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Nachgefragt bei Alexander Mühlens, Igus

20. September 2022, 9:01 Uhr | Inka Krischke
Nachgefragt bei Alexander Mühlens, Igus
Der Interviewpartner: Alexander Mühlens, Leiter des Geschäftsbreichs Low-Cost-Automation, Igus
© Igus

Eine erschwingliche Roboterautomatisierung für kleine und mittelständische Unternehmen ist das Ziel des Geschäftsbereichs ‚Low Cost Automation‘ von Igus. Computer&Automation hat bei Alexander Mühlens nachgefragt, wie das Angebot angenommen wird.

Herr Mühlens, Anfang 2019 hat Igus einen eigenen Geschäftsbereich für ‚Low Cost Automation‘ ins Leben gerufen. Wie hat er sich seitdem entwickelt?

Bei uns hat alles mit eigenen Inhouse-Automatisierungsprojekten angefangen. Wir wollten selbst automatisieren, denn die Herausforderungen waren immer dieselben: Projekte dauern länger als gedacht und dadurch waren die Kosten vorab nicht transparent einsehbar. Das wollen wir mit unseren Produkten ändern. Wir setzen unsere Produkte auch zu Hunderten in unserer eigenen Produktion ein, zum Beispiel für Sortier- und ‚Pick & Place‘-Anwendungen oder Aufgaben im Bereich Qualitätssicherung. Der Fokus liegt dabei auf der erschwinglichen Robotik, die wir durch den Einsatz unserer ‚motion plastics‘ ermöglichen. Alle bewegten Bauteile unserer Roboter sind aus tribologisch optimierten Hochleistungskunststoffen hergestellt. Inzwischen bieten wir ein Vollsortiment aus Mehrachsgelenkrobotern, Cobots, Portalrobotern sowie Delta- und Scara-Robotern an – für unsere Kunden immer mit der Möglichkeit, unsere Software und Leistungselektronik zu verwenden oder die eigene.

Aus welchen Branchen kommen die Anfragen vor allem?

Wir liefern an unterschiedlichste Branchen, das Spektrum ist also sehr breit: Von Robotik für den Agrarsektor, um auf den Feldern dieser Welt Unkraut oder Gemüse ernten, bis hin zu klassischeren Klebeanwendungen für den allgemeinen Maschinenbau.

Welche ‚typischen‘ Applikationen werden nachgefragt?

Sehr häufig werden vor allem Dosier-, Einlege- sowie ‚Pick & Place‘-Anwendungen nachgefragt.

Wie habe ich mir den Weg eines KMU zum eigenen beziehungsweise ersten Roboter für die eigene Fertigung vorzustellen? Welche Schritte sind zu gehen, bevor der Roboter tatsächlich Einzug hält?

Im Normalfall sind es vier Schritte. Zuerst erfolgt die Kontaktaufnahme, dafür bieten wir verschiedene Möglichkeiten an; Interessierte können dann einen Termin für eine kostenlose Live-Videoberatung buchen. Allein in Deutschland beraten wir aktuell mehr als 25 Kunden pro Woche. Im nächsten Schritt besprechen wir gemeinsam die geplante Anwendung. Das ist mit der wichtigste Schritt – vor allem mit Blick auf unseren Anspruch, die Anwendung so kostengünstig wie möglich zu gestalten. Auf einer 400 m² großen Customer Testing Area wird die Machbarkeit der Anwendung im Remote-Termin gemeinsam geprüft, indem live die Vorteile von unterschiedlichen Roboterkinematiken und Zubehör getestet werden. Ebenso besteht die Möglichkeit, das zu bewegende Teil vorab für einen kostenlosen Handling-Test einzureichen. Im dritten Schritt suchen wir gemeinsam die benötigten Komponenten aus. Zu guter Letzt erhält der Kunde ein Festpreisangebot. Nach dem Kauf unterstützen wir auch bei der Inbetriebnahme.

Woher stammen die nötigen Werkzeuge, damit der Roboter seinen Einsatz starten kann?

Ein Roboter allein macht keine Anwendung, deshalb betreiben wir mit www.rbtx.com einen Online-Marktplatz für Low-Cost-Robotik. Dort können weitere Komponenten verschiedener Hersteller wie Greifer, Kameras oder Sicherheitskomponenten, aber auch Software und Services hinzugefügt werden – immer mit dem Anspruch der Kostentransparenz und Kompatibilitätsgarantie. Zusätzlich bieten wir den ‚RBTXpert Service‘, der kostenfrei durch die Auswahl führt und berät – ein Service, den insbesondere KMUs, die selbst noch nicht automatisiert haben, gerne in Anspruch nehmen.

Wie sehen die nächsten Schritte des Geschäftsbereichs ‚Low Cost Automation‘ aus? Haben Sie für die Zukunft spezielle Entwicklungen geplant?

Wir streben danach, mit unseren ‚motion plastics‘ immer noch günstigere Robotiklösungen zu entwickeln. Roboter beginnen bei uns schon ab 1.000 Euro, komplette Mehrachs-Gelenkroboter mit Cobot-Funktionen inklusive Software und Steuerung bereits ab 4.970 Euro.

Igus hat in letzter Zeit unter anderem durch die erste Energiekette aus recyceltem Kunststoff und das zum Teil aus recycelten Kunststoffen bestehende Fahrrad von sich reden gemacht. Inwiefern ist recycelter Kunststoff für die Low Cost Automation ein Thema?

Wir forschen daran, die Rezyklate auch an verschiedenen Stellen in unseren Robotiklösungen direkt einzusetzen, zum Beispiel bei Verkleidungen oder Halterungen.


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