User Interface: Browser-basiert versus nativ

In industriellen Anwendungen drängen Browser-basierte Lösungen seit der Einführung von HTML5 verstärkt in den Markt. Doch native Anwendungen sind in einigen Bereichen schlicht sinnvoller. ­Deshalb müssen sich Entscheider der Stärken und Schwächen beider Ansätze bewusst sein.

Browser-basierte Lösungen in industriellen Anwendungen Bildquelle: © Inosoft

Der populäre Browser-Ansatz hat ohne Frage viele Vorteile – vor allem in den Bereichen Usability und in der Nutzbarmachung mobiler Devices. Statt einem Bedienterminal können beispielsweise mehrere mobile Geräte als HMI verwendet werden, die individuell auf den Nutzer angepasst sind. Sie sind immer zur Hand, niemals ‚besetzt‘ – wenn beispielsweise verschiedene Personen in verschiedenen Funktionen gleichzeitig auf ein stationäres Gerät zugreifen wollen – und zeigen nur die Informationen an, die für den jeweiligen Anwender relevant sind. Auch die Vielfalt der nutzbaren Devices, von stationär bis mobil, von ­aktuellen IPCs, Smartphones und Tablets bis hin zu künftigen Wearables, ist ein klares Pro-Argument für diese Techno­logie. Browser-Lösungen punkten aber auch in der Praktikabilität – zum Beispiel durch Fernwartungskonzepte und den einfacheren Service durch zentralisierte Updates. 

Diese Vorteile gibt es allerdings nicht kostenlos – je mehr Browser, Plattformen und Devices nutzbar sein sollen, desto größer ist der damit verbundene Aufwand im Hintergrund und damit die Entwicklungs- und Erhaltungskosten. Denn selbst wenn Safari, Chrome, Edge, Firefox und Co ähnlich funktionieren, so muss Software jeweils für jede Version eines Browsers angepasst werden, um nicht nur die optimale, sondern auch die grundlegende Funktionalität zu erhalten. Dabei darf der Zyklus neuer Versionen bei Browsern nicht unterschätzt werden. Getrieben von B2C-Plattformen, permanenten Angriffen auf Schwachstellen und dem Wettbewerb kommt es zu deutlich häufigeren Updates als bei anderen Software-Angeboten. Mozillas Firefox erhält beispielsweise alle sechs Wochen eine planmäßige Aktualisierung und außerdem kommen noch diverse kleine Updates dazu, um Sicherheitslücken zu schließen. Auch die Basistechnologien zur Implementierung von Webseiten durchlaufen ihre Evolution in immer schnelleren Schritten – hier sei als Stichwort nur Googles Angular genannt – und zwingt Nutzer zu kontinuierlichen Veränderung. Zwar gibt es Anbieter von HMI-Software, die eigene, festgeschriebene Browser-Versionen voraussetzen, doch damit verspielt man viele Vorteile des Browser-basierten Ansatzes – wie etwa die Flexibilität.

Ebenfalls mit großem Aufwand verbunden ist die notwendige Entwicklung von responsiven Designs beim Einsatz einer Vielzahl von unterschiedlichen Devices. Der Bau einer Oberfläche für ein Endgerät wie einen PC mag zwar schnell und einfach sein, doch will man diverse Devices unterschiedlicher Arten wie Smartphones, Smartwatches, Wearables und Co zusätzlich nutzen, muss man diese Oberfläche an die jeweiligen Displays und Funktionalitäten anpassen. Ein detailliertes Übersichtsbild einer Maschine mag zwar auf dem großen Monitor eines Desktop-PCs gut sichtbar und verständlich sein, auf dem winzigen Display einer Smartwatch würde es hingegen nicht funktionieren, da die ganzen Details viel zu klein dargestellt sind. Hier ist möglicherweise eine Beschränkung auf bestimmte Daten, Alarme oder einfache Übersichten sinnvoll, womit man aber wieder bei einer Mehrzahl an Oberflächen wäre, die gestaltet werden müssen.