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Dynamische Gewichtsmessung im Güterverkehr

4. August 2021, 11:30 Uhr | Inka Krischke
Dynamische Gewichtsmessung im Güterverkehr
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Über die Gewichtsmessung von Güterzügen können sowohl Belastungen der Infrastruktur festgestellt als auch Maßnahmen zur Predictive Maintenance an Waggons und Schienen ergriffen werden. Ein spezielles dynamisches Wiegesystem ist nun auch in Deutschland auf der Schiene.

Der Personen- und Güterverkehr auf deutschen Schienen ist eng getaktet; die Schienennetze sind dadurch stark belastet und vielerorts nicht in bestem Zustand. Sanierungen von Streckenabschnitten und Erschließungen neuer Strecken sind langwierig und kostenintensiv. Daher gilt es, die Schienennetze in besonderem Maße zu schonen und vor zu hoher Belastung und Verschleiß zu bewahren. So sind beispielsweise Übergewicht oder eine einseitige Beladung von Zügen beziehungsweise Waggons mitverantwortlich für den Verschleiß der Schienen und stellen zudem ein Sicherheitsrisiko dar, sowohl für den Zug als auch für die Infrastruktur wie etwa an Eisenbahnbrücken.

Nach erfolgreichen Tests bei der französischen SNCF hat Althen das dynamische Wiegesystem AWIM (Althen Weighing in Motion) auch in Deutschland auf die Schiene gebracht. Es sorgt zum einen dafür, Güterzüge und Waggons möglichst lange einsatzfähig zu halten, zum anderen hilft es, die Belastungen für Schienen und Weichen zu reduzieren.

Sensoren nach OIML R106-1 zertifiziert

Mit dem System werden Lokomotiven und Waggons insbesondere von Güterzügen im Geschwindigkeitsbereich bis 140 km/h beim Überfahren der an den Schienen angebrachten Wiegestation gewogen. Acht auf Kraftsensoren basierende Wiegepunkte ermöglichen eine präzise Erfassung des Gewichts sowie der Gewichtsverteilung pro Lok, Waggon, Achse, Rad und Seite. Zertifiziert sind die Sensoren nach OIML, einem internationalen Standard für Gewichtsmessung der Internationalen Organisation für das gesetzliche Messwesen. Für den Bahnbereich spezifisch ist OIML R106-1.

Im Detail betrachtet: Die Wiegemethode basiert auf Kraftaufnehmern, die auf dem Schienensteg montiert sind. Der enthaltene patentierte Dehnungsmessstreifen erkennt die mechanischen Bewegungen der Schiene durch die Überfahrt des Zuges und wandelt diese Informationen in analoge, elektrische Signale um. Jeder Wiegepunkt ist über ein Kabel mit einem Analog-/Digital-Signalwandler verbunden. Die acht Signalwandler senden das digitale Signal in Echtzeit an eine Auswerte-Elektronik, die die Signale analysiert und durch Algorithmen unter anderem in Gewichte umwandelt. Das Wiegen kann sowohl manuell bei Zugdurchfahrt als auch automatisiert aktiviert werden.

Die Genauigkeit des Systems wurde von ‚Research Institutes of Sweden‘ und dem schwedischen Bergbau-Unternehmen Lu-ossavaara-Kiirunavaara Aktiebolag LKAB getestet. Je nach Geschwindigkeit beträgt die Genauigkeit 0,5 % (bei Geschwindigkeiten unter 10 km/h) bis 1 % (bei circa 100 km/h).

Ergänzt werden die an der Schiene installierten Komponenten durch einen Systemschrank unmittelbar an der Strecke sowie einen MySQL-Datenbankserver in einem lokalen Netzwerk oder in einer Cloud. Der Systemschrank lässt sich direkt an einer Wand oder an einem Mast mon-tieren. Über ein Signal- und Stromzuführungskabel sind die Kraftaufnehmer mit dem Systemschrank verbunden, der seinerseits die Datenübertragung über eine Ethernet-Verbindung in die Datenbank/ Steuerung gewährleistet. Die Analyse-Software zur Interpretation der Messdaten ist im System integriert und kann über entsprechende Schnittstellen mit beliebigen kundenseitigen Warenwirtschaftssystemen und IT-Landschaften kombiniert werden.


  1. Dynamische Gewichtsmessung im Güterverkehr
  2. Lifecycle-Management aller Waggons

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