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»Nächstes Jahr geht‘s los!«

14. Dezember 2020, 09:10 Uhr   |  Andrea Gillhuber/Meinrad Happacher

»Nächstes Jahr geht‘s los!«
© WEKA Fachmedien

5G soll in Produktionshallen Einzug erhalten. Welche Vorteile bringt die Wireless-Technologie? Wann wird sie Realität und welche Geschäftsmodelle wird es geben? Walter Haas, CTO von Huawei Deutschland, bezieht Stellung – auch zur Diskussion bezüglich des ‚Ausspäh-Aspekts‘.

Wie würden Sie die Roadmap für 5G in der Industrie kurz skizzieren? Bis wann ist mit einem breiten Einsatz der Technologie zu rechnen?

Haas: Nachdem die 3GPPP-Standardisierung für das 5G Release 16 weitestgehend abgeschlossen ist, und dieses wesentliche Merkmale für industrielle Anwendungen spezifiziert (u.A. uRLLC – „Ultra Reliable and Low Latency Communication), kann man für die Netzinfrastruktur erste kommerzielle Verfügbarkeiten so ab der zweiten Jahreshälfte 2021 erwarten.
Die Verfügbarkeit von Chipsets/Modulen, die zur Ausrüstung von Gerätschaften verschiedenster Art bis hin zu Maschinen benötigt werden, ist differenzierter zu sehen.

Derzeit verfügbare Module sind von Chipsets für Smartphones abgeleitet, die sehr universell und mit einem breiten Leistungsspektrum für den Endkundenbereich ausgelegt sind.

Spezifische Module für Industrieanwendungen oder auch Low-Power Versionen fuer Sensoriken (IIoT) kann man in 1 bis 2 Jahren erwarten.
Breite Einsatzszenarien sind daher eher eine Frage der Reife des Öko-Systems – Infrastruktur ist in der Regel früher verfügbar.

Walter Haas ist CTO von Huawei.
© Huawei

Walter Haas ist CTO von Huawei.

Warum sollten Unternehmen auf 5G Campusnetzwerke setzen? Sind andere Technologien – etwa WLAN 6 – nicht die bessere beziehungsweise kostengünstigere Alternative?

Bei Huawei gehen wir ohnehin von einem Technologiemix aus und haben WIFI 6 aber auch TSN (Time Sensitive Networks)-Technologien in unser Gesamt-5G-Konzept für industrielle Anwendungen integriert. WIFI 6, das im Übrigen etliche Basistechnologien mit 5G gemeinsam hat, bringt tatsächlich erhebliche Verbesserungen im Vergleich zu seinen Vorgängern – beispielsweise beim unterbrechungsfreien Handover zwischen WIFI-Zellen. Es ist daher eine kostengünstige, aber dennoch performante Lösung für etlich Anwendungen im „Non-Realtime“-Bereich.

Aber dort wo kurze und deterministische Latenzzeiten und Hochverfügbarkeit gefragt sind, ist klar die Domäne von 5G.

Wo steckt bei 5G der USP? Welche Rolle spielt hierbei das Stichwort „Neue Geschäftsmodelle“?

Der Haupt-USP liegt in der Natur der Sache selbst – es handelt sich um „drahtlose“ Kommunikation – zudem mit hoher Performance und industriespezifischen Leistungsmerkmalen.

Die Reduktion kabelgebundener  Fabrikvernetzung, beispielsweise bei großen Produktionsstraßen der Automobilindustrie, ermöglicht deutliche Kostenreduktionen bei gleichzeitiger Erhöhung der Flexibilität.
Eine Fabrik der Zukunft mit einer Vielzahl von AGVs (Automated Guided Vehicle) ist ohne zuverlässige Mobilkommunikation, wie sie 5G bietet, nicht wirklich vorstellbar.
Im Kontext von 5G sind auch Themen wie Cloudifizierung und Edge-Computing zu sehen. Große und international agierende Unternehmen sind sicherlich in der Lage eine Transformation in diese Richtung eigenständig zu realisieren. Mittelständische Unternehmen benötigen dabei aber eher Unterstützung von Dienstleistern; eben auch mit neuen Geschäftsmodellen im Rahmen von Planung, Aufbau und Betrieb solcher Netze.  Dies können etablierte sein, die ihr Kompetenzspektrum entsprechend erweitern, aber auch neue, wie zum Beispiel Mobilfunknetzbetreiber, die entprechende Ambitionen haben.  

Welche Erfahrungen machen Sie bei Ihren Kunden bezüglich des „Ausspäh-Aspektes“ mit dem Huawei in der westlichen Welt konfrontiert ist? Wie wollen Sie dieses Vertrauens-Problem in den Griff bekommen?

Informationssicherheit und Datenschutz sind in unserer vernetzten Welt natürlich von zentraler Bedeutung und daher ein wichtiger Faktor für uns und unsere Kunden und zwar nicht erst seit der im wesentlichen politisch motivierten Debatte um unser Unternehmen.

Hier darf ich anmerken und betonen, dass es in den mehr als 30 Jahren, in denen wir unsere Kunden mit erstklassigen Produkten und Dienstleistungen bedienen, keinen relevanten „Vorfall“ gab – die Verdächtigungen sind ohne jegliche Beweise geblieben - und mittlerweile dürfte für jeden offensichtlich sein, dass es hier um Geopolitik geht und nicht um konkrete Sicherheitsfragen.

Bei unseren Kunden, den langjährigen, aber auch neuen Kunden, spüren wir daher kein wirkliches „Vertrauensproblem“, auch wenn wir natürlich mit Fragestellungen bezüglich der politischen und  insbesondere der Mediendebatte konfrontiert sind. Dies lässt sich aber durch eine offene und faktenbasierte Kommunikation in der Regel schnell klären.

Seit vielen Jahren bringen wir all unsere Expertise zum Thema Netz- und Datensicherheit in die internationale Standardisierung ein und natürlich entwickeln wir unsere Produkte von Anfang an nach dem Prinzip „Security by Design“. Darüber hinaus verfügen mehr als 250 unserer Produkte über Sicherheitszertifikate nach international anerkannten Prüfverfahren; ausgestellt von autorisierten Stellen, wie z.B. dem BSI, mit dem wir sehr gut zusammenarbeiten.

Im Gegensatz zu „geopolitischen Debatten“ leistet der pragmatische Dreiklang aus international einheitlichen Standards, Verifikation und Zertifizierung einen tatsächlichen Beitrag zur Erhöhung von Informationssicherheit  und Datenschutz und da leisten wir nachweislich unseren Beitrag.

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