Interview mit Thomas Frahler, Microsoft

IT meets OT

12. September 2022, 11:50 Uhr | Andrea Gillhuber

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Anwendungen in der Praxis

Können Sie Ihre bisherigen Projekt-Erfahrungen auch quantifizieren – mit konkreten Zahlen belegen?

Frahler: Ja, es gibt bereits eine Fülle gut belegter Anwendungen in der Praxis.

Der Versorger E.ON hat beispielsweise den nachhaltigen Fernwärme- und Fernkälte-Service E.ON ectogrid entwickelt, der die Wiederverwendung von Energie innerhalb des Systems maximiert, sodass sich die Menge zugeführter Energie um bis zu 75 Prozent reduzieren lässt. Zur dynamischen Steuerung und Kontrolle in Gebäuden unterschiedlicher Größe nutzt dieser Service die digitale Plattform E.ON ectocloud. Sie erfasst die von rund 10.000 Sensoren gelieferten Messwerte – täglich sind es circa 2,5 Millionen – und integriert zusätzlich Wettervorhersage- und Energiemarktdaten. Auf Basis dieser Informationen passt ectocloud die Wärmenutzung mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen in kurzen Intervallen an – alle 30 Minuten wird ein Scoring der Gebäude vorgenommen. Damit sich die Lösung schnell international ausrollen und flexibel weiterentwickeln lässt, nutzt E.ON Azure Machine Learning, Azure Data Factory sowie Azure DevOps zur Verknüpfung der Prozesse. Dieser Service zeigt, was der kombinierte Einsatz von Erkennungs-, Vorhersage- und Optimierungs-Algorithmen im Zusammenspiel mit einer Steuerung via IoT erreichen kann, gleichzeitig illustriert er auch die damit verbundene Komplexität und hohen Ansprüche an die IT.

An weiteren Beispielen mangelt es nicht. So gewinnt der weltweit tätige Energie-Dienstleister Techem Energy Services durch die Vernetzung seiner mehr als 39 Millionen Funkerfassungsgeräte in derzeit über 20 Ländern durch die tägliche Datenerfassung stets aktuelle Informationen zu Wasserverbrauch, Wärmezufuhr und Nutzung. Aus dieser Datenbasis generiert Techem Energy Services mithilfe der Microsoft Cloud, Azure Data Explorer und Azure IoT Hub Informationen, um den Energieverbrauch zielgerichtet reduzieren zu können. Rund 8,7 Millionen Tonnen CO2 spart das pro Jahr, hat das Unternehmen errechnet.

Beim Ventilatoren-Hersteller Ziehl-Abegg überwacht eine mit T-Systems MMS entwickelte IoT-Plattform eigene und fremde Geräte, die in wichtiger Infrastruktur wie Operationssälen, Produktionsanlagen oder Rechenzentren zum Einsatz kommen. Der Verpackungslösungs-Anbieter Multivac mit Hauptsitz in Wolfertschwende wiederum reduziert durch Smart Services, die Daten in Microsoft Azure verarbeiten, die Umrüstzeiten seiner jüngsten Maschinengeneration und erleichtert die Wartung. Um den Wartungsprozess rotierender Maschinen in der Fertigung zu optimieren, hat Bosch mit einem digitalen Zwilling eine Integrierte Asset Performance Management-Lösung (IAPM) für die Cloud entwickelt, die auf Microsoft Azure basiert. Im Rahmen der Predictive Maintenance berücksichtigt sie nicht nur aktuelle Sensordaten, sondern erstellt aus allen relevanten Maschinendaten eine holistische Datenlage, sodass sich schon sehr früh die Symptome eines drohenden Verschleißes erkennen lassen und dadurch bedingte Ausfälle effektiv vermieden werden. Für dieses Projekt wurde Bosch mit dem Microsoft Intelligent Manufacturing Award 2021 in der Kategorie „Add Value!“ ausgezeichnet. Den „Oscar der Fertigungsbranche“ verleiht Microsoft zusammen mit der Unternehmensberatung Roland Berger.

Ich könnte branchenübergreifend noch eine ganze Reihe weiterer Anwendungen nennen, die den Nutzen der IT/OT-Integration via Cloud belegen. Aber er ist von der Industrie längst erkannt worden – die hohe Adaptionsquote von Cloud Computing und das ungebremste Wachstum zeigen eindrucksvoll, dass sie sich das Potenzial bereits erschließt.

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