nachgehakt! - bei Helmut Schmid, DRV

Mit Robotern den Standort Deutschland sichern

29. März 2021, 15:54 Uhr | Andrea Gillhuber

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Normen und Standards als limitierende Faktoren?

Bei welchen Robotikanwendungen sehen Sie dabei das größte Potenzial in KMUs?

Schmid: Viele KMUs sind immer noch der Ansicht, Robotik ist teuer, kompliziert und schwer zu implementieren. Sie setzen sich mit dem Thema Robotik nicht auseinander und die Wissenslücke, was ich automatisieren kann, ist gerade dort riesig groß. Warum sage ich das? Der deutsche Mittelstand zählt zu den Weltmarktführern im Maschinenbau, sie entwickeln die tollsten, hochautomatisierten Maschinen. Doch alles was vor, nach oder neben der Maschine passiert, wird in der Regel händisch gearbeitet, sprich: die Maschine be- und entladen, Produkte verpacken, palettieren, depalettieren. Diese Aufgaben und auch typische Sortier- und Handhabungstätigkeiten sind Hauptansatzpunkte, gerade hier kann ich mit Robotertechnologie schnell und einfach automatisieren. Hier habe ich auch einen schnellen Return on Invest und Unternehmen sehen, dass es sich tatsächlich schnell und einfach umsetzen lässt. Heute gibt es viele Marktteilnehmer, die im Bereich Low Cost und Easy Programming hervorragende Lösungen anbieten. Schwierig und kompliziert ist schon lange nicht mehr der Fall.

Normen und Standards spielen in der deutschen Industrie eine große Rolle, in wie weit sind Sie limitierende Faktoren beim Einsatz von Robotern?

Schmid: Ja, wir Deutschen sind verliebt in Normen und Standards… (lacht) Das kann tatsächlich eine Hürde darstellen, wobei ich betonen möchte: Sicherheit ist wichtig! Menschen arbeiten mit, an und neben Maschinen, so dass hier durchaus eine Klärungslage vorhanden ist. Die Problematik dabei ist, wir denn die Normenlage auszulegen ist. Großkonzerne sind hier bestens gerüstet, aber für KMUs, die noch keinen Roboter im Einsatz haben, sind Normen eine Herausforderung. Viele wissen nicht, wie man Normen auslegt und richtig interpretiert. Es ist ein Unterschied, ob ich Messer oder Taschentücher handhabe, denn für beide brauche ich eine unterschiedliche Auslegung der Sicherheitsregelung. Genau darauf müssen wir hinarbeiten: dass Betriebe wissen, wie man eine Norm interpretiert und auslegt, aber nicht in Frage stellt.

Wie wird ihr Engagement im Bereich Standards und Normung aussehen?

Schmid: Der VDMA ist ein Haupttreiber der Normengremien, Berufsgenossenschaften sind ebenfalls ein Teil davon und auch wir möchten uns dort einbringen. Ich glaube, man sollte die Normenlage vereinfachen – nicht in der Auslegung, sondern im Rahmen der Zertifizierung und Risikobeurteilung. Hier wollen wir uns einbringen: Kleinbetriebe haben andere Anliegen als Großunternehmen, da versuchen wir mit den anderen an einem Strang zu ziehen.


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