Weidmüller auf der SPS 2022

»Das zentrale Software-Produkt«

8. November 2022, 6:35 Uhr | Meinrad Happacher
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Dr. Thomas Bürger: »u-OS umfasst nicht nur die klassischen Funktionalitäten eines Betriebssystems.«
© Weidmüller

Vor neun Jahren ist Weidmüller in das Automatisierungsgeschäft zurückgekehrt. Das Software-Geschäft ist in der Weidmüller GTI Software GmbH unter den Themen Visualisierung, Energiemanagement, IIoT und Machine Learning gebündelt. Dr. Thomas Bürger erläutert die weiteren Themen.

Herr Dr. Bürger, Sie sind seit gut zwei Jahren als Head of Automation Products & Solutions für das Automatisierungsgeschäft bei Weidmüller verantwortlich. Vor neun Jahren der Wiedereinstieg in dieses Business und jetzt die verstärkten Aktivitäten Richtung Software: Sind Sie auf dem richtigen Weg?

Wir sind zuversichtlich, dass der Bedarf nach Automatisierung, IIoT und Digitalisierung im Markt weiter zunimmt. Und ja, wir sehen uns dabei definitiv auf dem richtigen Pfad. Mit unserem bestehenden Portfolio sind wir ja jetzt schon sehr gut aufgestellt: Von der Datenerfassung bis zur Datenanalyse und Visualisierung decken wir alle relevanten Ebenen ab. Darauf aufbauend erweitern wir unser Portfolio sukzessive mit weiteren Lösungen rund um Industrial IoT und Automation.

Mit u-OS stellen Sie jetzt auf der SPS ein Linux-basiertes, offenes Betriebssystem für Ihre IoT- und Automatisierungsgeräte vor. Welche Bedeutung kommt diesem Betriebssystem zu?

u-OS ist das zentrale Software-Produkt für unser Angebot rund um »Data Pre-Processing & Control«. Das Betriebssystem ist die konsequente Weiterentwicklung unserer webbasierten Steuerung u-create web, die wir vor einigen Jahren eingeführt haben. u-OS ermöglicht zukünftig, die komplette Weidmüller Software-Produkt-Landschaft - Codesys, u-create web, Procon-Web und Industrial AutoML - sowie die unserer Partner durchgängig auf allen Geräten mit einem einheitlichen Benutzererlebnis zu bedienen. u-OS umfasst dabei nicht nur die klassischen Funktionalitäten eines Betriebssystems, sondern auch Mechanismen wie das Rollout-Management. Ebenso enthalten ist eine Middleware als Ausführungsumgebung von Microservices.

Im Markt gibt es mittlerweile mehrere offene, Linux-basierte Softwarelösungen für Automationssysteme. Wo positioniert sich hier u-OS und wird das Betriebssystem lediglich auf Weidmüller-Hardware laufen?

u-OS ist im Kern eine Zusammenstellung von Open-Source-Technologien beziehungsweise de-facto-Standards. Bei der Auswahl der Technologieblöcke ist unsere Maxime, die Unabhängigkeit der Anwender zu wahren. Dementsprechend vermeiden wir proprietäre Erweiterungen der verwendeten Technologien. So setzen wir beispielsweise auf Native Codesys und nicht auf ein OEM-spezifisches Derivat. Wir verstehen u-OS auch nicht als abgeschlossenes, eigenes Automatisierungs- oder Ökosystem, sondern wir wollen vielmehr die vielen existierenden Ökosysteme miteinander verbinden.

Die Roadmap sieht zudem vor, dass Anwender u-OS auch auf Fremdsystemen einsetzen beziehungsweise ihre eigene Firmware auf Basis von u-OS bauen können. Diese Umsetzung planen wir – auch und vor allem in Abhängigkeit vom Kundenfeedback – zu einem späteren Zeitpunkt.

Manche Experten gehen davon aus, dass sich auch in der Automatisierungstechnik langfristig nur sehr wenige Betriebssysteme durchsetzen werden. Ihrer Neuentwicklung entsprechend stimmen Sie dem wohl nicht zu?

Dem Stimmen wir durchaus zu, wenn wir die relevanten Bausteine betrachten: Bei dem eigentlichen Betriebssystem selbst hat sich ja schon Linux behauptet. Genauso hat sich Codesys als unabhängiger Anbieter für IEC61131-3 etabliert. OPC UA wird sich als Kommunikationsschnittstelle durchsetzen, so wie sich auch Feldbuslösungen etabliert haben.

Wir glauben jedoch nicht, dass es nur das eine Gesamtsystem geben wird. Hier existieren für die Kunden relevante Unterschiede sowie ein deutliches Differenzierungspotential, beispielsweise hinsichtlich der Anwendungsgebiete oder der optimalen Anbindung von modular ergänzbarer Hardware wie IOs. Und das ist auch gut so.

Der Automatisierungsmarkt ist durch starke Wettbewerber durchaus besetzt. Wo sehen Sie für Weidmüller das gewinnbringende Feld? Und worin besteht Ihr USP?

Eine Trennung von Industrial Automation und IoT wird es zukünftig nicht mehr geben. Genau hier spielen wir unsere Stärken aus. Unser konsistentes Portfolio umfasst alle Ebenen von der Datenerfassung, der Datenverarbeitung und der Steuerung über die Datenkommunikation bis hin zur Datenanalyse und der Visualisierung. Dadurch können wir mit unserem Kundenangebot »Enabler from Data to Value« sehr gut punkten. Auch in den einzelnen Produkten haben wir starke Differenzierungen, die für uns sprechen: Industrial AutoML, das die Anwendung von Machine Learning einfach und effizient ermöglicht oder unser modulares IO-Portfolio u-remote, wo wir uns als Technologieführer sehen, sind nur zwei Beispiele.

SPS 2022: Halle 7, Stand 160

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