TSN und OPC UA - Status Quo

Vom TSN-Testbed zur wandelbaren Produktion

TSN-Serie
© TSN/WFM/Computer&AUTOMATION

Das ISW in Stuttgart unterstützt mit dem TSN Testbed die Etablierung eines deterministischen und offenen Netzwerkstandards in Produktionsstätten. Florian Frick beschreibt den Status Quo.

Herr Frick, vor vier Wochen hatten Sie Ihr TSN Plugfest am ISW in Stuttgart. Wie viele Teilnehmer hatten Sie und zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Florian Frick: Unser 21. Plugfest haben wir als hybride Veranstaltung durchgeführt und die 14 Teilnehmer vor Ort waren nur ein Bruchteil der typischen Teilnehmerzahl vor der Pandemie. Konkret konnten wir große Fortschritte beim Aufbau der nächsten Generation unserer Testinfrastruktur sowie ersten Tests mit dieser erzielen. Dabei hat sich gezeigt, von welch großer Bedeutung das persönliche Zusammentreffen war. Wir haben nun die Grundlage geschaffen, um effizient an unserem Kernthema Interoperabilität weiter arbeiten zu können und hoffentlich auch bald wieder in einer größeren Gruppe sehr effizient vorwärts zu kommen. Ebenfalls wieder voll in den Fokus rücken wird nun unser zentrales Thema Konfiguration.

Welche Themen wollten Sie auf der Messe in den Vordergrund stellen?

Florian Frick, Gruppenleiter 'Echtzeitkommunikation' am ISW Stuttgart
Florian Frick, Gruppenleiter 'Echtzeitkommunikation' am ISW Stuttgart und Chair des IIC TSN Testbeds des Industrial Internet Consortium: »Die Konfiguration ist ein Kernthema in diesem Jahr.«
© Uni Stuttgart

Die wichtigsten Messages unseres geplanten Auftrittes waren sicher der herstellerübergreifende Charakter und die Interoperabilität von TSN. Ein Kernaspekt, den wir hervorheben wollten, ist die Konfiguration. Hier hätten wir einerseits die erzielten Ergebnisse hinsichtlich herstellerübergreifender Konfigurationpräsentiert. Andererseits wollten wir uns mit dem Messestand aber auch als Treffpunkt anbieten, um dieses nach wie vor in der Standardisierung befindlichen Thema zu diskutieren.

Was unsere Zielgruppe betrifft, vollziehen wir gerade einen Schwenk: Fokussierten wir in der Vergangenheit noch auf die technologietreibenden Unternehmen, konzentrieren wir uns zunehmend auf die Anwender von TSN. Wir wollen gerade dieser Klientel einen guten Eindruck aus erster Hand zum Stand der Dinge vermitteln.

Wo sehen Sie für den Weg von TSN in die Praxis noch die größten Stolpersteine?

Während auf der einen Seite noch an den TSN Standards gearbeitet wird, ist es bereits branchenübergreifend als Schlüsseltechnologie der Zukunft akzeptiert und es werden große Hoffnung das Potential gelegt. Dabei ist TSN als Technologie nur zweitrangig, im Vordergrund steht das damit einhergehende Ökosystem. Deshalb sehe ich die größte Herausforderung in naher Zukunft darin, bisherige technologische Lösungen zu einem nutzbaren Gesamtsystem zu transformieren! Um diese Vision real werden zu lassen, müssen wir selbstredend noch viele praktische, rein TSN-bezogene Probleme lösen, wie beispielsweise die Konfiguration.

Welchen Zeithorizont sehen Sie für diese Aufgaben?

Als Weiterentwicklung von Ethernet ist TSN Teil eines kontinuierlichen Prozesses. Deshalb spreche ich hier lieber von einer Evolution als einer plötzlichen Revolution. Vieles wird bereits zeitnah nutzbar sein, andererseits werden wir aber auch noch über Jahre Aktivitäten in Forschung sowie Standardisierung sehen.

Das Jahr 2022 dürfte allerdings aus mehreren Gesichtspunkten ein sehr interessantes werden: In 2022 werden seitens der Standards weitere Lücken geschlossen. Zudem lassen die Ankündigungen praktisch aller Hersteller auf eine zeitnah verfügbare reiche Produktvielfalt für die Infrastruktur, Endpunktlösungen sowie bei der Software hoffen. Und letztlich ist auch von der Applikationsseite einiges zu erwarten: Von besonderer Bedeutung sind hier sicherlich zu erwartende Ergebnisse der FLC Initiative.


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