nachgehakt! bei Thomas Rettig, Beckhoff

Der Robotikbaukasten

1. September 2022, 8:43 Uhr | Thomas Rettig
Thomas Rettig ist Senior Produktmanager ATRO bei Beckhoff Automation.
Thomas Rettig ist Senior Produktmanager ATRO bei Beckhoff Automation.
© Beckhoff

Beckhoff stellte auf der Automatica 2022 seinen ATRO-Baukasten vor, mit dem sich beliebige Roboterbauformen realisieren lassen. Die Hintergründe für den Einstieg in den Robotikmarkt.

Welche Gründe stecken hinter Beckhoffs Entscheidung, in den Robotikmarkt einzusteigen?

Thomas Rettig: Beckhoff ist Anbieter eines umfangreichen Automatisierungssystems. Dieses umfasst schon heute Antriebssysteme, die mithilfe von Software-Funktionen in der TwinCAT Runtime sowie einer programmierbaren Sicherheitstechnik komplexe koordinierte Motion-Funktionen ermöglichen. Daraus ist die Idee entstanden, dass auch modulare Roboterkinematiken aus Motor- und Linkmodulen flexibel in die Maschinen und Applikationen unserer Kunden integriert werden können.

Welche Zielgruppe sprechen Sie mit ATRO an?

ATRO eignet sich für alle Arten von Roboteraufgaben. Unsere Zielgruppen sind zunächst unsere bekannten Maschinenbaukunden, die nun sehr einfach auch Roboterkinematiken in ihre Lösung einbeziehen können. Dabei bestimmt der Maschinenbauer nun die Anforderungen und ist nicht mehr – wie bisher – auf die Eigenschaften eines Roboters ‚von der Stange‘ festgelegt. Die einfache Inbetriebnahme und Programmierung eines ATRO-Systems erschließen die Flexibilität unseres modularen Ansatzes aber auch für Systemintegratoren oder Maschinenpark-Betreiber.

Thomas Rettig ist Senior Produktmanager ATRO bei Beckhoff Automation.
Thomas Rettig ist Senior Produktmanager ATRO bei Beckhoff Automation.
© Beckhoff

Warum ein Baukastensystem und kein kompletter Roboter?

Durch die Modularität ergeben sich Vorteile für den Anwender. Denn es wird nicht immer ein 6-Achs-Knickarmroboter für die Aufgaben benötigt. Eine Pick&Place-Aufgabe kommt beispielsweise häufig mit vier Freiheitsgraden aus und benötigt daher auch nur vier Achsen – das spart zwei Antriebsachsen und damit Kosten und Gewicht, wobei Letzteres wiederum für eine höhere Traglast genutzt werden kann. Mit den gleichen Motor- und Linkmodulen können ganz unterschiedliche Kinematiken zusammengestellt werden. Das verringert die Varianz im Lager und erhöht die Flexibilität.

Welche Vorteile kann Beckhoff bieten, die ein Roboterhersteller nicht vorweisen kann?

Neben den Vorteilen der Modularität bietet die Integration in das TwinCAT-System entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Robotersteuerungen. Eine Hauptaufgabe bei der Roboterintegration besteht bisher darin, die Schnittstellen zwischen den Systemen zu beherrschen: Robotersteuerung, Maschinensteuerung, Safety, Vision, Condition Monitoring oder die Anbindung an ein Edge-Gerät oder Cloud-System müssen miteinander verbunden werden. Das benötigt sehr viel Aufwand, der nicht wertschöpfend ist. Bei Beckhoff übernimmt eine PC-basierte Steuerung alle diese Aufgaben und hilft gleichzeitig, dass alle Prozesse synchronisiert miteinander arbeiten und die Daten allen Prozessen zur Verfügung stehen.

Im Juni vorgestellt, doch die Serienlieferung der Komponenten erfolgt erst in zwei Jahren. Warum dieser Zeitversatz und was versprechen Sie sich von der Zeit bis dahin?

Beckhoff ist es wichtig, unsere Kunden frühzeitig über unsere Entwicklungen zu informieren. Da es sich bei ATRO um einen neuartigen, modularen Ansatz handelt, können auch Maschinenkonzepte angepasst werden. Das benötigt allerdings etwas Zeit für die (Um-)Planung. Und ja, wir benötigen auch noch etwas Zeit, um die Entwicklung des ATRO-Systems abzuschließen.


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