Nachgehakt bei Christoph Müller: Revolution im HMI-Markt?

Frost&Sullivan prognostiziert für den Markt des Bedienens und Beobachtens in den nächsten drei Jahren einen Umsatzsprung von 20 % auf 3,6 Mrd. Dollar. Dabei glauben die Marktforscher, dass den HMI-Systemen eine technologische Revolution bevorsteht. Christoph Müller, ehemaliger langjähriger Geschäftsführer bei Exor, bewertet die Aussagen.

Christoph Müller von Beck IPC Bildquelle: © Exor

"Das Thema HMI wird sich neu ordnen!", so Christoph Müller, Business Development Manager bei Beck IPC.

Herr Müller, Frost&Sullivan orakelt in einer aktuellen Studie, dass verfügbare Echtzeit-Informationen und Big-Data-Analytik die HMI-Technologien revolutionieren. Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Müller: Ich kann das nur bestätigen: Kein anderes Produkt im Automatisierungsverbund ist derart prädestiniert wie das HMI, um Daten aus dem Feld aufzunehmen, zu verarbeiten und an über­geordnete Instanzen bis hin zu einem ERP oder einer Cloud weiter­zuleiten. Und wenn Sie sich heutige Applikationen ansehen, so ist das HMI ja auch schon vielfach das Datencenter: Es kommuniziert mit dem Antrieb, der SPS, der Wägezelle und mit dem Menschen. Nur: heute basiert das meist auf proprietären Kommunikationstreibern; fast alle Anbieter haben hier irgendetwas in ihren Schubladen, um Daten auslesen zu können. Dieses Know-how könnten Sie nutzen, um die Welt der IT anzubinden.

Werden es also die HMI-Anbieter sein, die von den erweiterten Geschäftsfeldern der Big-Data-Analytik und des Umgangs mit Echtzeit-Informationen profitieren?

Das hängt jetzt von den HMI-Herstellern selbst ab – interessanterweise versuchen die meisten noch immer, sich ein Alleinstellungsmerkmal auf Basis der typischen HMI-Themen zu erarbeiten. Ich behaupte: Die wenigsten haben schon ­verstanden, dass sich das Thema HMI nach 30 Jahren neu ordnen muss und neu ordnen wird!

... das heißt, Sie bezweifeln, dass die HMI-Hersteller die Veränderung schon auf dem Radarschirm haben?

Wenn ich mir die etablierten Hersteller ansehe, fällt es mir schwer, diese notwendige Umorientierung zu erkennen. Klar, die meisten ­haben bereits das Thema VPN und VNC integriert – nur ist dies keine Lösung, die beim Thema Echtzeitdaten weiterhilft. Wir sprechen schließlich vom industriellen Internet der Dinge, was bedeutet, dass in Echtzeit Daten aus Maschinen ­akquiriert werden müssen, egal wo diese auf dem Globus stehen. Das ist eine technologische ­Herausforderung, die man nicht mal so nebenbei stemmt!

Herr Müller, Sie haben Anfang des Jahres Ihre Geschäftsanteile an Exor zurückgegeben und das Unternehmen verlassen – Ihr ­persönlicher Abschied aus dem HMI-Geschäft?

Ganz und gar nicht: In dieser Thematik steckt unheimlich viel Musik und da würde ich schon gerne mitspielen. Nur, um diesen Sound wirklich umsetzen zu können, reicht es nicht, eine Band aus lauter Trompetenspielern zu ­formieren – es bedarf unterschiedlichster Instrumente, um das IoT-Stück in seiner ganzen klangvollen Fülle umzusetzen.

Und wie werden Sie hierbei mitspielen?

Seit Anfang des Jahres kümmere ich mich bei Beck IPC um das Business Development. Warum bei Beck IPC? – Das Unternehmen agiert seit 2006 als Spezialist, wenn es um das Thema industrielle Kommunikation im Internet-Umfeld geht. ­Zudem verkauft Beck heute mehr HMI-Systeme als alle etablierten Unternehmen, allerdings in Märkten, in denen keiner der ­typischen Hersteller aktiv ist. Dabei sind diese HMIs bereits mit dem 'IoT-Gen' infiziert: Sie kommunizieren lokal und reichen kontextsensitiv die Daten in die Cloud. Und dort spielt dann ein ganzes IoT-Orchester – Felddaten stehen abstrahiert und ­bereits gefiltert in Echtzeit in einer Datenbank zur Verfügung; für den Zugriff auf die Daten stehen ein API, Schnittstellen zu MES und ERP-Systemen und auch ein OPC-UA-Server zur Ver­fügung. Ebenso wie vordefinierte Funktionen à la Visualisierung, Reporting, Alarming und Benutzerverwaltung. Das Schöne ist: Beck hat mit dem Thema Cloud und IoT bereits mehr als neun Jahre Erfahrung!

Wenn dies alles schon steht, was gibt es da noch an Business zu entwickeln?

Wir wollen dieses IoT-Gen in die Fertigung tragen – und das geht nicht alleine! Wir suchen also Partner und Anwender, die ernsthaft und realitätsbezogen mit uns Stück für Stück umsetzen, was heute leider meist noch sehr marktschreierisch unter Industrie 4.0 propagiert wird.