Posital-Fraba

Digitale Transformation und IIoT im Blick

24. November 2021, 13:00 Uhr | Inka Krischke
Fraba-Posital Jörg_Paulus
Jörg Paulus: »Neben dem IIoT reichen künftige Applikationen für Wiegand-Sensoren vom niederfrequenten drahtlosen Laden bis zu transkutaner Energieversorgung für implantierbare medizinische Geräte.«
© Jörg Paulus

Drehgeber-Hersteller Posital hat im Sommer 2021 zwei Start-ups ins Leben gerufen, Credemus und Ubito. Zu den Hintergründen äußert sich Jörg Paulus, Europa-Geschäftsführer von Posital-Fraba.

Herr Paulus, was steckt hinter Credemus und Ubito?
Dahinter stecken rund 20 Jahre, in denen wir uns in eigener Sache sehr intensiv mit digitaler Transformation beschäftigt haben. 2001 gab’s das Go für einen echten Aufbruch, mit dem wir das 1918 gegründete Traditionsunternehmen Fraba mit neuen Produkten und Prozessen fit für die Zukunft machen wollten: Aus einem regionalen Drehgeber-Hersteller mit handwerklicher Produktion und klassischem Katalog wollten wir ein globales Unternehmen mit modular aufgebautem Portfolio und einer skalierbaren digitalen Fertigung machen.

Optische Multiturn-Encoder mit lästigen Backup-Batterien ersetzten wir 2005 durch magnetische Präzisionsgeber. ‚Mass Customization‘ und ‚Losgröße 1‘ waren zentrale Parameter der Transformation, die 2007 in der Eröffnung unserer digitalen Fabrik im polnischen Slubice mündete. Hier wird ausschließlich auftragsbezogen gefertigt, wobei der Kunde ‚seinen‘ Drehgeber per Online-Produktfinder spezifizieren und ordern kann. Gesteuert wird die Fertigung über eine Firmen-Cloud, die wir in Eigenregie initiieren und weiterentwickeln mussten. Und genau dieses Know-how bieten wir über unser Consulting-Start-up Credemus jetzt Mittelständlern an.

Unser zweites Start-up, die Technologie-Plattform Ubito, widmet sich der Wiegand-Technik, die wir erstmalig für den batterielosen Betrieb von Multiturn-Encodern nutzbar gemacht haben. Mit Ubito wollen wir die Wiegand-Technik noch stärker im Pool der klassischen Energy Harvesting-Systeme wie Solar, Piezo oder Thermoelektronik etablieren.

Was ist das Besondere an Credemus – in einer Zeit, in der Transformations-Software und Cloud-Systeme auf breiter Front angeboten werden?
2004 – drei Jahre vor dem Kick-off in Slubice – gaben wir den Startschuss für die digitale Transformation und eine funktionsfähige Firmen-Cloud und stellten sämtliche Prozesse und Produkte auf den Prüfstand, um sie zu digitalisieren. Da es keine fertigen Lösungen gab, musste die Cloud-Architektur mit Bordmitteln kreiert werden. Als Basis diente ein Open Source ERP, das von unserer IT-Abteilung zur Workflow Engine für die Fertigung – inklusive Online-Konfigurator und CRM – entwickelt wurde. Dies gab uns schon damals Zugriff auf eine gläserne Fabrik, in der wir sämtliche Performance-Daten in Echtzeit erfassen konnten. Seitdem setzen wir auf unsere digitale Transformationsplattform namens ‚Flow‘ – und über Credemus bieten wir sie nun als Softwarepaket mit begleitender Beratung Mittelständlern an.

Nun stellt sich Ubito der Öffentlichkeit vor …
Wir haben uns vor gut 15 Jahren dem Energy Harvesting per Wiegand-Effekt verschrieben: Mit einem nach einem Patent des Erfinders John Wiegand speziell konditionierten Draht aus Vicalloy ist es uns gelungen, Multiturn-Encoder zu bauen, die auch im stromlosen Zustand die Bewegungen der drehenden Welle ohne Batterien erfassen.

Anfang 2014 ging in unserem F&E-Zentrum das Wiegand Technology Center ans Netz, wo wir den speziellen Draht fertigen und die Technik weiterentwickeln. Neben Drehgebern sind Wiegand-Sensoren längst auch in Gas- und Wasser-Durchflussmessern eine feste Größe. Ubito soll komplett neue Applikationen für den ‚magischen Draht‘ aufspüren: Neben Energiegewinnung stehen auch Signalerzeugung sowie drahtlose Übertragung elektrischer Energie im Fokus. Getragen wird unser Engagement von zwei Forschungsinitiativen – beide gefördert mit je 1 Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel des ersten Projektes ist unter anderem, die Wiegand-Sensoren noch robuster und kostengünstiger zu machen. Beim zweiten Projekt steht die signifikante Erhöhung der Energieausbeute im Mittelpunkt. Es geht darum, genügend Energie für die drahtlose Kommunikation von Sensoren zu erzeugen. Ziel ist, konkrete Prototypen von autark funkenden IIoT-Sensoren zu präsentieren.


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