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EEBus-Initiative

Weichenstellung für die Vernetzung im Smart Home

08. Dezember 2015, 13:15 Uhr   |  Peter Winterrmayr

Weichenstellung für die Vernetzung im Smart Home
© EEBus-Initiative

Peter Kellendonk, 1. Vorsitzender der EEBus-Initiative

Die Entwicklung einer intelligenten Vernetzung im Smart Home tritt in die entscheidende Phase. Es werden nicht nur zunehmend mehr elektronische Geräte mit Internetanschluss und neuen Funktionalitäten ausgestattet - auch die Entscheidung, welcher Kommunikationsstandard die Konnektivität möglichst vieler Geräte ermöglichen soll, steht bevor.

Lange Jahre waren es für Endverbraucher nur auf einzelne Anwendungen begrenzte Spielereien. Da fuhren Jalousien runter, wenn die Sonne stark schien oder bestimmte Lichtkombinationen im Haus konnten gespeichert und bei Bedarf wieder aktiviert werden. Doch inzwischen geht es bei Smart-Home-Anwendungen nicht mehr nur um solche einzelnen Anwendungen, sondern um die komplette intelligente Steuerung des gesamten Hauses, um das Zusammenspiel und die Synchronisation aller digitaler Funktionen im gesamten Haus – bis hin zur Einbeziehung des Automobils. Energieeinspar- und Sicherheitsaspekte spielen dabei eine wachsende Rolle.

Intelligente Heizungssteuerung, Vaillant
© Vaillant

Intelligente Heizungssteuerung: Tablet statt Serviceklappe

Geld sparen durch Energie einsparen

Die Anzahl der Anwendungsmöglichkeiten kennt inzwischen kaum noch Grenzen, seitdem fast jeder Haushalt ein Smartphone oder einen Tablet-PC zur Verfügung hat. Beispielsweise kann eine intelligente Steuerung verhindern, dass nach Verlassen des Hauses der Herd versehentlich an bleibt. Sofort bekommt der oder die Vergessliche unterwegs eine Warn-Nachricht. Kräftig Energiekosten einsparen können Smart-Home-Bewohner, wenn sie den mit der eigenen Solaranlage erzeugten Strom mit Hilfe einer intelligente Steuerung im eigenen Haushalt nutzen. Produziert wird Sonnenstrom mit neuen PV-Anlagen nämlich für rund 15 Cent (pro Kilowattstunde), während die Energie vom Netzversorger für bis zu 30 Cent fremd eingekauft werden muss.

Möglich macht dies folgendes Vorgehen: Die PV-Anlage liefert auf Grundlage der Wettervorhersage einen Prognosewert, wie viel Strom wann produziert wird, an einen Energiemanager. Wärmepumpe, Waschmaschine, Trockner, Kühl- und Gefrierschrank melden dem Energiemanager zurück, wann und wie viele Möglichkeiten sie sehen, Energie zu zapfen, damit diese möglichst effizient genutzt werden kann. Bis zu 60 % des gesamten Strombedarfs kann ein Durchschnittshaushalt auf diese Weise bereits günstig beziehen. 

Stromtankstelle, VDE
© VDE

Stromtankstelle: Autos sollen Bestandteil der Hausvernetzung werden.

Intelligente Steuerung über Grenzen hinweg

Durch künftige lastvariable Stromtarife kann der Vorteil noch größer werden. Weitere Informationen, z. B. die Optimierung der verursachten CO2-Werte pro Kilowattstunde, können künftig Steuer-Grundlage sein.

Kein Wunder, dass mit solchen Aussichten die Technik fürs smarte Zuhause mehr und mehr begehrt wird. Denn die moderne Vernetzungstechnik beschränkt sich nicht allein auf Neugeräte. Altgeräte können aufgerüstet werden. Bis 2020 soll sich die Anzahl der Geräte mit Internetanschluss auf bis zu 70 Milliarden fast verzehnfachen. Das Internet der Dinge kommt jetzt mit Macht. Und so stellt sich die entscheidende Frage, wie die Kommunikation zwischen diesen elektronischen Geräten funktionieren soll, damit sich im Haushalt Waschmaschine, Gefriergerät, Solaranlage, Hei­zung, Lichtschalter und Smartphone miteinander verständigen können – branchen- und herstellerübergreifend.

Ein offener für alle zugänglicher Standard, der die umfassende intelligente Steuerung beschreibt, ist das Ziel der EEBus-Initiative. Dieser gehören inzwischen fast 60 internationale Unternehmen und Verbände mit den Schwerpunkten Elektronik, Energie sowie Informations- und Kommunikationswesen an, etwa ABB, Bosch, BSH, E.ON, EnBW, Intel, Kabel Deutschland, Liebherr, Miele, Schneider Electric, SMA, SolarWorld, Telekom, TÜV Rheinland, Vaillant, VDA und VDE (vollständige Liste auf der Website der EEBus-Initiative).

Nur mit einem übergreifenden Standard wird es gelingen, alle Anwendungen verschiedener Hersteller über eine Anwendung – etwa eine App – zu steuern. "Der EEBus-Standard überwindet die Barrieren der spezifischen Sektoren und unterschiedliche technische Ansätze. Das ermöglicht das Vernetzen von Millionen verschiedener Geräte", erläutert Peter Kellendonk, Vorsitzender der EEBus-Initiative: "Das ist eine Grundsatzentscheidung: Entweder die Kommunikationsnorm wird demokratisch entwickelt und allen Interessenten zur Verfügung gestellt oder faktisch durch einen Multi gesetzt." An einem Prozess unter Mitwirkung von möglichst vielen Beteiligten können alle teilhaben, sich einbringen und die Technologie nutzen. Kellendonk: "Das ist maßgeblicher Grundkonsens der EEBus-Initiative. Der freie Zugang aller zur Vernetzungstechnologie ist bereits in der Satzung fest verankert."

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1. Weichenstellung für die Vernetzung im Smart Home
2. Gefährliche Entwicklung vor allem für Mittelständler

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