TSN-Zertifizierung

Die Rolle der Avnu Alliance

19. Februar 2019, 0:30 Uhr | Meinrad Happacher
Die Frage der Zertifizierung
© Avnu Alliance, WEKA Fachmedien

Das große Ziel für TSN und auch OPC UA lautet: herstellerübergreifende Interoperabilität! – Voraussetzung für dieses hehre Ziel ist allerdings ein rigoroser und präzise definierter Zertifizierungsprozess. Die Avnu Alliance versucht, zu einem solchen beizutragen.

Die Avnu Alliance ist eine Gemeinschaft mit folgendem selbstgesetztem Anspruch: Sie will ein interoperables Ökosystem schaffen, das die präzisen zeitlichen und latenzarmen Anforderungen verschiedener Anwendungen mit offenen Standards durch Zertifizierung erfüllt.  In diesem Zusammenhang versucht sie eine herstellerübergreifende Interoperabilität des Kommunikationsduos TSN und OPC UA zu unterstützen. 

Das Generieren eines Zertifizierungsprozesses ist hierfür sicherlich der erste Schritt. Geräte-Anbieter fordern allerdings zudem eine ‚One-Stop-Shop‘-Zertifizierung, also die Möglichkeit, von einer einzigen Stelle ihr Produkt komplett testen und zertifizieren zu lassen – in Bezug auf TSN, OPC UA und auf die darüberliegenden Geräteprofile. Gleichzeitig sollen mehrere unabhängige Zertifizierungsanbieter ihre Dienstleistung zu wettbewerbsfähigen Preisen offerieren und idealerweise alle globalen Hot Spots der Automatisierung abdecken. Wie können diese Anforderungen an die Zertifizierung in der neuen Ära der globalen Standards unter einen Hut gebracht werden?  

Time Sensitive Networking (TSN), von der IEEE in der Working Group 802.1 definiert, beschreibt die aktuell letzte Evolutionsstufe in der über dreißigjährigen Entwicklung der Ethernet-Standards: nicht modifiziertes, also ‚pures‘ Ethernet ermöglicht nun auch eine deterministische, zeitlich hochpräzise synchronisierte Kommunikation im Netzwerk. Somit ist Ethernet auch unter Echtzeit-Bedingungen geeignet, wie insbesondere bei Steuerungsaufgaben. Dadurch ermöglicht TSN die Konvergenz von kritischem Datenverkehr – etwa für Steuerungsaufgaben –  mit anderen Traffic-Arten über eine gemeinsame Infrastruktur ohne herkömmliche Protokoll-Gateways mit ihren bekannten Einschränkungen und Nachteilen. 

Während die Echtzeit-Domäne bisher in herstellergetriebenen Standards, den sogenannten Ethernet-basierten Feldbussen, abgedeckt wurde, wird die Konvergenz unterschiedlicher Traffic-Arten – friktionsfrei durch die gesamte Automatisierungspyramide – erst durch TSN möglich, was gerade in Anbetracht der für Industrie-4.0- und Industrial-IoT-Anwendungen erforderlichen Datendurchgängigkeit als echter Durchbruch gesehen werden kann.


  1. Die Rolle der Avnu Alliance
  2. Zertifizierung – keine Aufgabe des IEEE
  3. Erste Testpläne
  4. Standards auf Applikationsebene

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