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Führung: Wie Mitarbeiter zu Opportunisten werden

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Jeder ist, überspitzt formuliert, mit eigenem Überleben beschäftigt

Als Trainer, so berichtet der Berater, höre man in Seminaren von den Teilnehmern oft: ‘Das Klima in unserem Betrieb hat sich verschlechtert. Der Umgangston wird immer rauer.’ Das fängt bei den mittleren Führungskräften schon an. Müllerschön: “Sie sind um ihre ‘Sandwich-Position’ als Mittler zwischen den ‘Chefs’ ganz oben und den ‘Werkern’ unten nicht zu beneiden. Denn sie bekommen die operative Hektik, die in den Chefetagen vieler Unternehmen herrscht, meist unmittelbar zu spüren. Und weil sie selbst unter einem enormen Druck stehen, geben sie diesen nicht selten ungefiltert an ihre Untergebenen weiter.”

Schon lange gebe es in den meisten (Groß-) Unternehmen kein Zusammengehörigkeitsgefühl mehr, wie es früher als Siemens- oder Bosch-Familie bezeichnet worden war. “Und in welchen Betrieben nennen sich die Mitarbeiter noch stolz zum Beispiel ‘Opelaner’? Nur in ganz wenigen Unternehmen ist dies noch der Fall! In viel mehr Unternehmen regiert heute – obwohl eine bereichs- und funktionsübergreifende Team- und Projektarbeit propagiert wird – das Einzelkämpfertum. Jeder ist, überspitzt formuliert, mit dem eigenen Überleben beschäftigt.”

Müllerschön findet das überraschend, zum Teil. Denn die deutsche Wirtschaft  boome, die Zahlen fast aller Unternehmen stimmten. Deshalb könnten die Verantwortlichen an der Spitze die Herausforderungen, vor denen ihre Unternehmen im digitalen Zeitalter ohne Zweifel stehen, eigentlich ganz relaxt und systematisch angehen. Aber nein, “das tun sie aber nicht. Stattdessen wird der Druck auf den ‘Kessel’, teils getrieben durch die immer unersättlicher werdenden Finanzmärkte, weiter erhöht, mit der Konsequenz, dass das Betriebsklima stets rauer wird.”, erklärt Müllerschön.

Zugleich werde jedoch betont, man wolle intrinsisch motivierte Mitarbeiter, die sich eigeninitiativ und -verantwortlich für das Erreichen der Ziele des Unternehmens engagieren. Müllerschön: “Doch woher sollen diese kommen, wenn die Mitarbeiter sich zugleich nur noch als Human-Kapital fühlen, das je nach Bedarf auf- und abgebaut wird? Wenn Mitarbeiter diesen Widerspruch spüren, dann gehen sie zu Recht emotional auf Distanz zum Unternehmen, und ihre Handlungsmaxime lautet wie bei den Kapitalgebern: Wie ziehe ich aus der Beziehung den größten Profit?”