Sie sind hier: HomeKarriere

News und Fachartikel aus den Bereichen Arbeitswelt, Gehalt, Uni & Job, Weiterbildung

Kommentar: Qualifizieren statt entlassen!

Der Konjunktur-Motor stottert. Gerade der Maschinenbau bekommt das derzeit massiv zu spüren. Viele Beschäftigte stellen sich daher zu Recht die Frage: Ist mein Job noch sicher?

Günter Herkommer Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Ein Kommentar von Günter Herkommer, Chefredakteur Computer&AUTOMATION

Die Lage im Maschinen- und Anlagenbau ist derzeit alles andere als rosig: Nach der Halbjahresbilanz des VDMA verbuchte die Branche in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres einen Orderrückgang von real 9 % im Vergleich zum Vorjahr. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband aktuell mit einem Produktionsminus von 2 %.

Für Sorgenfalten sorgt das Stottern des Wirtschaftsmotors nicht nur in den Chefetagen, sondern offensichtlich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: So halten nach der ‚Jobstudie 2019‘ von Ernst & Young (EY) knapp 50 % der Beschäftigten im Maschinen- und Anlagenbau ihren Arbeitsplatz nicht mehr für sicher – so viel wie in keiner anderen Branche! 21 % sind auf der Suche  nach einem neuen Arbeitgeber. Mit ein Grund hierfür dürfte neben der konjunkturellen Schwäche die Veränderung am Arbeitsmarkt sein: „Durch die Technologisierung wandeln sich die Rollen der Beschäftigten – viele Aufgaben entfallen sogar ganz. Die Folge: Die Beschäftigten haben wieder vermehrt Sorge um ihre Jobs und sind eher bereit, den Arbeitgeber zu wechseln“, sagt Markus Heinen, Leiter des Geschäftsfeldes Personalberatungsdienstleistungen bei EY.

Während auf der einen Seite die Angst vor einem möglichen Jobverlust grassiert, fehlen an anderer Stelle Bewerber: Laut der Bundesagentur für Arbeit sind zum Start in das neue Ausbildungsjahr speziell im Maschinenbau 34.000 Ausbildungsstellen in den technischen Berufen nicht besetzt. Dem stehen 21.000 unvermittelte Bewerber gegenüber – was letztlich eine rechnerische Lücke von 13.000 ergibt. „Setzt sich dieser Trend fort, wird sich der Fachkräftemangel zu einem Strukturproblem und zu einer dauerhaften Wachstumsbremse entwickeln, ganz unabhängig von konjunkturellen Schwankungen, wie wir sie aktuell beobachten“, warnt Jörg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung im VDMA, angesichts dieser Zahlen.

Die Unternehmer stehen also in zweierlei Hinsicht vor einer enormen Herausforderung: Einerseits müssen sie es schaffen, die Attraktivität der beruflichen Ausbildung weiter zu steigern. Als wichtigen Baustein hierzu sieht der VDMA die Modernisierung der Berufsbilder und die Anpassung der Lehrformen und -inhalte an die Digitalisierung. Andererseits muss es ihnen aber auch gelingen, die langjährigen Erfahrungsträger in konjunkturell schwierigen Zeiten zu halten und sie mit auf die Industrie-4.0-Reise zu nehmen. Denn eines ist klar: Der nächste Aufschwung kommt bestimmt – und dann wird das Gejammer vom Fachkräftemangel wieder allerorts unüberhörbar sein. Vielleicht ist ja gerade jetzt – wenn es in den Fertigungshallen etwas ruhiger zugeht – eine ideale Zeit, die absolut notwendige Weiterbildung in puncto Digitale Transformation mit Nachdruck anzugehen – und zwar quer durch alle Altersschichten!