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Sequenzielle Farbfeldgabe

(field-sequential color, FSC) Ein frühes Verfahren zur Aufnahme und Wiedergabe von bewegten Farbbildern. Es bildete die Basis für das weltweit erste Farbfernsehübertragungssystem, von dem die US-amerikanische Fernseh- und Medienanstalt Columbia Broadcasting System (CBS) bereits 1940 eine experimentelle Version vorstellte. Erfinder war der seit 1936 bei CBS beschäftigte ungarische Physiker Dr. Peter Goldmark, der eine in drei Sektoren geteilte, mit 48 Umdrehungen/s rotierende, Bandpassfilterscheibe mit den Farben Rot, Blau und Grün vor eine monochrome Kamera stellte. Die Kamera war mit der Scheibe synchronisiert und nahm für jede Drittelphase der Umdrehung ein Halbbild auf, das somit eine Repräsentation des Rot-, Grün- oder Blauanteils des ankommenden Bildes war. Ein auf 144 Rahmen/s eingestelltes Schwarz-Wei?-Fernsehgerät konnte das empfangene Bild mit 343 Bildzeilen wiedergeben. Wenn man eine zweite rotierende Bandpassfilterscheibe vor den Fernseher platzierte, war ein für damalige Verhältnisse verblüffend gutes Farbbild mit 24 Vollbildern/s zu erkennen. Ein von der Konkurrenzanstalt Radio Corporation of America (RCA) gebautes System nach dem Prinzip der sequenziellen Farbpunktgabe (dot sequential color) lieferte weniger gute Ergebnisse, war allerdings mit dem bereits in geringem Umfang verbreitete Schwarz-Wei?-System (mit 60 Halbbildern/s) kompatibel und war so konzipiert, dass es keine rotierenden Komponenten enthalten würde, sondern nur elektronische Komponenten (damals aber noch nicht fertig entwickelt).
In einem 1941 veröffentlichten Zwischenbericht zum Thema Farbfernsehen hatte die Regulierungsbehörde FCC die Geltung der Schwarz-Wei?-Norm der NTSC (mit 60 Halbbildern/s und einer Zeilenzahl von 525 pro Vollbild) bestätigt und sich der Meinung der NTSC angeschlossen, dass zunächst weitere Prüfungen der CBS-Technik nötig waren.
Am 31. Januar 1946 stellte CBS das überarbeitete System der Regulierungsbehörde FCC offiziell vor. Es übertrug weiterhin 144 Frames/s für 24 Vollbilder mit nunmehr je 405 Zeilen und benötigte eine Videobandbreite von 6 MHz. Die FCC-Verantwortlichen waren von der Bildqualität sehr beeindruckt, blieb aber hinsichtlich einer Standardisierung dieses Systems noch zögerlich, zumal die Konkurrenz RCA bereits vorgeschlagen hatte, ein zum Schwarz-Wei?-System kompatibles voll elektronisches Farbfernsehsystem einzuführen. Ein Jahr später verkündete die FCC, dass sie das CBS-System für nicht ausgereift hielt und weitere Entwicklungen und Untersuchungen vorschlug. RCA nutzte die Zeit, um den Markt mit (damals noch recht teuren) nicht FSC-kompatiblen Schwarz-Wei?-Fernsehern zu überschwemmen, um so dem Konkurrenzsystem zuvor zu kommen.
In der Zwischenzeit nutzte Goldmark diverse Gelegenheiten, sein System einem breiteren Publikum vorzustellen. Vor allem Mediziner, die am 31. Mai 1949 eine erste Farbfernsehübertragung aus einem Operationssaal sahen, waren begeistert.
Unter dem Eindruck wachsenden Interesses gab die FCC am 11. Juli 1949 bekannt, dass sie wegen der Einführung eines Farbfernsehdienstes ab 26. September 1949 Anhörungen durchführen würde. Diese dauerten bis 26. Mai 1950 und ergaben 10.000 Seiten an eingereichten Unterlagen und 265 Beweisstücke. Naben CBS und RCS setzte sich die Firma Color Television Incorporated (CTI) für ein von ihr entwickeltes System mit sequenzieller Farbzeilengabe ein. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in amerikanischen Haushalten bereits zwei Mio. Schwarz-Wei?-Fernseher nach der NTSC-Norm, zu denen die Systeme von RCA und CTI kompatibel waren. Man musste sich also Gedanken über die Probleme und Zusatzkosten machen, die ggf. mit der Einführung einer nicht-kompatiblen Farbtechnik verbunden sein würden.
Als noch schwerer wiegend sah die FCC aber die Unzulänglichkeiten der kompatiblen Systeme an. Es überlegt, dass die Einführung eines qualitativ nicht attraktiven Farbfernsehdienstes die Verbreitung behindern würde. Zwar versprachen RCA und CTI sukzessive Verbesserungen ihrer Systeme, für die FCC reichte das aber nicht, zumal der Zeitplan nicht verbindlich war. Die FCC sah vor allem die Gefahr dass die US-Bevölkerung sich immer mehr mit weiteren Schwarz-Wei?-Fernsehern eindeckte. Sollte es der Industrie nicht gelingen, akzeptable kompatible Geräte zu entwickeln, würde das Problem mit jedem Monat einer weiteren Verschleppung der Entscheidung noch wachsen. Deshalb beschloss die Behörde am 10. Oktober 1950, dass die Einführung des CBS-Systems im öffentlichen Interesse war. Am 25. Juni 1951 nahm die erste CBS-Farbfernsehstation (in New York) den Sendebetrieb auf, obwohl RCA die FCC-Entscheidung angefochten hatte. Der CBS-Konkurrent unterlag jedoch in jeder Instanz, einschlie?lich der Anrufung des Supreme Court. Die erübrigte sich allerings schon bald aus anderen Gründen: CBS hatte mit seinem System wenig Erfolg, weil es genau ein Jahr nach dem Beginn des Koreakrieges (am 25. Juni 1950) in Betrieb ging. Dieser Krieg zog Ressourcen ab, die für die Produktion der Farbfernseher benötigt wurden. Wegen der geringen Zahl der Empfänger stellte CBS den Sendebetrieb schon am 19. Oktober 1951 wieder ein.
RCA klagte sich indes nicht nur durch alle Instanzen, sondern entwickelte auch eine vollelektronische Auführung seines NTSC-kompatiblen Systems mit sequenzieller Farbpunktgabe. Die NTSC gab diesem System am 21. Juli 1953 seinen Segen und beantragte zugleich bei der FCC die Zulassung, die die Behörde am 17. Dezember 1953 erteilte.