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Endress+Hauser: Bilanz 2010: Den Hebel umgelegt

Dem Einbruch im Krisenjahr 2009 folgte 2010 ein fast schwindelerregendes Wachstum: Ein Umsatzplus von 20 Prozent meldete Konzern-Chef Klaus Endress auf der gestrigen (24. Mai) Bilanzpressekonferenz in Basel.

Klaus Endress Bildquelle: © computer-automation.de

„Es war als hätte jemand den Hebel umgelegt,“ Klaus Endress, Vorstandsvorsitzender der Endress+Hauser-Gruppe, zum Geschäftsjahr 2010.

Die Firmengruppe steigerte 2010 den Nettoumsatz um 19,8 Prozent auf 1,31 Milliarden Euro – und glich damit nicht nur den Umsatzrückgang des Jahres 2009 aus, sondern übertraf die bisherige Bestmarke von 2008 deutlich, „um gute 100 Mio. Euro“, konkretisiert der Vorstandsvorsitzende (CEO) Klaus Endress auf der Bilanzpressekonferenz. Die wirtschaftliche Erholung war von Jahresbeginn an spürbar - anfangs zwar nur mit vergleichsweise kleineren Bestellungen, folgten im weiteren Verlauf auch Großaufträge. Nur wenige Märkte – darunter Griechenland, Irland und die skandinavischen Länder – hatten hieran keinen Anteil. Das stärkste Wachstum verzeichnete das Unternehmen in Amerika, wo sich das Geschäft mit einem Plus von 38,2 Prozent noch stärker entwickelte als in Asien (28,5 Prozent). In Europa wuchsen die Verkäufe um 12,9 Prozent, in Afrika und Nahost um zehn Prozent.

„Allerdings haben wir in Europa das Niveau von 2008 noch nicht wieder erreicht; die Wachstumsmärkte in Asien, Afrika und Nahost und auch Amerika liegen deutlich darüber“, betonte Michael Ziesemer, leitender Geschäftsführer (COO). Ziesemer sieht darin die vielleicht deutlichste langfristige Folge der Krise: „Die klassischen Industrienationen verlieren gegenüber den Wachstumsmärkten noch schneller als erwartet an Bedeutung.“

Besondere Wachstumsimpulse kamen aus der Lebensmittelindustrie, für Endress+Hauser die größte Branche. Dabei erholte sich der Anlagen- und Maschinenbau, beispielsweise die Hersteller von Abfüllanlagen, besonders rasant. Überdurchschnittlich beigetragen haben auch die Grundstoffindustrie sowie die Pharmabranche. Die Chemie, Öl- und Gasbranche, Metallurgie, Kraftwerkstechnik sowie Wasser-/Abwasseraufbereitung entwickelten sich gut. Einzig die Papier- und Zellstoffindustrie blieb im Minus.

Klaus Ziesemer Bildquelle: © computer-automation.de

Klaus Ziesemer, Endress+Hauser: „Wir profitieren davon, dass auch in Deutschland wieder in große Chemieanlagen investiert wird.“

Trotz der für Endress+Hauser negativen Entwicklung der Wechselkurse - zum Beispiel der Wertverlust des Euro gegenüber dem Franken von 16 Prozent - verdoppelte Endress+Hauser sowohl das Betriebsergebnis auf 187,4 Mio. Euro (+ 123 Prozent), als auch das Ergebnis nach Steuern auf 126,6 Mio. Euro (+ 115 Prozent). Da das Eigenkapital um über 30 Prozent auf 888,5Mio. Euro deutlich stärker wuchs als die Bilanzsumme (1,3 Mrd. Euro, + 24 Prozent), stieg die Eigenkapitalquote um weitere 3,4 Prozentpunkte auf 68,3 Prozent. Die finanzielle Unabhängigkeit erlaubt dem Familienunternehmen, die langfristigen Ziele zu verfolgen.

2010 wurden in kleinerem Umfang wieder Arbeitsplätze geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten in der Firmengruppe stieg um 175 auf insgesamt 8.594. Weder in der Krise noch im vergangenen Jahr wurde an Forschung und Entwicklung gespart: 96,4 Mio. Euro (+ 2,5 Prozent) wandte die Firmengruppe dafür auf, was 7,3 Prozent vom Umsatz entspricht. Die Patentanmeldungen erreichten mit 219 einen neuen Höchststand.

Die Investitionen in Gebäude und andere Sachanlagen betrugen 57 Mio. Euro. In Stahnsdorf bei Berlin wurde eine Betriebsstätte zur Fertigung von Silizium-Drucksensoren eingeweiht; in Cernay (Elsass) ein Kundenzentrum im Werk für Durchflussmesstechnik. „Mittlerweile stoßen unsere Produktionsstätten schon wieder an ihre Kapazitätsgrenzen“, erklärte Endress mit Blick auf die geplanten Investitionen. Die Standorte im badischen Maulburg (Füllstand- und Druckmesstechnik) sowie im sächsischen Waldheim (Glassensoren für die Flüssigkeitsanalyse) werden bereits ausgebaut. Weitere Bauvorhaben – auch außerhalb Europas – sind in Planung. Insgesamt will die Firmengruppe 88 Mio. Euro in 2011 investieren und weltweit mehr als 600 Arbeitsplätze schaffen.

Robuste Konjunktur sorgt für glänzenden Start in 2011

So gut die Bilanz für 2010 ausgefallen ist, so gut ist Endress+Hauser in das Laufende Jahr gestartet. Auftragseingang und Umsatz liegen derzeit zweistellig über den guten Vorjahreszahlen. „Derzeit erleben wir eine robuste Konjunktur“, sagte Endress. Obwohl die Firmengruppe für die zweite Jahreshälfte mit einer Abschwächung dieser Entwicklung rechnet, ist er überzeugt, die ursprüngliche Vorgabe von sieben bis acht Prozent Umsatzwachstum deutlich zu übertreffen. Dazu Ziesemer: „Mit einem wirklichen Einbruch rechnen wir in diesem Jahr nicht mehr.“