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Neues Strommarkt-Design erforderlich

20. Januar 2023, 16:53 Uhr | Andrea Gillhuber
Für drei Jahre zum ZVEI-Präsidenten gewählt: Dr. Gunther Kegel
© ZVEI / Alexander Grüber

Die Elektro- und Digitalindustrie in Deutschland ist im vergangenen Jahr gewachsen, meldet der ZVEI anlässlich einer Pressekonferenz. In deren Rahmen forderte der Branchenverband ein neues Strommarkt-Design.

Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie hat sich in einem schwierigen Umfeld bewährt, meldete der ZVEI am 18. Januar im Rahmen einer Pressekonferenz. In den Monaten Januar bis November 2022 konnte die Branchen um real 3,7 Prozent zulegen – trotz widriger Umstände wie Ukraine-Krieg, Inflation und angespannter Lieferketten. Die gesetzte Prognose von rund vier Prozent wurde gehalten.

Die nominalen, sprich: die nicht um Währungseffekte bereinigten Erlöse stiegen um zwölf Prozent auf ein Rekordhoch von 224 Milliarden Euro. Die höchsten Zuwächse gab es bei elektronischen Bauelementen (+21 %). Es folgen Informations- und Kommunikationstechnik, Batterien, Energietechnik (je +14 %) und Automation (+12 %). Die Zahl der Beschäftigten lag zuletzt bei knapp 895.000 und damit 2,3 Prozent über dem Vorjahr.

Die Exporte erreichten einen Wert von 246 Milliarden Euro (inklusive Re-Exporte); das entspricht einem Plus von neun Prozent. Wichtigster Absatzmarkt war die Europäische Union einem Exportvolumen von 126 Milliarden Euro. »Der Binnenmarkt ist das größte Asset der EU. Wir müssen ihn weiterentwickeln – unternehmerisch und regulatorisch«, so ZVEI-Präsident Gunther Kegel. »Die Globalisierung scheint an einem Scheitelpunkt zu stehen. Die protektionistische Wirtschaftspolitik Chinas, aber auch der USA sind für uns ein hohes Risiko. Die EU muss entschlossen gegensteuern und mehr bilaterale Handels- und Rohstoffabkommen abschließen.« Für das laufende Jahr zeigt sich der Verband zuversichtlich und geht bei einer realen Produktion von einer schwarzen Null aus.

Neues Strommarkt-Design gefordert

Ebenfalls viel Raum nahm das Thema Energiewende bei der Pressekonferenz ein. Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung: »Nachdem sich die Politik im zurückliegenden Jahr vor allem den Herausforderungen Energiesicherheit und Bezahlbarkeit zuwenden musste, muss in diesem Jahr die Gestaltung der Energiewende wieder mehr in den Fokus rücken.« Der Branchenverband sieht vorrangig zwei Aufgaben: Die Netzinfrastruktur und zugleich ihre Digitalisierung müssen zügig ausgebaut und zudem das Strommarkt-Design weiterentwickelt werden.

Strom ist der Rohstoff der Energiewende, der über 90 Prozent des Energiebedarfs im Jahr 2045 decken soll. Aktuell liegt der Strombedarf bei 550 TWh/a. Durch die Elektrifizierung, unter anderem durch ca. 15 Millionen Ladepunkte und sechs Millionen Wärmepumpen, steigert sich der Strombedarf bis 2030 auf über 700 TWh/a. Bis zum Jahr 2045 liegt der Strombedarf bei 1.000 bis 1.200 TWh/a. Um diesen Bedarf zu decken, werden sich laut ZVEI die Erzeugungskapazitäten bei den erneuerbaren Energien mindestens um das 4,5-fache steigern müssen. Damit einher steigen auch die Anforderungen an das Stromnetz immens. »Um es klar zu sagen: Darauf ist unser Stromnetz derzeit nicht ausgelegt. Es ist nicht energiewendefähig«, so Weber. »Aber: Ohne starkes Stromnetz wird es keine Klimaneutralität geben. Das künftige Stromnetz muss zu einem Klimaneutralitätsnetz umgebaut werden.« Der ZVEI fordert konkret, dass neben dem physischen Ausbau Intelligenz ins System kommt. Unter anderem müsse mehr Tempo in den flächendeckenden Rollout intelligenter Messsysteme kommen, wie im Gesetz zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende, kurz GNDEW, vorgesehen.

Der Verband ist überzeugt, dass sich durch die konsequente Elektrifizierung und Digitalisierung der Primärenergieverbrauch um bis zu 65 Prozent reduzieren ließe. Durch eine dezentrale Energieerzeugung mit Speicherung, Verteilung im Quartier mit digitalen Netzanschlüssen, Sektorenkopplung mit Photovoltaik, Wärmepumpe und E-Mobilität und nicht zuletzt durch die immensen Effizienzgewinne der direkten Stromnutzung sind die gesetzten Klimaziele zu erreichen, so der Verband. Um diesen näherzukommen, ist jedoch ein grundsätzlich anderes Strommarkt-Design nötig. »Der Strompreis muss weiter von Steuern, Umlagen und Abgaben entlastet werden«, erklärt Weber. Darüber hinaus seien dynamische Stromtarife wichtig. »Das künftige StrommarktDesign muss so gestaltet sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher unmittelbar von attraktiven Preisen für Strom aus erneuerbaren Energien profitieren.«


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