtert, ist das Ergebnis des Projekts DAYSI der Fraunhofer IZM. Gesteuert mit Gesten, kommuniziert der Tisch mittels Schrift, Bild und Ton.

Demenzerkrankungen nehmen zu. Besonders schwer erkrankte Patientinnen und Patienten reagieren meist nur noch über Mimik und Gestik. Die Kommunikation mit dem Umfeld fällt immer schwerer. Durch den demografischen Wandel werden immer mehr Menschen in solchen Einrichtungen leben. Das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration hat sich der Tatsache angenommen und im Projekt DAYSI gemeinsam mit Partner aus den Bereichen Pflege, Möbel- und Softwareherstellung einen durch Gesten steuerbaren Tisch entwickelt, der in Schrift, Bild und Ton kommuniziert. Er soll in der Beschäftigungstherapie von Menschen mit Demenz wie auch individuell pflegebegleitend kann dieser eingesetzt werden.

Der Tisch als interaktive Nutzerschnittstelle

Grundlage ist ein einfacher Tisch, der mit Radar- und Kommunikationstechnologie ausgestattet ist. So kann beispielsweise in einer Kunstblume eine Sprachsteuerung eingebaut sein oder in einem Bilderrahmen ein kleiner Beamer. Durch eine nicht sichtbare im Tisch integrierte Datenbank können dem Pflegepersonal Bilder, Lieder und weitere Informationen für die individuelle Ansprache der Pflegebedürftigen bereitgestellt werden.

Bereits im Aufnahmegespräch kann ein solcher Tisch zum Einsatz kommen: Häufig wiederkehrende Verhaltensmuster, wie etwa die Ansprache der Kinder, erkennt das System mittels Spracherkennung und beantwortet diese mit einer angepassten Reaktion. Dabei wird sichergestellt, dass das Betreuungspersonal über eine Sicherheitsabfrage die Möglichkeit zur Freischaltung bzw. Sperrung von sensiblen Informationen erhält.

Integrierte Radarsensoren für die Gestensteuerung

Das Fraunhofer IZM entwickelt in dem Projekt die gesamte Oberfläche. Dazu zählt die Hardware für den Radarsensor, die drahtlose Kommunikation und das kabellose Laden der einzelnen Komponenten. Durch die Integration dieser Elemente wird der Tisch zu einem interaktiven Interface, auf dem handelsübliche Gegenstände gestengesteuerte Kommunikationsmittel werden. Die einzelnen Komponenten sind die Kontaktpunkte zu einem in der Tischplatte integrierten Mini-Computer. Zusätzliche externe Bestandteile des Systems, z. B. Projektoren, Kameras sowie ein Spracherkennungssystem, können über die drahtlosen Schnittstellen des Tisches verbunden und bei Bedarf in Alltagsgegenständen, wie Vasen oder Bilderrahmen, eingebaut werden. All diese Gegenstände sollen mittels einer automatischen Abspieltechnik verbunden werden, sodass sie sich bei Benutzung direkt mit dem Rechner verbinden.

Neben verschiedenen drahtlosen Kommunikationsschnittstellen und einer Ladevorrichtung wird auch eine Gestenerkennung in Zusammenarbeit mit dem Software-Partner Creonic integriert. Weitere Partner in dem Projekt sind die Contag AG für den Aufbau der Hardware nach Vorgabe der AVT-Technologie des Fraunhofer IZM, die Böhm-Gruppe für den Einbau der nötigen Hardware in den Tisch sowie die Evangelische Altenhilfe Duisburg und die Charité Universitätsmedizin Berlin, um den Tisch im realen Anwendungsumfeld zu testen und einzusetzen.

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1. Der Tisch als Bedienoberfläche
2. Entwicklung einer 3D-Gestensteuerung für Multi-Touch-Umgebungen

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