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Artikel und Hintergründe zum Thema

Interview mit Dr. Tobias Frank, Phoenix Contact

Andrea Gillhuber,

Die SPS bleibt, aber anders

Virtuelle Steuerungen ergänzen klassische SPS-Systeme, sie ersetzen sie nicht. Dr. Tobias Frank von Phoenix Contact erklärt, wo Virtualisierung sinnvoll ist und wie sie die Automatisierung nachhaltig verändert.

Dr. Tobias Frank, Vice President Automation Systems bei Phoenix Contact in Bad Pyrmont. © Uwe Niklas/Computer&Automation

Wie beurteilen Sie den Trend der Virtualisierung aus Sicht von Phoenix Contact und wie treiben Sie die Entwicklung der Virtualisierung weiter voran?

Aus unserer Sicht ist Virtualisierung ein echter Innovationsschritt. Dahinter steckt großes Potenzial, weit über die klassische Automatisierung hinaus. Wir arbeiten intensiv an Themen wie Echtzeitverhalten bei Multi-Core-Systemen und Security-Zertifizierung. Die Herausforderung ist: Die Normen setzen eine Einheit aus Hardware und Software voraus, in der Virtualisierung gibt es diese Trennung aber nicht mehr. Hier arbeiten wir eng mit Zertifizierungsstellen zusammen.

Unsere Lösung ist ein ‚Out-of-the-Box‘-Ansatz: Auf einer generischen Hardware wird unsere virtuelle PLCnext Control installiert. Häufig setzen unsere Kunden auf IPC oder Embedded-Plattformen mit einem Hypervisor oder einer Containerlaufzeitumgebung als Basissystem. Darauf läuft unsere Virtual PLCnext Control, kombiniert mit weiteren Containern etwa für KI, Datenerfassung oder Kommunikation. So entstehen sehr flexible Architekturen und wir sind plötzlich mit klassischen Geräteherstellern im Gespräch.

Müssen Anwender für die Virtual PLCnext Control bestimmte Hardware einsetzen?

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Nein, im Gegenteil. Das Ziel ist Hardware-Freiheit. Wir qualifizieren auf Wunsch Kundenhardware, besonders bei Serienprojekten, um sicherzustellen, dass alles stabil läuft. Außerdem bieten wir inzwischen einen eigenen ultrakompakten IPC mit vorinstallierter virtueller PLCnext Control an. Darauf können beliebige Container installiert werden, etwa unsere KI-Lösung ‚MLnext‘ oder Systeme für Asset- und Device-Management. Das Ganze ist modular aufgebaut, quasi wie ein Lego-System: Der Kunde kombiniert eigene Bausteine mit unseren.

Bedeutet das, dass die klassische SPS ausstirbt?

Nein, ganz sicher nicht. Die virtuelle Steuerung ergänzt die klassische SPS, sie ersetzt sie nicht. Es wird immer Maschinen geben, die keine aufwendige Kommunikation oder IT-Integration benötigen. Für einfache, preissensitive Anwendungen mit überschaubarer I/O-Struktur bleibt die klassische SPS ideal.

Virtualisierung braucht immer ein gewisses Maß an Hardwareleistung, selbst wenn sie ressourcenschonend umgesetzt ist. Für Kleinststeuerungen oder stark gekapselte Systeme ist das oft nicht sinnvoll. Diese werden also weiterhin mit klassischen Steuerungen arbeiten.

Welche Rolle spielt dabei auch das unternehmenseigene Ökosystem PLCnext Technology mit dem App Store?

Es gibt Apps, die innerhalb der virtuellen PLCnext Control laufen, und solche, die parallel dazu betrieben werden. Ob eine App intern oder extern läuft, hängt von der gewünschten Integrationstiefe ab.

Man braucht also immer etwas IT-Know-how.

Richtig. Es muss kein Softwareentwickler sein, aber ein Grundverständnis von IT- und Containertechnologien ist nötig.

Wie fördern Sie die IT-OT-Konvergenz beziehungsweise das gegenseitige Verständnis zwischen IT- und OT-Teams?

Das ist ein kulturelles Thema. IT und OT verfolgen oft unterschiedliche Ziele: Die IT denkt in Security, Orchestrierung, Updatezyklen; die OT in Determinismus und Verfügbarkeit. Diese Welten müssen zusammenfinden, sonst kommt es zwangsläufig zu Reibungen. Deshalb ist Kommunikation entscheidend: Beide Seiten müssen verstehen, warum der andere so handelt.

Phoenix Contact auf der SPS 2025: Halle 9 Stand 310

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