Schwerpunkte

Harting

SPE und hartnäckige Hypothesen

30. Dezember 2020, 09:35 Uhr   |  Meinrad Happacher

SPE und hartnäckige Hypothesen
© Harting

Single Pair Ethernet soll eine der letzten großen Lücken in einer TCP/IP-orientierten Netzwerkwelt schließen – die Lücke zwischen der klassischen IT und der Sensorik. Dabei stehen momentan noch einige Hypothesen im Raum, die für Verwirrung sorgen.

Grund ist: Es gibt zwei Firmen-Netzwerke, die unterschiedliche Steckgesichter favorisieren. Single Pair Ethernet (SPE) ist kein Zufallsprodukt, sondern Antwort auf die Frage, wie zukünftige Automatisierungslösungen aussehen müssen, damit sie am Markt erfolgreich sein können. 

Die Frage hat drei Branchen besonders umgetrieben: die Automobilindustrie, die Industrieautomatisierung und die Gebäudeautomatisierung. Alle drei Anwendungsfelder benötigen für den nächsten Schritt in den jeweiligen Automatisierungslösungen ungehinderten Zugang zu Sensor-/Aktornetzwerken. Nur so lässt sich im Auto autonomes Fahren umsetzen, in der Industrie der durchgängige Herstellungsprozess nach Industrie 4.0 und in der Gebäudeautomation das intelligente Gebäude realisieren.

Diese Überlegungen treiben die Entwicklung von SPE voran – und nichts anderes! Dass hierbei die Verkabelung einfacher und Steckverbinder kleiner ­werden, ist ein zusätzlicher positiver Effekt, aber nicht die Ursache für die Innovation SPE.

Wie aber wird die Umsetzung beziehungsweise die Implementierung von SPE in diesen drei Anwendungsfeldern aussehen und was bedeutet das für die Verkabelung?

Drei große Anwendungsfelder

Im Auto muss SPE einfach, schnell und trotzdem stabil sowie bei zum Teil extremen Betriebsbedingungen implementiert werden. Für die Autobauer heißt das: einfache Ansteuerung aller relevanten Komponenten mittels SPE. Die Verkabelung dazu wird im Allgemeinen ungeschirmt und mit eigens entwickelter Verbindungstechnik erfolgen. Diese Verbindungstechnik ist geprägt von einfachem Design, welches Vorteile von Steckverbindern und Klemmentechnik vereint und sehr platzsparend in Blöcken zusammengefasst werden kann. Schon jetzt werden erste Modellreihen mit SPE ausgeliefert. In zehn Jahren wird diese Technik Standard sein und den heutigen CAN Bus oder vergleichbare Lösungen vollständig abgelöst haben.

Bei der Industrieautomatisierung sieht es im Grunde ähnlich aus. Auch hier spielen extreme Bedingungen wie große abzudeckende Temperaturbereiche, Schock und Vibration aber auch der IPx-Schutz vor Staub und Nässe eine wichtige Rolle beim Design der Verbindungstechnik. Allerdings werden in der Industrie zum überwiegenden Teil geschirmte Verkabelungen eingesetzt, um hohe Störfestigkeit im Bereich der EMV zu garantieren. Somit orientiert sich das Design der Steckverbinder für SPE in der Industrieautomatisierung an robusten geschirmten IP20-Verbindern bis hin zu IP65/67-geschützten Varianten in den weit verbreiteten M12- beziehungsweise M8 Bauformen.

Was bewirkt SPE in der Gebäudeautomatisierung? Hier ist wohl noch die spannendste Geschichte zu erwarten. Das hat damit zu tun, dass es bei den Systemen zur Gebäudeautomatisierung Lösungen wie KNX, LON, EchoNet und TRON gibt. Deren Akteure müssen sich strategisch entscheiden, wie und in welchem Umfang sie zukünftig SPE nutzen wollen.
Dank des Innovationsdruckes von SPE in der Sensortechnik werden sie an der Technologie SPE nicht vorbeikommen. Ob sie diesen Technologiewechsel aber auch für weitreichendere Veränderungen bis hin zu komplett Ethernet-basierten Systemen nutzen werden, bleibt abzuwarten. Bei der Verkabelung kommen ungeschirmte und geschirmte Lösungen zum Einsatz, die im Allgemeinen im Innenbereich installiert sind und somit bei weitem nicht die Robustheit wie etwa in der Industrie aufweisen müssen.
RJ45 hat hier, wenn überhaupt, als Service- und Prüf-Interface eine Rolle gespielt. Ansonsten kommen als Anschlusstechnik besonders Terminalblöcke mit Schraub- oder Klemmtechnik zum Einsatz.

Seite 1 von 3

1. SPE und hartnäckige Hypothesen
2. Fazit zur SPE Verbindungstechnik
3. Die Prozessautomation

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Reißt der ­Geduldsfaden? Stefan Schönegger im Gespräch
RJ45 abgelöst
Konkurrenz oder Kooperation?

Verwandte Artikel

HARTING AG & Co. KG, HARTING Deutschland GmbH & Co. KG

SPS