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OPC Foundation: "Die Anwender machen Druck!"

Ende 2014 hat die OPC Foundation ausgerufen, bis spätestens 2019 den Status eines weltweit anerkannten Standards des Industriellen Internet der Dinge IIoT zu erlangen. Ein Update zum aktuellen Status gab die OPC Foundation jetzt auf der Messe.

Christian Mosch, Stefan Hoppe, Thomas Hahn und Günther Koschnick Bildquelle: © OPC Foundation

Arbeiten künftig intensiv zusammen (v.l.): Dr. Christian Mosch, VDMA; Stefan Hoppe, OPC Foundation; Thomas Hahn, LNI4.0 und Günther Koschnick, ZVEI.

„Wir erleben eine unglaublich erfolgreiche weltweite Adaption“ freut sich Stefan Hoppe, Global Vice President der OPC Foundation und ergänzt: „Europa führt in der OPC UA Adaption mit weitem Abstand – wir erleben aber die Begeisterung für OPC UA weltweit!“ Hoppe hebt in puncto Nordamerika heraus, dass OPC UA nicht nur in drei Testbeds des IIC Verwendung finde, sondern „jetzt auch Großkonzerne wie Emerson und Rockwell OPC-UA-Produkte anbieten und der Foundation helfen, diese Technologie zu promoten.“

Asien holt auf

Aber vor allem mit Asien hat die OPC Foundation Freude. So ist zu erwarten, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre aus Asien mehr OPC-Mitglieder stammen und eine höhere Adaption erfolgen wird als aus Nordamerika. „Speziell in Taiwan war für mich beeindruckend, dass OPC UA eigentlich gar nicht beworben werden musste und als Standard akzeptiert ist – es aber dedizierte Fragen zu den VDMA-Informationsmodellen gab“, so Hoppe. “ Und in China sei OPC UA inzwischen ein lokaler chinesischer Standard.In Deutschland ist das Lab Network Industrie4.0 (LNI) die zentrale und neutrale Plattform für praktische Umsetzungen, eine Vielzahl von Durchstichsprojekten seien dort mit OPC UA auf dem Weg.

In Deutschland forciert vor allem der VDMA mit seinen 38 Fachverbänden die Idee der OPC-UA-Companion-Standards: Galten die Spritzgießer als Vorreiter, gefolgt von ‚Machine Vision‘ und der Robotik, so sind aktuell nun bereits elf Fachverbände im VDMA mit dem Thema OPC UA aktiv befasst. 

Companion Standards

„Die wirkliche Herausforderung der Zukunft ist, diese verschiedenen Companion Specs miteinander zu koordinieren, damit etwa ein Roboter und eine Spritzgießmaschine nicht komplett unterschiedliche MES oder Energie-Interfaces bekommen – dies wird vom VDMA synchronisiert“, lobt Hoppe die Aktivitäten. 

Die gestiegene Adaption lässt auch das erst im Januar eröffnete OPC Labor Europa in Stuttgart hoch ausgelastet arbeiten. Dort werden in Zukunft ebenso Companion-Standards zertifiziert werden, wie zum Beispiel der gerade veröffentlichte ‚OPC UA OPEN-SCS Standard‘ für die Serialisierung im pharmazeutischen Bereich. Darüber hinaus rüstet sich das OPC-Labor, um in Zukunft als One-Stop-Shop-Dienstleistung die Zertifizierung für OPC UA over TSN-Geräte anzubieten. „Im Raum Stuttgart haben wir alle notwendigen Partner, mit denen wir dieses Zertifizierungspaket anbieten werden. Es gibt aber nach außen nur den Ansprechpartner OPC-Labor und eine einzige Rechnung“ schaut Hoppe in die Zukunft, allerdings auch dämpfend: „Es wird noch dauern, bis es realistisch umgesetzt werden kann, da weder TSN fertig ist noch OPC UA PubSub freigegeben ist.“ 

End User machen Druck

Aktuell erlebt die OPC Foundation eine Welle von Beitritten – alleine im letzten Jahr sind 100 neue Mitglieder eingetreten. Aus Deutschland beispielsweise mit Miele ein Vertreter der Haushaltsgerätehersteller. Nach LG CNS ist in Korea nun mit Samsung der Gigant für Consumerprodukte dazugestoßen, um die eigene Fertigung zu optimieren. Aus der Tobacco Industrie sind Philip Morris International, British Tobacco, Imperial Tobacco und Japan Tobacco International neue Mitglieder und haben in Zusammenarbeit mit ihren Zulieferern eine ‚Tobacco Maschine Communication‘ (TMC) als OPC-UA-Companion-Spezifikation erstellt und freigegeben. 

Security und Techniktrends

Für die Zielgruppe der Anwender hat die OPC Foundation in Kooperation mit der M2M-Alliance eine erste praktische Security-Anleitung veröffentlicht. „Die in OPC UA vorbildlich eingebauten Security-Mechanismen müssen auch in der Praxis richtig genutzt werden“ so der Chairman Uwe Pohlmann, Fraunhofer IEM, „genau hier liefern wir die notwendigen Empfehlungen verständlich für die Anwender“. Microsoft hat der OPC Foundation einen OPC-UA-fähigen Global Discovery Server (GDS) und Client zur Verfügung gestellt und den Quellcode nun als Open Source auf GitHub veröffentlicht. Der GDS managt die OPC-UA-Server-Konfiguration, zentralisiert Erkennungen und erleichtert die Zertifikatverwaltung.

TSN und 5G

Klar positioniert hat sich die OPC Foundation laut Hoppe für OPC UA over TSN und zeigt eine erste Demo auf dem Messestand – „auch wenn seitens der IEEE die Konfiguration eines TSN-Netzwerkes noch gar nicht abgeschlossen ist.“ Als Ziel wurde die ­einheitliche horizontale Machine-to-Machine-Kommunikation ausgerufen. Der heute schon sichere Informationsaustausch zwischen Maschinen per OPC UA wird dann mit dem echtzeitfähigen TSN Layer neue Szenarien bieten. „Die OPC-UA-TSN-Arbeitsgruppe ist mit über 85 Firmen sehr agil. TSN ist für die OPC Foundation aber nicht die einzige Option – auch OPC UA over 5G wird unglaublich spannende Szenarien in der Zukunft lösen. „Wir bleiben der Agnostik des unterlagerten Transportkanals treu und bevorzugen auch bei den Cloud-Protokollen MQTT oder AMQP keine Option. Der größte Wert der OPC Foundation ist die Unabhängigkeit und das weltgrößte Ecosystem für Industrielle Interoperabilität“, so Hoppe.