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Huawei - neuer Prozessor und eigenes Framework für KI

27. August 2019, 09:05 Uhr   |  Günter Herkommer

Huawei - neuer Prozessor und eigenes Framework für KI
© Huawei

Huawei-Chef Eric Xu auf der Pressekonferenz am 23. August: „In 2018 haben wir ein umfassendes KI-Portfolio für alle Anwendungsbereiche versprochen. Und heute haben wir geliefert.“

Mit dem Ascend 910 hat der chinesische Telekommunikationsanbieter Huawei den nach eigener Aussage weltweit leistungsfähigsten KI-Prozessor vorgestellt. Ebenfalls neu: Das KI-Framework MindSpore, das ab 2020 als Open Source-Lösung zur Verfügung stehen soll.

Am 23. August lud Huawei zu einer Pressekonferenz in Sachen Künstliche Intelligenz am Hauptsitz in Shenzhen. Eric Xu, der aktuelle Vorsitzende des Unternehmens, eröffnete diese mit den Worten: „Seit wir im Oktober letzten Jahres unsere KI-Strategie verkündet haben, machen wir stetige Fortschritte. Mit dem Launch des Ascend 910 und MindSpore stehen nun alle wichtigen Komponenten unseres KI-Portfolios bereit.“

Der Ascend 910 soll aktuell der weltweit leistungsfähigste KI-Prozessor sein. Für Gleitkommaoperationen mit halber Genauigkeit (FP16) erreiche dieser 256 TeraFLOPS, für vollständige Präzisionsberechnungen (INT8) 512 TeraOPS. „Trotz seiner unschlagbaren Leistung verbraucht der Ascend nur maximal 310 Watt und liegt damit deutlich unter den avisierten Verbrauchswerten von 350 Watt“, so Xu. Haupteinsatzzweck des Prozessors, der beim   taiwanesischen Halbleiterhersteller TSMC gefertigt wird und der nicht allein sondern immer nur eingebaut in eines der Atlas-Computing-Systeme von Huawei zu kaufen sein wird, ist das KI-Modelltraining. In einer typischen Trainingseinheit auf Basis von ResNet-50 (künstliches neuronales Netzwerk) führe die Kombination des Ascend 910 und dem ebenfalls neuen KI Computing Framework MindSpore zu einer Verdoppelung der Trainingsgeschwindigkeit im Vergleich zu üblichen Beschleunigerkarten unter Nutzung von TensorFlow, dem vielfach verwendeten KI-Framework von Google.

MindSpore ist durchgängig auf allen unterstützen Endgeräten sowohl in Edge- als auch in Cloud-Umgebungen einsetzbar. Die Rechenzentren für die Cloud-Services werden in Hongkong und Singapur stehen. „In einem typischen neuronalen Netzwerk für die Verarbeitung natürlicher Sprache verfügt MindSpore über 20% weniger Kerncodezeilen als die führenden Frameworks auf dem Markt und hilft Entwicklern, ihre Effizienz um mindestens 50% zu steigern“, verspricht Xu. Neben Ascend-Prozessoren unterstützt das Framework auch GPUs, CPUs und andere Prozessortypen. Mit dem Ziel, die Verbreitung von KI in unterschiedlichsten Branchen und märkten voran zu treiben, soll MindSpore im ersten Quartal 2020 auch als Open-Source-Version verfügbar sein. Nicht zuletzt will Huawei dazu beitragen, ein offenes KI-Ökosystem rund um das eigene KI-Framework zu schaffen. Generell sieht Xu die Künstliche Intelligenz  noch in einem frühen Entwicklungsstadium, und es seien noch eine Reihe von Lücken zu schließen, bis KI zu einer echten Allzwecktechnologie werden könne. Um den Schutz der Nutzerdaten zu gewährleisten, werde MindSpore selbst keine Daten verarbeiten, sondern nur mit Verlaufs- und Modell-Daten arbeiten, die bereits vorverarbeitet wurden. Außerdem verfüge das Framework über eine integrierte Technologie zum Schutz des Modells.

Bereits auf der Konferenz ‚Huawei Connect 2018‘ im vergangenen Jahr hatte das chinesische Unternehmen mit dem Ascend 310 sein erstes kommerzielles KI-SoC (System on a Chip) in der Ascend-Mini-Serie vorgestellt. Mit einem maximalen Verbrauch von 8 Watt erreicht dieser Prozessor 16 TeraOPS mit ganzzahliger Genauigkeit (INT8) und 8 TeraFLOPS mit halber Genauigkeit (FP16) und ist damit Huawei zufolge der   leistungsstärkste KI-SoC für das Edge Computing. Der Ascend 310 ermöglicht ebenso die Nutzung von Huaweis Cloud-Diensten wie Bildanalyse, optischer Zeichenerkennung (OCR) und intelligenter Videoanalyse. Für diese Dienste stehen bereits mehr als 50 APIs zur Verfügung. Mittlerweile überschreite die Anzahl der API-Aufrufe pro Tag die 100-Millionen-Marke, und bis Ende 2019 wird ein Anstieg auf 300 Millionen erwartet.

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