Sie sind hier: HomeFeldebeneVernetzung

SAP & Partner: Eine neue Industrie-4.0-Allianz

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Die Hintergründe der Alliance

Armin Pühringer Bildquelle: © SAP

Armin Pühringer: "Die Datenhoheit muss beim Anlagenbetreiber liegen!"

Welche Beweggründe stehen hinter der Open Industry 4.0 Alliance? Und welche Rolle kommt SAP hierbei zu? Armin Pühringer, Industry Advisor bei SAP Deutschland, bezieht Stellung. 

Herr Pühringer, die Open Industry 4.0 Alliance propagiert ein offenes Ökosystem zur digitalen Transformation von industriellen Fertigungsanlagen – was muss ich mir genau darunter vorstellen?

Armin Pühringer: Das Ziel der Allianz ist die Wertschöpfung für Anlagenbetreiber mit Industrie- 4.0-basierten Lösungen und Dienstleistungen zu steigern. Die Strategie hierbei ist, die Digitalisierung der Prozesse in der Industrie zukunftssicher umzusetzen. Die Arbeitsweise hierfür beruht auf zwei Säulen: Zum einen werden die Ergebnisse der Industrie-4.0-Plattform wie das RAMI 4.0, die Verwaltungsschale oder die Auswahl der entsprechenden Standards wie OPC UA, eClass, AutomationML und weitere, heute vorhandene Resultate von Industrie 4.0 in der Praxis eingesetzt. Zum anderen bildet sich hier eine Gruppe von Firmen, die diese genannten Ergebnisse in den eigenen Produkten und Leistungen umsetzt und so ein vernetztes Angebot bietet, das interoperabel ist und die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten erleichtert.

Worin unterscheidet sich diese Initiative etwa von der Mindsphere-Group, außer dem Unterschied, dass nicht das Siemens- sondern das SAP-Portfolio den Backbone der Lösung darstellt?

Armin Pühringer: Unser Credo beinhaltet den Einsatz für offene Standards, die Überzeugung, dass die Datenhoheit beim Anlagenbetreiber liegt und wir nur Treuhänder sind, und dass ein Vendor Lock-In Teil der Vergangenheit ist und die Zukunft von sinnvollen und offenen Kooperationen gestaltet wird.

Welche Motivation hat SAP hinter der Initiative?

Armin Pühringer: SAP begleitet und gestaltet die Digitalisierung in der Fertigung. Hier ist der Wandel von der Linienfertigung hin zu flexiblen Produktionsabläufen zu nennen. Wir bringen hier unser Intelligent-Asset- Management-System ein, das ein gemeinsamer Ort für alle semantischen Modelle der Assets ist, um neue Geschäftsmodelle zu generieren. Um die geforderte Offenheit und Interoperabilität der Lösung zu gewährleisten, hat SAP hier die Datenbasis als Central Asset Repository offen gelegt und mit Hilfe der Verwaltungsschale sichergestellt, dass Hersteller ihre Asset-Informationen gemäß Industrie 4.0 offen, transparent und ohne Vendor Lock-In für Kundenprojekte einbringen und auch im Rahmen der eigenen Digitalisierungsstrategie nutzen können.

Darauf aufbauend ist dann die Grundlage gelegt, auf der jeder Anbieter auf allen Ebenen der Architektur sein Marktangebot ausrichten kann. Von SAP aus haben wir mit Design2Operate auf der Hannover Messe 2019 das Zeichen gesetzt, wie im kooperativen Ansatz die intelligente Fertigung der Zukunft aussieht.

Sie sprechen von einem Baukasten modularer, kompatibler und skalierbarer Lösungs- und Dienstleistungskomponenten der beteiligten Firmen. Wie aber können Sie insbesondere die Kompatibilität garantieren? 

Armin Pühringer: Kompatibilität wird erreicht werden durch regelmäßige Plug Fests, bei denen die Interoperabilität der Komponenten innerhalb von Lösungen erreicht wird. Hier bauen wir auch auf Erfahrungen aus der industriellen Kommunikation auf.

Welche rechtliche Form wird die Initiative erhalten?

Armin Pühringer: Die Zielsetzungen der Open Industry 4.0 Alliance lassen sich durch einen eingetragenen Verein sehr gut organisatorisch abbilden. Wir sind hier in den letzten Vorbereitungen zur Gründung. Der Verein wird dann die Bereitstellung einer Industrie-4.0-relevanten Infrastruktur für Produktion, Fertigung und Lagerwirtschaft betreiben.