OPC Foundation

»Ein Pfad durch den Zoo der Standards«

10. November 2022, 8:06 Uhr | Inka Krischke
Stefan Hoppe, OPC Foundation
© Sebastian Priamowicz, cp-imac

Die OPC Foundation nutzte ihre traditionelle Pressekonferenz auf der SPS zu einem Aufruf nach mehr Kooperation zwischen OT und IT. Die Umsetzung der OPC UA Cloud Interoperabilität durch AWS und Microsoft zeige, wohin der Weg gehen müsse.

Stefan Hoppe, Präsident der OPC Foundation, zieht zu Beginn der Pressekonferenz ein Fazit des letzten Jahres. So ist die Foundation allein im vergangenen Jahr von rund 850 auf weltweit 895 Mitglieder angewachsen. Hoppe: »Damit bieten wir das weltgrößte Eco-System für Interoperabilität und einen neutralen Boden in der Automatisierung.« Im Bereich der Informationsmodelle hat die Foundation im Jahr 2022 insgesamt zwölf Companion Spezifikationen freigegeben und fünf neue Gruppen gestartet. Insbesondere die Gruppe ‚Power Consumption‘ hebt Hoppe hervor, in der die PNO, ODVA, der VDMA und die OPC Foundation einen neuen Schnittstellenstandard für die Erfassung von Energieverbrauchsdaten in der industriellen Fertigung auf Basis von OPC UA erarbeiten.

Wird OPC UA Cloud Standard?

Sichtlich selbst von der Resonanz überrascht, geht Hoppe auf die rasante Adaption von OPC UA over MQTT direkt aus den Automatisierungsgeräten ein: »Im letzten Jahr haben wir Steuerungen von Beckhoff und Siemens direkt an das Microsoft Azure Dashboard angebunden. In diesem Jahr zeigen wir 17 verschiedene Hersteller, die das inzwischen umgesetzt haben.«

Noch wichtiger sei allerdings die native Anbindung an die Cloud-Anbieter: Nach Microsoft Azure, folgt nun mit AWS der nächste Cloud-Gigant. »Es ist nur noch eine Frage der Zeit«, so Hoppe, »bis weitere Cloud-Größen mit einem solchen Schritt folgen.«

OPC UA FX Spezifikationen verfügbar

Nach der Gründung der Field Level Communications (FLC) Initiative auf der SPS 2018 konnte Peter Lutz, Director FLC, jetzt die Freigabe der Spezifikationen verkünden. »Die Veröffentlichung der ersten Version der UAFX-Spezifikation und eine umfangreiche Multivendor-Live-Demo verbuchen wir als großen Erfolg. Durch das umfangreiches Prototyping sind die Spezifikationen bereits so ausgereift, dass sich direkt Produkte realisieren und Konformitätstests durchgeführen lassen.« Hoppe würdigte die Arbeiten und verwies darauf, dass die OPC UA FX-Erweiterungen in einem ersten Schritt die Lücke der standardisierten horizontalen Controller-2-Controller-Kommunikation schließt und von anderen Organisationen wie dem Open Process Automation Forum (OPAF) bereits als technologische Basis referenziert werden. Das OPAF widmet sich der Entwicklung von Standard-basierenden, offenen, Security-orientierten, interoperablen Prozess Control Architekturen.

Arbeitsgruppe für Security

Ebenfalls um das Thema Security kümmert sich die Industrial Ethernet Security Harmonization Group (IESHG). Die von den Standardisierungsorganisationen OPC Foundation, PI, ODVA und FieldComm ins Leben gerufene Arbeitsgruppe diskutiert regelmäßig Sicherheitsthemen im Kontext der industriellen Automatisierung. Ziel ist eine Angleichung der Sicherheitskonzepte von Industrial Ethernet, damit die Endanwender der Protokolle weniger Komplexität bei der Verwendung von Sicherheit in ihren Automatisierungssystemen haben. Die IESHG hat nun ein erstes Whitepaper erstellt, um verschiedene Themen der Sicherheitskonzepte von industriellen Automatisierungsumgebungen zu beleuchten. In einer FAQ werden allgemeine Konzepte erläutert von Public-Key-Infrastrukturen über diverse Zertifikatstypen der SDOs bis hin zu Zertifikatsmanagement-Tools.

Raus aus der Komplexität

»KMU’s finden nicht mehr durch den Zoo von Standards und Initiativen« beklagt Hoppe – kaum jemand könne ohne Probleme erklären, wo die Verwaltungsschale liegt, was der Unterschied zum digitalen Zwilling oder der Unterschied von AAS-Submodellen und den Companion Specs sei. »Die Anwender sind mit all den Begriffen und Organisationen überfordert – wie sollen sich die Techniker für neue Wege begeistern, wenn sie sich erst durch einen Wust an Begrifflichkeiten durchackern müssen.« Die OPC Foundation arbeitet deshalb mit anderen Organisationen daran, ein einfaches Positionspapier 'Big Picture Interoperabilität' zu entwerfen. Dies sei gerade jetzt so wichtig, in einer»»spannenden Zeit, in der IT und OT zunehmend zueinander finden«. Und für das Jahr 2023 kündigt Hoppe an: »Die industrielle Interoperabilität mittels OPC UA wird in weitere Gebiete der IT wachsen.« Firmen aus den Bereichen AI, Big Data und Datenräumen seien höchst sensibilisiert dafür, dass OPC UA den weltgrößten Pool an standardisierten Informationen in der Automatisierungswelt darstelle.

Die OPC Foundation auf der SPS 2022: Halle 5, Stand 140

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