Kommentar

TSN - was es jetzt braucht!

17. Oktober 2017, 0:00 Uhr | Meinrad Happacher
Meinrad Happacher, Chefredakteur der Fachzeitschrift Computer&AUTOMATION
Ein Kommentar von Meinrad Happacher, Chefredakteur Computer&AUTOMATION
© WEKA Fachmedien

TSN soll den Backbone der neuen Automatisierungs-Architektur bilden! Doch für eine schnelle und tiefgreifende Durchsetzung des Kommunikationsstandards in der Industrie sind noch manche Hausaufgaben zu lösen.

Sie hatte Struktur, eine klare Aufgabenteilung und ein klar definiertes Feld von Akteuren – die uns so liebgewordene Automatisierungspyramide! Doch damit ist jetzt Schluss. Wolfgang Schenk, Geschäftsführer bei Hirschmann Automation and Control ist sich sicher: „Die Pyramide ist tot, es lebe der Automation Pillar!“ Ein Gebilde, das bisherige Ebenen-Grenzen sprengt, Aufgaben über das ganze Gebilde verstreut …. und nicht zuletzt Akteuren den Einstieg ins Geschäft ermöglicht, die bis dato außen vor waren.

Doch wie schnell wird sich die Technologie etablieren, die den Backbone des Pillar bilden soll: die Echtzeit-Ethernet-Technologie Time Sensitive Networking – kurz TSN? Der internationale Kongress zu diesem Thema – die TSN/A Conference  – zeigte das ganze Spektrum an Erwartungen auf: Während die einen fieberhaft an ersten Produkten arbeiten, wünschen sich die anderen die Durchsetzung der Technologie möglichst erst in ein paar Jahrzehnten! Und die Argumente der Skeptiker sind nicht von der Hand zu weisen: Es gibt eine enorme installierte Basis an Feldbussen, die nicht von heute auf morgen über den ‚Firmen-Zaun‘ geworfen wird; es fehlt an einer detaillierten Technologie-Festlegung und One-Stop-Shop-Zertifizierung für das Bundle ‚TSN plus OPC UA‘, ohne die es in der Industrieautomation nicht geht – und es fehlen nutzerfreundliche Werkzeuge, um die ganze Technologie handeln zu können: Stichwort Konfiguration.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+
Schema zur sich auflösenden Automatisierungspyramide
Der Automation Piller: Er soll die Nachfolge der etablierten Automatisierungspyramide antreten.
© Hirschmann Automation and Control

Also, was braucht es jetzt idealerweise? – Es braucht einen Verbund von Anwenderfirmen, der klar kommuniziert: „Wir wollen jetzt TSN plus OPC UA für die Fabrikautomation haben!“ Sie erinnern sich: Vor rund sieben Jahren gab es so etwas schon einmal. Die deutsche Automobilindustrie hatte sich unter dem Kürzel Aida für Profinet als Netzwerk-Standard ausgesprochen und damit Fakten geschaffen!

– Es braucht eine Organisation, die den Hut der Zertifizierung von TSN plus OPC UA auf hat! Auf der TSN/A Conference fiel immer wieder der Vorschlag, dass sich die OPC Foundation doch darum kümmern möge. – Durchaus denkbar und absolut wünschenswert! Nur, will die OPC Foundation das überhaupt? Und hat die Foundation das organisatorische Fundament um diese Aufgabe stemmen zu können?

– Und es braucht eine kritische Masse an Anbietern, die sich nicht nur zu TSN plus OPC UA bekennt, sondern dessen Marktdurchdringung klar forciert und für die potenziellen Anwender sichtbar vorantreibt. Okay, auf der vergangenen SPS IPC Drives 2016 haben Firmen wie ABB, B&R, Kuka und National Instruments einen Firmenverbund ins Leben gerufen, der sich für TSN plus OPC UA als Standard in der Fabrikautomation ausspricht; im Frühjahr wurde gar das LNI OPC UA TSN Testbed mit 18 Gründungsfirmen ins Leben gerufen  – aber nach außen wirkt das (noch) nicht wie ein fokussiert ausgerichteter Schwarm von Piranhas!

Wie schnell der ein oder andere Punkt dieser Agenda vielleicht schon umgesetzt wird, steht in den Sternen. Eines war auf der TSN/A Conference allerdings zu spüren: Im Hintergrund tut sich einiges, die Vorbereitungen zur SPS IPC Drives laufen auf Hochtouren!

PS: Sie wollen sich zum Thema TSN plus OPC UA genauer informieren? Dann empfehle ich Ihnen den Besuch des Tracks ‚TSN und OPC UA in der Industrie‘ des Messe-begleitenden Automation 4.0 Summit auf der SPS IPC Drives


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Hirschmann Automation and Control GmbH

SPS IPC Drives

TSN & OPC UA