nachgehakt! – bei Sigrid Rögner, IDS

Der KI-Marktplatz

24. Februar 2022, 8:45 Uhr | Inka Krischke
Sigrid Rögner, Head of Business Innovation & Ecosystem bei IDS.
Sigrid Rögner, Head of Business Innovation & Ecosystem bei IDS.
© IDS

Vor gut einem Jahr hat IDS den Online-Marktplatz ‚visionpier‘ ins Leben gerufen. Was seitdem daraus geworden ist, erläutert Sigrid Rögner.

Frau Rögner, was verbirgt sich hinter dem Online-Marktplatz ‚visionpier‘?

Sigrid Rögner: Wir bringen hier Anwender, Lösungsanbieter und Startups zusammen. Lassen Sie mich das genauer erklären: Anwendungen im Bildverarbeitungsbereich verändern sich vor allem durch die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz. Und es kommen viele Einsatzbereiche hinzu, bei denen klassische Bildverarbeitungslösungen an ihre Grenzen stoßen – nicht nur Anwendungen aus der Industrie, der Robotik, dem Retail- oder Logistikbereich, sondern es geht auch um den Einsatz von Kameras in den Bereichen Smart Farming, Smart City oder auch im Recycling. Endkunden haben keinen Überblick über das Angebot und finden nur mit großem Aufwand den besten Anbieter für ihr Problem. Häufig haben Anwender eine ganz spezifische, anwendungsbezogene Aufgabenstellung und kommen damit auf uns zu, auf der Suche nach einer konkreten Lösung.

Auf der anderen Seite arbeitet IDS mit vielen Lösungsanbietern zusammen, die häufig speziell für einen Kunden interessante Lösungen entwickeln, die dann aber nur dort zum Einsatz kommen – obwohl sie durchaus für andere Kunden mit ähnlichen Aufgabenstellungen adaptierbar sind. Seit 2018 arbeiten wir außerdem mit einer Reihe von Startups zusammen, die vor allem im KI-Bereich wirklich gute Lösungsansätze haben und auf der Suche nach Kunden sind.

Der Marktplatz stellt nun einen digitalen Ort dar, auf dem konkrete Lösungen für Bildverarbeitungsaufgaben gezeigt werden. Kunden können diese vergleichen und mit einem Klick direkt Kontakt zum Lösungsanbieter aufnehmen. Sollte seine spezielle Aufgabenstellung nicht auffindbar sein, hat der Kunde die Möglichkeit, eine Anfrage an den Marktplatz zu stellen. Er erhält anschließend unkompliziert die Kontaktdaten von maximal drei Anbietern, die aufgrund ihrer Expertise zu seiner Aufgabenstellung passen und sich dieser widmen könnten.

Wen adressiert das Angebot konkret?

Rögner: ‚Visionpier‘ verbindet im B2B-Bereich Endkunden, die eine Aufgabenstellung für ein bildgebendes Verfahren haben, aber nicht über das notwendige Know-how verfügen – mit Anbietern, die für dieses oder ein ähnliches Problem eine Lösung haben. Unsere Zielsetzung ist es, auf ‚visionpier‘ die bestmögliche Verknüpfung von Kunde und Anbieter zu erreichen, und zwar über eine breite Auswahl an Bildverarbeitungslösungen – sei es mit oder ohne KI.

Wie hat sich der KI-Marktplatz seit dem Launch entwickelt?

Rögner: Im Dezember 2020 haben wir mit einer Landingpage und den ersten 15 KI-Anwendungen von Startups begonnen. Die Testphase war mit einer Laufzeit von einem halben Jahr geplant, um herauszufinden, ob ein solches Angebot überhaupt eine Chance im Markt haben könnte. Bereits im Frühjahr 2021 wurde die Testseite dann in einen öffentlichen Marktplatz gewandelt, und mittlerweile wurden mehr als 50 Lösungen auf ‚visionpier‘ eingestellt. Seit Anfang Oktober 2021 nimmt ‚visionpier‘ nicht mehr nur KI-Lösungen auf, sondern auch klassische Bildverarbeitungslösungen. Denn erfahrungsgemäß spielt es für Endkunden keine Rolle, mit welcher Technologie eine Lösung entwickelt wurde, solange sie den größtmöglichen Nutzen hat.

Parallel dazu bietet ‚visionpier‘ immer wieder – digitale – Veranstaltungen an, etwa Speeddatings, Wettbewerbe und Community-Treffen, damit Anbieter und Kunde zusammen kommen können. Ziel ist der Aufbau einer Bildverarbeitungs-Community, die sich bei Veranstaltungen trifft und auch gemeinsam neue Wege findet.

Welche Erkenntnisse gibt es bis dato?

Rögner: Anders als am Anfang gedacht, sind es nicht nur mittelständische Unternehmen, die den Service nutzen. Außerdem haben wir erfahren, wie lange der Sales Cycle vom ersten Kundenkontakt bis zum Abschluss eines solchen Projektes tatsächlich dauert. Als Industriekamerahersteller haben wir bisher nur einen Teil des Kundenablaufs mitbekommen, nämlich den Teil von der ersten Anfrage unseres Kunden bis zur Lieferung unsererKameras.

Wichtig ist beiden Seiten jedoch auch die Nachverfolgung der Projekte seitens IDS. Oftmals werden Projekte bereits frühzeitig abgebrochen, weil die Kommunikation stockt. Dieses Thema gehen wir gerade mit einem neuen ‚Anfrageverfolgungstool‘ an.

Und wie sieht die weitere Roadmap aus?

Rögner: 2022 haben wir sehr viel vor! Wir wollen Bekanntheitsgrad und Traffic auf ‚visionpier‘ deutlich erhöhen. Außerdem werden wir den Marktplatz mit diversen neuen Funktionen bestücken, beispielsweise die schon angesprochene Nachverfolgung der Anfragen, ein Bewertungstool sowie eine verbesserte Suchfunktion. Geplant sind zudem einige interessante Veranstaltungen: Am 31. Januar starteten wir zum Beispiel mit einem japanisch/deutschen Startup Pitch im Bildverarbeitungsbereich; hier soll es einen Wettbewerb sowie themenbezogene Speeddatings geben.


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