Tipps von der Coachin

Emotionen im beruflichen Alltag regulieren

14. Juni 2022, 8:31 Uhr | Susanne Schlenker
Emotionen im beruflichen Alltag regulieren
© Pixabay/CC0

Sich verändernde Situationen im beruflichen Alltag können schnell zu einer Achterbahn der Emotionen werden. Wie kann man sich dagegen wappnen? Coachin Susanne Schlenker gibt Tipps.

Eines Tages wurde uns mitgeteilt, dass unser Chef kündigt. Sein Nachfolger sollte ein Vertriebsmann aus den USA sein. Dazu muss man wissen, mein alter Chef saß im Büro nebenan und ich habe sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet. Wenn ich eine Frage hatte, ging ich also einfach eine Tür weiter.

Ich stellte mir ein Horrorszenario mit dem neuen Chef vor, ohne ihn je kennengelernt zu haben. Gedanken über zukünftige Szenarien der Zusammenarbeit tauchten auf. Wie soll das funktionieren, wenn er in einer anderen Zeitzone ist? Er kennt mich und meine Arbeit nicht und kommt außerdem aus dem Vertrieb. Ihm sind Zahlen und KPIs bestimmt wichtiger als die Mitarbeitenden. Meine anstehende Weiterbildung wird er bestimmt nicht genehmigen…

Wie lässt sich dieses Verhalten erklären?

Nun, meine Gefühle übermannten mich und ich fühlte mich als Mitarbeitende bedroht und hilflos. Auf körperlicher Ebene führt das Gefühl von Angst schließlich zu einem erhöhten Herzschlag, Adrenalin- und Cortisolspiegel. Eine Folge dessen ist instinktives Verhalten und eine bewusste Handlung war mir nicht mehr möglich. Denn ich hatte keinen Zugriff auf meinen Präfrontalkortex, der für das rationale Denken verantwortlich ist.

Was tat ich? Ich rannte herum wie ein aufgescheuchtes Huhn und sagte zu mir, hier bleibe ich auf keinen Fall. Ich aktivierte mein gesamtes Netzwerk. Wozu war ich schließlich schon 20 Jahre in der Firma? Ich fragte überall nach, ob sie nicht jemanden mit meinen Qualifikationen bräuchten. Überall erhielt ich die Nachricht: Headcount Freeze, d.h. wir dürfen gerade niemanden einstellen.

Das war tatsächlich mein Glück: Es stellte sich nämlich heraus, dass meine Anfangsbefürchtungen völlig unbegründet waren. Der Neue war ein super Chef und ich hatte die gleichen Freiheiten wie zuvor auch. Nach längerer Zusammenarbeit stellte ich für mich fest, dass er einer der besten Chefs war, die ich je hatte.

Ruhe bewahren – aber wie?

Im Nachhinein betrachtet reagierte ich also völlig über. Aus heutiger Sicht wäre es hilfreicher gewesen, erst einmal Ruhe zu bewahren. Allerdings fällt es uns Menschen heutzutage generell sehr schwer zu entspannen, weshalb wir permanent einen erhöhten Stresslevel haben. Hätte ich zunächst drei Mal tief durchgeatmet, hätte ich auch bewusst merken können, dass ich mich von meinen Emotionen übermannen ließ. Somit hätte ich auch wieder bewusst handeln können.

Emotionen bemerken und benennen – raus aus der Denkfalle!

Im Anschluss hätte ich meine Emotion bemerken und benennen sollen und schließlich wäre meine Reaktionsintensität abgeflacht.

Stattdessen bin ich meinen eigenen Denkfallen verfallen. Ich »katastrophisierte« und machte aus einem Chefwechsel eine Krise. Außerdem generalisierte ich und dachte, Vertriebler schauen nur auf Zahlen und Ergebnisse und das Wohlergehen der Mitarbeitenden sei ihnen egal.

Mittlerweile ist dieses Ereignis 10 Jahre her. Dank der Arbeit an mir selbst und regelmäßigem Training in Form von Meditation passieren mir solche Situationen und Denkfallen viel seltener. Ich lernte, die Fallen zu erkennen und meine emotionalen Impulse zu regulieren. Dadurch bin ich solchen Situationen nicht mehr hilflos ausgeliefert, sondern gestalte sie selbst.

Tipps von der Coachin

  • Ruhe bewahren!
  • Langsam und bewusst durchatmen
  • Emotionen erkennen und benennen
  • Denkmuster erkennen und diesen bewusst entgegenwirken
  • Regelmäßige Trainings wie Meditation

Die Autorin

Susanne Schlenker, Leadership Choices
Susanne Schlenker, Leadership Choices
© Susanne Schlenker

Susanne Schlenker ist langjähriger Coach bei Leadership Choices, Resilienz- und Achtsamkeitstrainerin sowie Sterbe- und Trauerbegleiterin. Als gebürtige Amerikanerin und mit ihrer 26-jährigen internationalen Konzernerfahrung unterstützt sie Führungskräfte, ihre Selbstwahrnehmungs- und Selbstführungskompetenzen zu entwickeln.

In ihr eigenes Programm »Corporate Human Growth with Mindfulness« zur Stärkung der Resilienz floss ihre Erfahrung in der Einführung von Achtsamkeit in Unternehmen ein. Zudem ist sie bei Leadership Choices in deren FiRE-Modell der Resilienz zertifiziert und wirkt dort als Co-Lead der Resilienz-Community.  


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Leadership Choices GmbH