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M2M Hotspot: Erste LoRa-Erfahrungen - Teil 2

Im ersten Teil der Artikelserie berichtete Klaus-Dieter Walter von SSV Software Systems über erste Erfahrungen eines LoRa-Pilotprojektes in Deutschland. Jürgen Kern, Geschäftsführer bei NetModule, schildert die LoRa-Situation insbesondere in der Schweiz.

Jürgen Kern, CEO der NetModule AG, auf der embedded world 2017 Bildquelle: © Computer&AUTOMATION

Jürgen Kern, NetModule: "Das Rennen ist noch nicht gelaufen; die nächsten Jahre werden wir sicher noch einen heterogenen Markt haben!"

Herr Kern, Klaus-Dieter Walter zieht in seinem LoRa-Erfahrungsbericht kein sehr positives Fazit. Sie sind Anfang des Jahres der LoRa-Alliance beigetreten um die Technologie voranzutreiben – warum sehen Sie den LoRa-Einsatz optimistischer?

Kern: Mit dem kontinuierlichen Anwachsen des IoT und damit der Vernetzung beliebiger Geräte mit dem Internet entsteht ein riesiger Markt für Endgeräte, die unterschiedlichste Einsatzbereiche abdecken. Nicht für jede Anwendung ist dasselbe Funknetz beziehungsweise Übertragungsprotokoll geeignet, darum ist auch für die LoRA-Technologie durchaus Potenzial vorhanden.

Wie reif ist die Technologie aus Ihrer Sicht?

Kern: Noch ist diese im Aufbau und wir sehen den Markt derzeit auch noch nicht bereit für den breiten Einsatz der LoRA-Technologie: Kleine Geräte sind erst bei wenigen Herstellern im Angebot. Dazu kommt, dass diese Technologie für die Mobilfunkanbieter eine Art Konkurrenzsituation bedeutet, was wiederum dem schnellen Ausbau der Netze entgegenwirkt.

Und dennoch engagieren Sie sich jetzt in der LoRa-Alliance?

Kern: Für uns als Hersteller von Routern und Gateways ist es wichtig, in der LoRa-Alliance mitzuwirken. Mit unserem ersten LoRa-Gateway, das wir zur Hannover Messe in diesem Jahr vorgestellt haben, sind wir bestimmt ein Vorreiter. Interessant ist für uns jetzt, wofür es die Kunden einsetzen, darum sind erste Geräte in Pilotprojekte eingebunden. So können wir einen fundierten Einblick gewinnen und auf die Anforderungen eingehen. Schließlich wollen wir vorne mit dabei sein, wenn der Markt anspringt!

Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass in der Schweiz die Swisscom hinter LoRa steht?
Kern:
Ja, anders als in Deutschland treibt der Telekom-Marktführer der Schweiz – die Swisscom – zwei Technologien: Zum einen treibt sie NB-LTE, zum anderen baut sie ein ergänzendes Low-Power-Netz (LPN) gemäß des LoRa-Standards auf. Gerade im Hinblick auf Anwendungen in energieeffizienten Geräten und  zukünftigen Smart Cities schafft das LPN eine gute Grundlage. Viele Kommunen planen – in erster Linie aus Kostengründen – LoRa-Netze hierfür einzuplanen. Wenn ein großer Betreiber wie die Swisscom hinter der Technologie steht, werden viele Investitionen einfacher. Daneben kann man davon ausgehen, dass Swisscom noch weitere Interessen damit verbindet: So gilt es einen potenziellen Markt frühzeitig zu besetzen, der sich möglicherweise rasch entwickelt.

Wie lässt sich erklären, dass in Deutschland die Deutsche Telekom kein Interesse an der Technologie zu haben scheint?

Kern: Die Deutsche Telekom setzt nach eigenen Angaben voll auf NB-IoT (Narrow Band IoT). Sie sieht in der Entwicklung der LPWANs (Low-Power-Wide-Area-Funktnetz) ein riesiges Potenzial und erwartet bis zum Jahr 2024 rund 3,8 Milliarden vernetzte Endgeräte. Ein Grund dafür ist sicher, dass die Deutsche Telekom zusammen mit anderen Firmen wie Nokia, Ericsson und Huawei über die globale Initiative 3GPP den mobilen Breitband-Standard für NB-IoT vorantreibt. Bei Verwendung des NB kann die bestehende Infrastruktur in aller Regel weiterverwendet werden. Ganz wesentlich für die Entscheidung war offensichtlich auch, dass NB-IoT mit 2G kompatibel ist, bei etwa 20 % besserer Abdeckung. Das bedeutet, dass die Telekom eine Vielzahl von 2G-Kunden nach Abschalten der GSM-Technologie einfach nach NB-IoT migrieren kann.

Die Telekom hat also ein größeres Selbstvertrauen als die Swisscom?

Kern: Dem sich abzeichnenden Entstehen von LoRa-Netzwerken durch City-Carrier und große EVUs sieht man wohl gelassen entgegen. Die Telekom sieht ihre Vorteile mit einem lizenzierten Spektrum darin, dass man umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen und hohe Betriebssicherheit garantieren kann, nicht unwesentlich für viele Anwender.

LoRa-Vertreter sprechen ja gerne von bis zu 15 km Reichweite zwischen LoRa-Knoten und Gateway. Praktiker machen aber ganz andere Rechnungen und damit auch eine ganz andere Kosten-Kalkulation auf.

Kern: Diese Rechnung muss jeder Betreiber eines LoRa-Netzes selbst ermitteln und die Kosten den Einsparungen von Lizenzen gegenüberstellen. In Ländern wie der Schweiz oder Holland, wo es eine LoRa-Infrastruktur gibt, hat man sicher Vorteile.

Haben wir mit den NB-IoT-Funktechniken der Telekom-Gesellschaften, LoRa und Sigfox also einen heterogenen Markt in der IoT-Vernetzung zu erwarten? Oder glauben Sie an eine schnelle Marktbereinigung?

Kern: Der Markt wird sich aus unserer Sicht heterogen entwickeln, zumindest in den nächsten drei bis fünf Jahren. Wir glauben, dass sich NB-IoT und LoRa parallel entwickeln werden. Sigfox wird an Bedeutung verlieren.

Die NB-IoT-Verfahren haben den großen Vorteil, dass sie innerhalb der bestehenden Infrastruktur verwendet werden können. LoRa hat den Vorteil, dass es ein offenes, freies und lizenzfreies Verfahren ist, das auch für Städte und Gemeinden eine kostenoptimierte Implementierung erlaubt. Der Markt wird letztlich zeigen, welche der beiden Lösungen sich durchsetzen kann, oder ob sich eventuell auch eine sinnvolle Koexistenz entwickelt.