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Digitale Transformation: Gesunde Skepsis

Bei der digitalen Transformation ist die Suche nach neuen, disruptiven Geschäftsmodellen einer stärkeren Nutzenorientierung gewichen: Statt kategorisch das Alte in Frage zu stellen, geht es vielmehr darum, auch existierende Geschäftsmodelle zu digitalisieren.

Digitale Transformation, Pepperl+Fuchs Bildquelle: © Neoception

Die anfängliche Euphorie zu Industrie 4.0 ist einer gesunden Skepsis und realistischen Einschätzung gewichen. Die Digitalisierung der Industrie fällt einem nicht einfach in den Schoß, Industrie 4.0 ist weder einfach nur die nächste Generation Automatisierungstechnik noch ist es schlicht die Übertragung bekannter Softwareprodukte auf ein industrielles Umfeld. Vielmehr ist Industrie 4.0 die konsequente, echtzeitfähige Vernetzung aller industriellen Dinge, die systematische Erhebung und Strukturierung von Daten entlang der drei Dimensionen Lebenszyklus, horizontale Wertschöpfung und vertikale Geschäftsmodelle und – basierend auf diesen strukturierten Daten – die effiziente Neugestaltung exis­tierender Geschäftsmodelle, aber auch die Schaffung nutzbringender, neuer softwarebasierter Geschäftsmodelle. Und das ist eine wirklich große Herausforderung, setzt doch die strukturierte Erhebung echtzeitfähiger Daten die fehlerfreie, vollständige Beschreibung der Datenquellen – also der industriellen Dinge – voraus.

1. Basisvoraussetzung für jede Digitalisierung existierender und neuer Geschäftsprozesse sind gepflegte Stammdaten. Sind die zugrundeliegenden Stammdaten unvollständig oder fehlerhaft, läuft jeder automatisierte, digitale Prozess zwangsläufig fehlerhaft. Für produzierende Unternehmen, die nicht selten einige 10.000 Fertigwaren und eine vergleichbar größere Anzahl von Rohwaren ‚bewirtschaften‘ müssen, ist die Stammdatenpflege eine wahre Herkules-Aufgabe. Wer sich also auf dem Weg befindet, sein Unternehmen digital zu transformieren, sollte die Harmonisierung und Pflege des Artikelstamms allem voranstellen. In einer digitalen Agenda, die alle Themen der Unternehmenstransfor­mation in einem Zusammenhang darstellt und deren erfolgreiche Bearbeitung ‚monitort‘, darf das Kapitel ‚Artikelstamm‘ nicht fehlen. Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse (smart business processes) ist darauf ebenso angewiesen wie die Digitalisierung der Wertschöpfung (smart production processes) oder die Digitalisierung der Produkte und Dienstleistungen (smart products, systems and services).

2. Ein weiterer, eher genereller Aspekt ist die konsequente Modularisierung der Produktstrukturen und eine Umstellung der Fertigungsprozesse in ‚Losgröße 1‘-orientierte Produktionssysteme. Nur auf diese Weise lässt sich dem Wunsch nach mehr Individualisierung der Produkte und Dienstleistungen bei gleichzeitiger Wettbewerbsfähigkeit Rechnung tragen.

3. Und last but not least ist für die digitalen Produkte und Dienste ‚Konnektivität‘ ein Schlüsselwort. Digitale Geräte müssen durch ihre Verwaltungsschale vollständig beschrieben werden und so eine Integration in die Industrie-4.0-Netze ermöglichen. Da die Verwaltungsschalen dabei nichts anderes sind als ein deutlich erweiterter Artikelstamm, sind die zur Auswahl stehenden Mechanismen nicht neu. Aber: Den meisten Herstellern und Anwendern fehlt eine gewisse Betriebserfahrung – und in der Anwendung befinden sich alle Betroffenen noch am Anfang einer steilen Lernkurve. Daher erfolgt bei den ersten digitalen Transformationsprojekten sinnvollerweise meistens der Rückgriff auf Dienstleister, die dabei helfen, eine Verbindung von Geräten und Daten aus dem ‚Shopfloor‘ mit Systemen und Software auf dem ‚Officefloor‘ aufzubauen.