Prokrastination im Job

Was hilft gegen »Verschieberitis«?

7. März 2022, 17:27 Uhr | Bernhard Broekman
Was hilft gegen Verschieberitis?
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Ungeliebte Arbeiten auf später verschieben, wer kennt das nicht? Doch wie kommt man gegen diese unbewusste Strategie des Selbstboykotts an? Coach Bernhard Broekmann gibt Tipps.

Kennen Sie das: Eigentlich müssten Sie dringend die Präsentation fertigstellen, den Rasen mähen oder die Steuererklärung machen, doch stattdessen lesen Sie die Nachrichten, trinken noch einen Kaffee und checken die neuesten Social Media Posts? Das nennen wir Aufschieben oder »Verschieberitis«, auch Prokrastination. Sie tritt vor allem dann auf, wenn wir uns über- oder unterfordert fühlen. Dabei lenken wir uns unbewusst gezielt ab, um Arbeiten zu vermeiden, die wir gleichermaßen als anspruchsvoll oder unattraktiv erleben.

»Verschieberitis« wird häufig mit mangelnder Zeit begründet. Doch dies trifft in Wirklichkeit meist nicht zu. Vielmehr handelt es sich um eine unbewusste Strategie des Selbstboykotts, mit der wir uns selbst daran hindern, dauerhaft erfolgreich zu sein. Wenn Sie regelmäßig wichtige Termine verstreichen lassen oder aus Zeitmangel unzureichende Qualität abliefern, dann sollten Sie sich fragen: Welchen Vorteil habe ich davon, mich selbst so zu boykottieren?

Die Selbstwirksamkeit 

Ein guter Freund und Berater sagte mir mal: »Wenn ich wissen will, was ich will, schaue ich auf das, was ich tue!« Ich war verblüfft, normalerweise formulieren wir das andersrum: »Ich muss noch das und das tun, also muss ich mich aufraffen« oder so ähnlich heißt es dann. Wenn ich nach dem Spruch meines Freundes also faul auf dem Sofa liege, statt die Präsentation fertig zu stellen, habe ich möglicherweise einen Erholungsbedarf, der den Bedarf nach Leistung übersteigt. Die Empfehlung: Nutzen Sie Ihre persönliche Achtsamkeit, um in sich hineinzuspüren und Ihr wahres Bedürfnis zu bestimmen. Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere Seite der Medaille ist die Erkenntnis der Hirnforschung, dass eine erledigte Aufgabe auch Freude, Zufriedenheit oder sogar Glücksmomente erzeugt. Warum? Eine Hürde geschafft zu haben, triggert hirnphysiologisch unser Belohnungssystem, wir erleben ein Wohlgefühl, ausgelöst v.a. durch die Ausschüttung von Dopamin. Dann sagen wir »Tschakka, ich hab´s geschafft!« und das fühlt sich gut an. Das wiederum führt zur Stärkung unseres Selbstwertes, ich habe etwas geschafft! Die Folge: Das Gefühl der Selbstwirksamkeit macht sich breit. Selbstwirksamkeit bedeutet, eine persönliche Grundüberzeugung zu haben oder zu entwickeln, nach der ich weiß, dass ich das, was ich mir vornehme, auch erreichen kann. Ich setze mir realistische und anspruchsvolle Ziele und setze sie um – ein toller Zustand.

Jetzt werden manche Leser*innen an den inneren Schweinhund denken, der uns gelegentlich verführt, doch lieber auf der Couch zu liegen und Chips zu essen, als etwas für die Fitness oder die Arbeit zu tun. Hier ist die Schweinehund-Regel wichtig: Je schlauer das Herrchen/Frauchen, desto cleverer der Schweinehund. Er wird sich also immer etwas

einfallen lassen, uns von der Zielerreichung abzuhalten.


  1. Was hilft gegen »Verschieberitis«?
  2. Den inneren Schweinehund besiegen

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