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Werkzeugmaschinenindustrie 2019/2020

Digitale Vernetzung wird zum Top-Thema

14. Februar 2020, 14:13 Uhr   |  Andrea Gillhuber

Digitale Vernetzung wird zum Top-Thema
© VDW

Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des Verein Deutscher Werkzeugmaschinenhersteller.

Der VDW rechnet für die Werkzeugmaschinenindustrie mit einem Rückgang von 18 Prozent für das laufende Jahr, sieht im Rückgang aber auch eine Chance für die Branche, sich neu zu erfinden. Größter Hebel dabei sei die digitale Vernetzung.

Seit 2018 spürt die Werkzeugmaschinenindustrie einen Nachfragerückgang, doch konnte sich die Branche 2019 noch auf Vorjahresniveau halten. Lediglich ein Produktionsrückgang von einem Prozent vermeldete der Verein Deutscher Werkzeugmaschinenhersteller VDW. Konnte die Branche in 2019 noch vom hohen Auftragsbestand profitieren, wird für 2020 jedoch ein einschneidender Rückgang erwartet: Der VDW rechnet mit einem Rückgang von 18 % und geht zudem davon aus, dass es so schnell nicht wieder aufwärts gehe. Erst im zweiten Halbjahr könnte der Bodensatz erreicht werden, die erwarteten positiven Effekte werden aber nicht für einen Umschwung reichen. Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, schätzt die Lage wie folgt ein: „Bundeswirtschaftsminister Altmaier hat unlängst die Wirtschaftskrise in Deutschland für beendet erklärt. Dies gilt nicht für weite Teile der Industrie. Die Industrieproduktion in Deutschland wird nach Oxford Economics nochmals sinken. Einzig die Luftfahrtindustrie und der sonstige Fahrzeugbau jenseits des Automobilsektors erwarten einen nennenswerten Zuwachs von mehr als 3 Prozent. Anlageinvestitionen in den Hauptabnehmerindustrien steigen nur marginal. Für den Werkzeugmaschinenverbrauch wird nach einem leichten Rückgang im Vorjahr 2020 ein Minus von einem Fünftel erwartet.“

Digitalisierung und Nachhaltigkeit als Chance

Werkzeugmaschinenindustrie 2019/2020

Werkzeugmaschinenproduktion in Deutschland
Werkzeugmaschinenexporte
Werkzeugmaschinenimporte

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Für Dr. Heinz-Jürgen Prokop, Vorsitzender des VDW, jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: „Die Werkzeugmaschinenindustrie wäre jedoch nicht die Werkzeugmaschinenindustrie, wenn sie vor diesem Hintergrund nicht alle Hebel in Bewegung setzte, sich flankierend auch ein wenig neu zu erfinden.“ Die Werkzeugmaschine sei Kernkomponente in der Industrieproduktion und könne als solche einen Beitrag zu mehr Effizienz und Nachhaltigkeit leisten. „Eigene Initiativen und die enge Verzahnung der Branche mit der produktionstechnischen Forschung bringen viele Ideen auf den Weg, die in nachhaltigere Produkte und effizientere Prozesse münden“, so Prokop.

Als größten Hebel definiert Prokop jedoch die digitale Vernetzung. Sie bietet noch viel Potenzial in Sachen neuer Geschäftsmodelle, denn gerade dort sei mit Kreativität noch viel zu erreichen. Prokop: „An der Grundvoraussetzung für die Datennutzung, der standardisierten Kommunikationsschnittstelle umati, arbeiten wir weiter. Im Laufe des Jahres sind erste Produkte zu erwarten.“

Das Potenzial von Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes noch groß. So zeigten Untersuchungen des europäischen Werkzeugmaschinenverbands Cecimo, das gerade einmal 5 % der KMUs in Europa ihre Maschinen, Anlagen und Systeme flächendeckend vernetzt haben. Jedes dritte Unternehmen geht erste Schritte in diese Richtung oder hat sie zumindest in Planung. Das Potenzial hier ist also noch groß. „Mehr Effizienz in der Produktion ebnet den Weg in die Kreislaufwirtschaft und unterstützt nachhaltiges Wirtschaften. Von Bedeutung sind die Steuerungstechnik und eine durchgängige maschinelle Kommunikation. Der drahtlose Zugang zu Informationen in Echtzeit sind ein Schlüssel für die Optimierung von Fertigungsprozessen, Kapazitäten, Energie- und Rohstoffverbräuchen“, erläutert Prokop die Bedeutung einer vernetzten und effizienten Produktion.

Mit Digitalisierung und Automatisierung zur nachhaltigen Produktion

Mehr Effizienz in der Produktion unterstützt nachhaltiges Wirtschaften und ebnet den Weg in die Kreislaufwirtschaft. Wichtig dabei sind die Steuerungstechnik sowie eine durchgängige maschinelle Kommunikation. Der drahtlose Zugang zu Informationen in Echtzeit ist ein Schlüssel für die Optimierung von Fertigungsprozessen, Kapazitäten, Energie- und Rohstoffbedarf.

Laut VDW ist ist gerade die Werkzeugmaschinenindustrie in Sachen Nachhaltigkeit eine Vorzeigebranche. Die Aussage wird daran festgemacht, dass Werkzeugmaschinen deutscher Herkunft schon heute zu den nachhaltigsten Produkten zähle: Sie zeichnen sich durch lange Nutzungsdauer aus, für alle Komponenten der Maschinen gibt es über lange Zeit hinweg Ersatzteile und die Steuerungskomponenten halten durch Software-Updates für mehrere Generationen. Zudem werden Werkzeugmaschinen häufig generalüberholt und als Gebrauchtmaschinen wiederverkauft – das führt zu einem zweiten und teilweise dritten Maschinenleben. Werden sie am Lebensende verschrottet, lassen sich die meisten Materialien recyceln oder upcyceln.

Neben der Optimierung von Maschinenkomponenten widmen sich die Hersteller dem Energiebedarf während der Nutzungsphase. Das eingesetzte Rohmaterial und die Strom- und Medienverbräuche bestimmen die CO2-Bilanz der Produktion mit. Deshalb arbeiten Hersteller beispielsweise an Software, mit der Verschnitt und Abfall weiter reduziert werden. In Kombination mit neuer Hardware können darüber hinaus Medienverbräuche bis zu 70 % reduziert werden.

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