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Nachgehakt bei Rahman Jamal

Das Internet of Production

16. Oktober 2019, 07:00 Uhr   |  Meinrad Happacher | Kommentar(e)

Das Internet of Production
© National Instruments

Rahman Jamal ist Business and Technology Fellow bei National Instruments.

Dem Internet of Production (IoP) liegt die Idee zugrunde, ein neues Niveau der domänenübergreifenden Kollaboration zu ermöglichen. An der Umsetzung der Vision arbeitet das Exzellenzcluster IoP an der RWTH Aachen. Rahman Jamal, Mitglied des Industriebeirats, erläutert die Ziele.

Herr Jamal, um was genau geht es bei diesem Cluster?

Rahman Jamal: Das Internet, in seiner Bedeutung als weltweites soziotechnisches Netzwerk, hat die Verfügbarkeit von Daten und Wissen revolutioniert. Die direkte Anwendung der Idee des Internets der Dinge – kurz IoT – auf die Produktion ist derzeit allerdings nicht zielführend möglich, da die Produktionstechnik durch wesentlich mehr Parameter, aber weniger verfügbare Daten als andere Big-Data-Domänen geprägt ist. Das heißt: Obwohl in der modernen Produktionstechnik große Mengen an Daten vorhanden sind, sind diese weder einfach zugänglich und interpretierbar noch so vernetzt, dass daraus Wissen generiert werden kann. In der Konsequenz bedeutet dies: Um ein Internet der Dinge für die Produktion – ein IoP – umsetzen zu können, gilt es noch allerhand zu tun! 

Wie muss man sich ein Internet of Production vorstellen? 

Rahman Jamal: Stellen Sie sich vor, Sie könnten einfach eine App befragen, was die effektivsten, besten und kostengünstigsten nächsten Schritte wären, Ihre Produktion zu steuern, umzugestalten und mit nur einem Knopfdruck zu optimieren! Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist für die Aachener Wissenschaftler des Exzellenzclusters IoP eine der Grundideen der Produktion von morgen: Die Produktion wird digital vernetzt, intelligent kooperierend und mit der Essenz der wichtigsten Daten aus dem Big-Data-Pool der Maschinen optimal mit Informationen ausgestattet sein.

Der Backbone der Fertigung ist dann das IoP?

Rahman Jamal: Das IoP wird die echtzeitfähige, sichere Informationsverfügbarkeit aller relevanten Daten zu jeder Zeit und an jedem Ort anbieten. Und ja, das IoP wird das Kernelement der Industrie 4.0. Letztendlich ebnet das IoP auf diese Weise den Weg in eine neue Ära der Produktion. Durch die Summe der generierten und aggregierten Daten – dem volumenstarken ‚Digitalen Schatten‘ der Produktion – entsteht Prognosefähigkeit mit dem Ziel einer durchweg kontrollierten Produktion. Angefangen bei der gesamten Produktentwicklung, bis hin zur schnellen, fehlerfreien Umsetzung von schnell erforderlichen Veränderungen in der Serienproduktion wird dabei domänenübergreifendes Wissen generiert und genutzt. Dieser Ansatz der bedarfsgerechten Datenanalyse und der Anwendung von Algorithmen des maschinellen Lernens birgt großes Potenzial und wichtige Impulse für die gesamte Produktionstechnik.

Welche Schwerpunktthemen werden in welchem Zeitrahmen behandelt?

Rahman Jamal: Dem Internet of Production liegt die Vision zugrunde, ein neues Niveau der domänenübergreifenden Kollaboration zu ermöglichen, indem semantisch adäquate und kontextbezogene Daten aus Produktion, Entwicklung und Nutzung in Echtzeit und angepasster Granularität zur Verfügung gestellt werden. Den zentralen wissenschaftlichen Ansatz hierfür stellen Digitale Schatten als anwendungsspezifisch aggregierte und multiperspektivische Datensätze dar. Im Exzellenzcluster wird eine konzeptionelle Referenzinfrastruktur entworfen und implementiert, welche die Generierung und Nutzung der Digitalen Schatten ermöglicht. Zu den Forschungsbereichen des Clusters gehören neben dem Gebiet der Infrastruktur die Themen ‚Materialien und Werkstoffe‘, ‚Produktionstechnik‘, ‚Produktionsmanagement‘, ‚Agile Produktionsentwicklung‘ und ‚Integrierte Nutzung‘.

Können Sie uns etwas über die Ursprünge dieses Clusters erzählen?

Rahman Jamal: In dem neuen Cluster führen wir seit 1. Januar im Endeffekt die Arbeiten des Exzellenzclusters ‚Integrative Produktionstechnik für Hochlohnländer‘ fort, die 2018 ihren Abschluss fanden. 

Inwiefern ist die Industrie in das neue Cluster eingebunden?

Rahman Jamal: Das Cluster hat zwei externe Beiräte: einen wissenschaftlichen und einen Industriebeirat. Der Industriebeirat setzt sich aus Vertretern deutscher Unternehmen der Automobil- und Luftfahrtbranche und dem Maschinen- und Anlagenbau zusammen. In Bezug auf die industrielle Zusammenarbeit teilen wir unsere Ansichten mit Anbietern von Produkten wie Siemens Mindsphere, PTC ThingWorx, SAP HANA, Amazon Web Services oder Microsoft Azure. Außerdem sind die Wissenschaftler eng mit industriellen Vereinigungen wie dem VDMA, des VDW und des VDA verbunden. 

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