Service / Wartung: Was kann die 2. Generation der Hololens von Microsoft?

Fachkräftemangel, immer komplexere Produkte und ein stets hoher Wettbewerbsdruck – drei Herausforderungen für Industrieunternehmen, bei deren Bewältigung die Technologie Augmented beziehungsweise Mixed Reality (AR/MR) helfen kann.

Mixed Reality, PTC Bildquelle: © Microsoft

Mit Lösungen wie etwa der Hololens 2 von Microsoft erweitert sich nun die Bandbreite der AR-Gestaltungsmöglichkeiten.

Augmented und Mixed Reality (AR/MR) tragen dazu bei, die Effizienz der Belegschaft zu steigern, indem diese Technologien dort Informationen liefern, wo sie am dringendsten benötigt werden: im realen Kontext der täglichen Arbeitsumgebung. Neben Smartphones und Tablets bot die seit 2016 erhältliche erste Hololens-Datenbrille von Microsoft bereits eine effektive Möglichkeit, digitale Zwillinge von physischen Produkten oder Maschinen oder gar nur rein digital existierende Pro-totypen von neuen Entwicklungen in den Raum oder auf einen Tisch zu projizieren und es mehreren verteilten Personen zu ermöglichen, gemeinsam daran zu arbeiten. Einer der Vorteile gegenüber anderen Ausgabemedien waren hier schon die freien Hände des Mitarbeiters, die beispielsweise in der Produktion schnelle angeleitete Montagen oder im Service rasche Wartungen und Reparaturen ermöglichten, während das Produkt oder die zu wartende Maschine vor ihnen mit digitalen Anzeigen, Anleitungen und Leistungsdaten überblendet wurde. Allerdings sorgten das eher kleine Sichtfeld, die nicht immer optimal funktionierende Steuerung per Fingerzeichen, ergonomische Aspekte wie Gewicht und Schwerpunkt sowie zu guter Letzt der eher stolze Preis von 3.000 US-Dollar dafür, dass sich die Hololens 1 nicht in der Breite durchgesetzt hat.

Hololens 2, Microsoft Bildquelle: © Microsoft

Den Tragekomfort verbessert: Die Hololens 2 besitzt unter an­derem einen ausgewogeneren Schwerpunkt als das Vorgängermodell.

Mit der Hololens 2 hat Microsoft auf dem diesjährigen MWC in Barcelona die zweite Generation der Mixed-Reality-Brille auf den Markt gebracht – mit einer Vielzahl neuer Gestaltungsmöglichkeiten wie zum Beispiel der intensiveren ‚Immersion‘. Damit sehen Hologramme noch lebendiger und realistischer aus. Verglichen mit dem Vorgänger hat das Gerät zudem ein mehr als doppelt so großes Sichtfeld, während die Auflösung von 47 Pixeln pro Sichtgrad beibehalten wurde. Möglich wird diese Leistungssteigerung durch ein neues Anzeigesystem mit verbesserten 2K-Displays, das zugleich nur sehr wenig Energie verbraucht. Darüber hinaus wurde die Interaktion mit Hologrammen grundlegend überarbeitet: Dank eines neuen Time-of-Flight-Tiefensensors, eingebauter Künstlicher Intelligenz und einer integrierten, semantischen Analyse gestaltet sich der Umgang mit Hologrammen so intuitiv wie mit Objekten in der realen Welt. So lassen sich nun auch die Hände bei der Objektsteuerung einsetzen, die vom ersten Modell noch nicht erkannt wurden. Last but not least verfügt die aktuelle Version über integrierte Eyetracking-Sensoren. Diese ermöglichen beispielsweise die biometrische Authentifizierung per Iris-Erkennung via ‚Windows Hello‘, sodass das Gerät von mehreren Personen in einem Unternehmen einfach und sicher nutzbar ist.

Einer der größeren Kritikpunkte am ersten Hololens-Modell war der Tragekomfort. Dem hat Microsoft Rechnung getragen und bei der neuen Generation für einen ausgewogenen Schwerpunkt gesorgt, damit das Gerät auch bei längerer Nutzung angenehm zu tragen ist. Durch die Verwendung von Kohlenstofffasern ist das aktuelle Modell zudem leichter als der Vorgänger und ein ebenfalls neuer Mechanismus erlaubt es, die Brille beim Aufsetzen komfortabel jeder Kopfform anzupassen. Außerdem lässt sich das Visier hochklappen, wodurch ein Wechsel von der gemischten in die physische Realität in wenigen Sekunden möglich ist. Der Preis ist mit 3.500 US-Dollar für das Basis-Modell zwar in der gleichen Dimension wie beim Vorgänger-Modell angesiedelt, allerdings hat sich das Preis-Leistungs-Verhältnis stark verbessert. 

Bereits Microsoft bietet mit einer Vielzahl an Mixed-Reality-Programmen und -Werkzeugen zahlreiche Vorlagen, Anleitungen und Services zur schnellen Erschaffung eigener AR-Erfahrungen. Eines dieser interessanten Werkzeuge ist beispielsweise Azure Spatial Anchors, mit der sich plattformübergreifende MR-Anwendungen mit räumlichem Bezug erstellen lassen. Damit kann der Anwender unter anderem bestimmte Dashboards mit Zustands- oder Prozessinformationen sowie virtuelle Knöpfe und Schalter fest an einzelnen Maschinen oder Geräten im Produktionsumfeld verankern. Diese sind anschließend sowohl mit der Hololens 2 als auch mit iOS- und Android-Geräten abrufbar. Auch Wegeleitsysteme können auf diese Art erstellt werden.