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5G in der Industrie: Die Industrie plant (zu wenig) mit 5G

Die deutsche Industrie sieht große Chancen im kommenden Mobilfunkstandard 5G. Und doch beschäftigen sich nach Ansicht des Digitalverbandes Bitkom noch zu wenige Firmen mit der konkreten 5G-Versorgung.

5G in der Industrie Bildquelle: © Ericsson

Wie wichtig ist den deutschen Industrie-Unternehmen die künftige Verfübgarkeit von 5G? Wie stark beziehen die Firmen 5G schon in ihre zuknftigen Planungen mit ein?

Der Digitalverband Bitkom hat zu 5G eine Umfrage unter mehr als 500 Industrieunternehmen in Deutschland durchgeführt.  Ergebnis ist: Die Hälfte der Unternehmen ab 50 Mitarbeitern in Deutschland gibt an, dass die künftige Verfügbarkeit von 5G für sie wichtig sei. Bei Großkonzernen ab 2.000 Mitarbeitern sind es sogar zwei Drittel (66 %). Derzeit planen oder diskutieren aber nur zwei von fünf Industrieunternehmen (42 %) eine 5G-Versorgung, davon gut ein Drittel (36 %) eine 5G-Versorgung durch einen Netzbetreiber. Lediglich  6 % beschäftigen sich mit 5G über lokal nutzbare Frequenzen.

„Für den Industriestandort Deutschland ist 5G eine Schlüsseltechnologie“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Die deutsche Industrie bekommt mit 5G einen enormen Schub.“ Umso erstaunlicher sei, dass die 5G-Versorgung für 55 % der Industrieunternehmen momentan noch kein Thema ist. „Die Bundesnetzagentur hat Frequenzbereiche für die lokale 5G-Nutzung reserviert. Wenn kaum ein Unternehmen davon Gebrauch machen will, liegen diese Frequenzblöcke ungenutzt brach. Wer sich jetzt nicht mit 5G beschäftigt, riskiert das Geschäft von morgen.“

5G für die vernetzte Produktion

Grundsätzlich steht die Industrie dem Mobilfunkstandard der Zukunft sehr positiv gegenüber. Mehr als acht von zehn (84 %) stimmen der Aussage zu, dass 5G die Produktivität deutscher Unternehmen massiv fördern wird, 70 % sehen in 5G eine der wichtigsten Zukunftstechnologien.

Wer sich bereits mit 5G beschäftigt, hat unterschiedliche Anwendungsszenarien im Blick. Mehr als die Hälfte derjenigen Unternehmen, die den Einsatz von 5G planen oder diskutieren (54 %), will 5G für die vernetzte Produktion einsetzen. Jedes zweite dieser Unternehmen (50 %) plant damit Assistenzsysteme wie Augmented Reality und Virtual Reality, ebenso viele (49 %) wollen die Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen über 5G ermöglichen. Zwei von fünf (39 %) sehen 5G für autonome Fahrzeuge und Transportsysteme vor. Fast jedes dritte Unternehmen (31 %), das sich mit 5G beschäftigt, will mobile Roboter einsetzen. Unternehmen, für die 5G aktuell kein Thema ist, wollen vor allem andere Technologien nutzen. Das geben 70 % an, 69 % planen mit WLAN statt mit 5G. Mehr als die Hälfte der 5G-ablehnenden Unternehmen (57 %) sieht im neuen Mobilfunkstandard keinen Mehrwert, ein Drittel (32 %) hat dafür kein Budget.

Deutschland nur internationales Mittelfeld

Zum geplanten 5G-Aubau stellt die Industrie dem Standort Deutschland ein durchwachsenes Zeugnis aus. Nur 2 % der Industrieunternehmen sehen Deutschland im weltweiten Vergleich in der Spitzengruppe, ein gutes Drittel (36 %) verortet die Bundesrepublik im Mittelfeld. Für einen schnellen 5G-Aufbau in Deutschland muss aus Sicht des Bitkom so viel privatwirtschaftliches Engagement wie möglich generiert werden. Berg: „Jeder in Frequenzauktionen ausgebebene Euro fehlt anschließend beim Netzausbau. Die Politik sollte sich mit den Netzbetreibern auf eine vorausschauende und europaweit koordinierte Frequenzstrategie verständigen.“ Höhere Rechts- und Planungssicherheit in der künftigen Ausrichtung der Frequenzregulierung sei unabdingbar. „Einmal ersteigerte Frequenzen müssen für mindestens 20 Jahre nutzbar sein. Nur so verbessern sich die Investitionsbedingungen für Netzbetreiber. Statt Frequenzen nach wenigen Jahren neu zu versteigern, müssen wir auch die Verlängerung von Nutzungsrechten ermöglichen“, sagt Berg.